Die Villa Wolfer, 1926 erbaute Industriellen-Residenz hoch über Winterthur, steht erneut zum Verkauf. Das Ehepaar Beatrice und Herwig Waldenberger, das das Anwesen 2019 vom Kanton Zürich erwarb, erwartet Preivorstellungen von rund acht Millionen Franken, wie die Bilanz berichtet.
Erstmals im April dieses Jahres war die Liegenschaft für 8,5 Millionen Franken ausgeschrieben worden. Im aktuellen Inserat heisst es nun «Preis auf Anfrage». Robert Ferfecki, Mitinhaber des Immobilienvermittlers FSP Fine Swiss Properties in Herrliberg ZH, bestätigte gegenüber Blick.ch die unveränderte Preislage: «Auf den Quadratmeter heruntergebrochen, ist das ein richtiges Schnäppli.»
Ein Stück Winterthurer Industriegeschichte
Die Villa ist nach Heinrich Wolfer-Sulzer (1882-1969) benannt, dem ehemaligen Direktor des Industriekonzerns Sulzer mit Sitz in Winterthur. Wolfer-Sulzer liess den Familiensitz nach dem Vorbild eines herrschaftlichen Zürcher Landhauses aus dem 18. Jahrhundert errichten. Entworfen wurde der zweigeschossige Bau mit hohem Satteldach vom Architekten Lebrecht Völki (1879-1937).
Damit verkörpert die Liegenschaft jene Ära, in der Winterthur durch Unternehmen wie Sulzer zu einem der industriellen Zentren der Schweiz wurde. Wie Nau.ch kürzlich festhielt, zählt der industrielle Kern bis heute zu den Standortvorteilen, auf welche die Stadt ihre Wirtschaftsstrategie bis 2030 stützt.
Was das Anwesen bietet
Die Villa bietet auf 600 Quadratmetern Wohnfläche 18 Räume, darunter zwei Badezimmer. Zum Anwesen gehört eine über 10'000 Quadratmeter grosse Parzelle mitten in der Stadt, am westlichen Rand des Lindbergs, unweit der Walcheweiher. Das Stadtzentrum ist in wenigen Minuten zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar. Zugleich liegt das Anwesen direkt am Waldrand und ist nur über eine Privatstrasse erschlossen. Der Aussenbereich umfasst eine gedeckte Terrasse von 80 Quadratmetern, zwei Einzelgaragen und zwölf Parkplätze vor dem Haus.
Trotz ihres Alters von rund 100 Jahren befindet sich das Haus, das im kommunalen Inventar der schutzwürdigen Bauten verzeichnet ist, in erstklassigem Zustand. Die Eigentümer liessen die Villa 2020 umfassend renovieren. «Es besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf, der Käufer kann sofort einziehen», sagte Ferfecki. Einzig der Dachboden biete Potenzial für einen weiteren Ausbau.
Vom Familiensitz zur Kinderpsychiatrie und zurück
Die Nutzungsgeschichte der Villa spiegelt den Wandel des 20. Jahrhunderts wider. Die Familie Wolfer-Sulzer verkaufte das Haus 1982 an den Kanton Zürich, der es vier Jahrzehnte lang als Kinder- und Jugendpsychiatrie betrieb. Später diente das Anwesen als Studentenwohnung, bevor der Kanton es 2019 an das Ehepaar Waldenberger veräusserte.
Das Paar bewirtschaftete die Liegenschaft mit erkennbarer Sorgfalt. Um der Bevölkerung etwas zurückzugeben, betrieben die Waldenbergers im Garten zeitweise ein Restaurant mit 30 bis 40 Sitzplätzen. Nun wollen sie ihr Leben neu ausrichten und werden nach dem Verkauf voraussichtlich aus Winterthur wegziehen.
Ein Markt, der Geduld verlangt
Gespräche mit Interessenten laufen laut Ferfecki laufend, doch die richtigen Käufer waren bislang nicht darunter. «Der Markt für solche Anwesen hat sich verlangsamt. Ein Verkauf braucht entsprechend Zeit», sagte der Makler. Ihm sei es ein Anliegen, würdige Käufer zu finden.
«Die Villa ist nichts für Spekulanten, sondern für Liebhaber, die Verantwortung für die Geschichte und Bedeutung der Villa Wolfer übernehmen», betonte Ferfecki gegenüber Blick.
Der langsame Absatz von Einzelstücken dieser Kategorie deckt sich mit der allgemeinen Marktlage im obersten Preissegment, wo auch aussergewöhnliche Objekte längere Vermarktungszeiten in Kauf nehmen müssen. Gleichzeitig unterstreicht der Fall eine grundsätzliche Frage der Denkmalpflege: Wenn private Eigentümer ausziehen, braucht es Käufer, die bereit sind, die Unterhaltskosten eines denkmalwürdigen Bauwerks zu tragen. Der Kanton hat mit dem Verkauf von 2019 auf eine private Lösung gesetzt. Ob diese auf Dauer trägt, wird sich bei der heutigen Vermarktung zeigen.
Fragen zur Villa Wolfer
Was kostet die Villa Wolfer in Winterthur?
Die Preivorstellungen der Eigentümer liegen bei rund acht Millionen Franken. Im April war das Anwesen noch für 8,5 Millionen Franken ausgeschrieben, im aktuellen Inserat heisst es «Preis auf Anfrage».
Wer hat die Villa Wolfer bauen lassen?
Heinrich Wolfer-Sulzer, ehemaliger Direktor des Industriekonzerns Sulzer, liess die Villa 1926 nach Plänen des Architekten Lebrecht Völki als Familiensitz errichten.
Wie wurde die Villa Wolfer früher genutzt?
Nach dem Verkauf an den Kanton Zürich im Jahr 1982 diente das Haus vier Jahrzehnte lang als Kinder- und Jugendpsychiatrie, später als Studentenwohnung. 2019 erwarb es das Ehepaar Waldenberger.
