Rund zehn Jahre nach dem Konkurs ist die Schweizer Modemarke Switcher zurück auf dem Markt. Seit diesem Sommer betreibt das Unternehmen mit dem gelben Wal im Logo neben dem Onlineshop wieder drei eigene Filialen in der Schweiz. Die Strategie ist bewusst gegenläufig zur Fast Fashion: zeitlose Designs, kurze Lieferketten und Bio-Baumwolle statt trendiger Experimente.
Wie SRF News berichtet, gehörte Switcher einst zu den bekanntesten Modehändlern der Schweiz. In seiner Blütezeit betrieb das Unternehmen über hundert Filialen schweizweit, bevor vor zehn Jahren der Konkurs folgte. Nach dem Neustaat über den Onlineshop setzt die Marke nun wieder auf eine physische Präsenz, allerdings in deutlich bescheidenerem Rahmen.
Zeitlos statt trendig: Die Strategie gegen die Lagerflut
Kern des Geschäftsmodells ist eine bewusste Absage an die schnelle Mode. Extravagante Schnitte oder trendige Muster sucht man im Sortiment vergebens; viele Modelle gehören seit Jahrzehnten unverändert zur Kollektion. Geschäftsführer Marc Joss formuliert es gegenüber SRF News unmissverständlich:
Wer extrem modisch einkaufen will, ist bei uns wahrscheinlich an der falschen Adresse.
Die Rechnung dahinter ist betriebswirtschaftlich wie ökologisch einleuchtend: Je zeitloser die Kleidung, desto weniger Ware bleibt unverkauft im Lager liegen. Das ist kein Nischenproblem. Schätzungen der Nichtregierungsorganisation Oxfam zufolge werden bis zu vierzig Prozent aller hergestellten Kleidungsstücke nie verkauft. Eine Zahl, die das Ausmass der Verschwendung in der Textilbranche verdeutlicht.
Tobias Meier, verantwortlich für Baumwolle und Textilien bei der Label-Organisation Fairtrade Max Havelaar, sieht darin einen grundlegenden Wandel im gesellschaftlichen Umgang mit Kleidung:
Kleidung wurde von einem Gebrauchsgut zu einem Verbrauchsgut.
Warum faire Mode nicht für fünf Franken zu haben ist
Nachhaltigkeit in der Textilindustrie ist möglich, hat aber ihren Preis. Die Lieferketten der Branche sind lang: von der Baumwollerte über das Weben und Färben bis zum Nähen. Wer in jedem dieser Schritte auf faire Arbeitsbedingungen und Umweltstandards achtet, kann keine Tiefpreise anbieten. Meier dazu:
Man wird nie ein T-Shirt für 5 Franken produzieren können, wenn man es ganz fair herstellen möchte.
Bei Switcher kostet ein Kurzarm-T-Shirt zwischen 20 und 30 Franken. Das liegt deutlich über den Preisen von Billigketten. Im Gegenzug kennt das Unternehmen nach eigenen Angaben seine gesamte Lieferkette von A bis Z. Möglich macht das die konzentrierte Produktion: 95 Prozent der Ware entsteht in Indien, nicht, wie in der Branche üblich, verstreut über den ganzen Globus. Das Beispiel zeigt, dass Transparenz und Überschaubarkeit handfest betriebswirtschaftliche Argumente sind, keine blossen Werbehülsen.
Warum nicht in der Schweiz produzieren?
Die naheliegende Frage, ob eine Produktion im Inland nicht ökologischer und sozial nachhaltiger wäre, weist Joss zurück. Auch in der Schweiz wäre der Lohn einer Näherin nicht existenzsichernd, argumentiert er. Jobs in der Textilindustrie würden überall vergleichsweise schlecht bezahlt, und ein kleines Unternehmen wie Switcher habe bei den Löhnen nur begrenzten Spielraum. Zudem sei der CO2-Ausstoss der indischen Fertigung insgesamt vergleichbar mit jenem von Marken, die zwar in Europa nähen lassen, deren Vorlieferketten sich aber ebenfalls über den halben Globus erstrecken.
Das ist eine ehrliche Antwort, die einer realistischen Ökologie entspricht, wie sie auch in der Schweiz diskutiert wird: nicht Ideologie, sondern Abwägung. Wer Autonomie und Verantwortung ernst nimmt, muss die tatsächlichen Bedingungen entlang der gesamten Kette betrachten, nicht allein den Fertigungsort auf der Verpackung.
Bio-Baumwolle statt Sojaseide und Fischernetze
Während andere nachhaltige Modelabels auf Fasern aus Soja oder recycelten Fischernetzen setzen, hält Joss von solchen Trends wenig. Mode müsse massentauglich bleiben, und dafür sei Bio-Baumwolle derzeit die sinnvollste Lösung. Switcher verarbeitet deshalb mehrheitlich Bio-Baumwolle, teilweise auch Polyester.
Diese Haltung deckt sich mit der breiteren Diskussion um nachhaltige Mode. Wie
