Energiesparen in der Schweiz: Wo der grösste Hebel liegt
Licht löschen beim Verlassen des Raums: Diese Gewohnheit sitzt tief in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer. Doch aus energetischer Sicht ist sie fast vernachlässigbar. Wer wirklich sparen will, muss anderswo ansetzen: beim Heizen, beim Warmwasser und bei der Mobilität.
Warum das Lichtlöschen kaum ins Gewicht fällt
Die Beleuchtung macht gerade einmal eineinhalb Prozent des Energieverbrauchs eines Schweizer Haushalts aus. Seit sich LEDs durchgesetzt haben, die bis zu 90 Prozent weniger Strom benötigen als frühere Glühbirnen, ist der Effekt des Lichtlöschens noch kleiner geworden. Dennoch bleibt die Handlung tief verankert, wie auch der Autor dieses Artikels zugibt: «Es steckt halt auch in meinem Kopf.»
Die LED-Revolution hat zudem einen Rebound-Effekt ausgelöst: Weil die Lampen so sparsam sind, wird mehr beleuchtet als je zuvor. Bildschirme wachsen, öffentliche Räume erstrahlen in Lichterfestivals. Das ist nicht per se problematisch, zeigt aber, wie sich Verhalten und Technik gegenseitig beeinflussen.
Heizen bleibt der grösste Energieposten
Mit Abstand am meisten Energie verbraucht die Heizung: Rund zwei Drittel der Haushaltsenergie fliessen in warme Räume. Jedes Grad weniger spart etwa sechs Prozent Heizenergie. Wer die Raumtemperatur von 24 auf 21 Grad senkt, reduziert den Verbrauch also deutlich, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Der Autor berichtet aus eigener Erfahrung: «Mit einem dicken Pulli, warmen Socken und einem Heizkissen für Härtefälle schaff ich es überraschend gut, meine Studio-Wohnung auf 21 Grad zu heizen.» Die Umstellung brauche Geduld, sei aber machbar. Energiehelden, die bei 19 Grad wohnen, gebe es zwar, aber das sei nicht für jeden etwas.
Warmwasser und Haushaltsgeräte: Die nächsten Stellschrauben
An zweiter Stelle folgt das Warmwasser mit rund 15 Prozent des Energieverbrauchs. Kürzer duschen oder die Temperatur am Boiler senken, sind einfache Massnahmen. Auch die grossen Haushaltsgeräte bieten Sparpotenzial: Tumbler, Waschmaschine, Herd, Backofen, Kühl- und Gefriergeräte sowie zunehmend Klimaanlagen sollten energieeffizient betrieben werden. Volle Ladungen und Eco-Programme sind dabei zentral.
In der Küche machen Kochen, Geschirrspülen, Kühlen und Tiefkühlen zusammen über sieben Prozent der Haushaltsenergie aus. Mit etwas Disziplin lässt sich hier einiges einsparen.
Mobilität: Der heimliche Energiefresser
Der grösste Hebel liegt jedoch ausserhalb des Haushalts: Die Mobilität verbraucht in der Schweiz mehr als ein Drittel der gesamten Energie, mehr als alle Haushalte zusammen. Privatautos sind dabei die grössten Verbraucher, nicht nur wegen ihrer Zahl, sondern auch wegen ihrer Ineffizienz. Zwei Tonnen Blech bewegen meist eine einzelne Person.
Der Verbrennungsmotor wandelt über 70 Prozent des Benzins in Wärme um, nur ein kleiner Teil wird zu Antrieb. Elektroautos sind mit rund zwei Dritteln Effizienz deutlich besser, aber auch sie bewegen viel Masse pro Person. Öffentlicher Verkehr und Velos bleiben die effizientesten Fortbewegungsmittel. Elektrobusse lassen sich als die LEDs der Strasse bezeichnen.
Der Scheinargument KI und Streaming
Immer wieder ist zu hören, dass künstliche Intelligenz und Streaming viel mehr Energie verbrauchen als Haushalte oder Autos. Das mag stimmen, doch es darf nicht als Ausrede dienen, den eigenen Verbrauch zu ignorieren. Wer ernsthaft sparen will, sollte bei den grossen Posten ansetzen: Heizung, Warmwasser und Mobilität. Das Licht löschen kann man trotzdem weiterhin, auch wenn es vor allem eine Frage der Gewohnheit ist.