Trockenheit zwingt Solothurner Bauer zur vorzeitigen Abgabe seiner Milchkuh
Die anhaltende Trockenheit im Sommer 2026 hat weitreichende Folgen für die Schweizer Landwirtschaft. Im solothurnischen Hägendorf sieht sich der 34-jährige Landwirt Christoph Haefely gezwungen, seine Milchkuh Dalia früher als geplant zur Schlachtung anzumelden. Der Betrieb am Jurasüdfuss leidet unter ausbleibendem Regen und staubtrockenen Böden.
Was ist die Situation auf dem Betrieb von Christoph Haefely?
Auf seinem Hof in Hägendorf produziert Haefely das Futter für seine sechzigköpfige Herde weitgehend selbst. Naturwiesen und Felder mit Luzerne und Futtergräsern bilden die Grundlage. Doch seit Wochen kann er kein Gras mehr schneiden. Der Boden ist ausgetrocknet, die Grashalme welk. Zwischen 10 und 30 Zentimeter Erde liegen auf dem felsigen Untergrund, dann kommt der Stein.
Haefely verfügt zwar noch über Reserven im Silo und auf dem Heustock, doch die Lage bleibt angespannt. Im Vergleich zu Betrieben auf den Jurahöhen, die ausschliesslich Naturwiesen bewirtschaften, sei man noch gut dran, sagt er. Dort stellt sich die Frage nach Futterzukauf oder Tierabgabe noch dringlicher.
Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Schlachtzahlen aus?
Die Zahlen der Branchenorganisation Proviande zeigen die Dramatik der Lage. Im Juli 2026 wurden in der Schweiz 16'889 Kühe geschlachtet, über 5000 mehr als im Juli 2025. Das entspricht einem Anstieg von 45,7 Prozent. Die Wochenzahlen im August deuten auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung hin.
Allerdings ist die Trockenheit nicht der einzige Grund. Ein Sprecher von Proviande verweist auf ein Überangebot an Milch und tiefe Milchpreise, die viele Bauern zur Bestandsreduktion veranlassen.
Wie entwickelt sich der Fleischpreis für Kühe?
Der Preis für Schlachtkühe bleibt trotz des erhöhten Angebots stabil. Ein Bauer erhält aktuell 10.20 Franken pro Kilo Lebendgewicht für eine Kuh wie Dalia. Das sind zehn Rappen weniger als in der Vorwoche, aber im langjährigen Vergleich ein sehr guter Preis, wie es bei Proviande heisst.
Die hohe Nachfrage nach Schweizer Rindfleisch, insbesondere von Fastfoodketten, stützt den Preis. Ältere Tiere landen oft in Hamburgern. McDonald's setzt auf Schweizer Fleisch, und für Produkte wie den Big Mac eignet sich günstiges Kuhhackfleisch besonders gut.
Warum muss Dalia vorzeitig zum Metzger?
Dalia wurde am 27. November 2015 geboren und hat seit 2018 Milch geliefert. Ihre Jahresleistung betrug 27 bis 28 Kilo pro Tag, insgesamt rund 65'000 Kilo oder 63'000 Liter. Normalerweise hätte sie noch ein bis zwei Laktationen vor sich, sagt Haefely.
Neben der Trockenheit spielt eine Verletzung an der Klaue des rechten Hinterbeins eine Rolle. Sie wurde behandelt, aber nicht vollständig behoben. Für die Kuh fühle es sich an, als hätte sie einen Stein im Schuh, erklärt der Landwirt. Normalerweise sei das kein Grund zur Schlachtung, doch in der aktuellen Lage kommen mehrere Faktoren zusammen.
Haefely gibt vorerst zwei Tiere vorzeitig ab: Dalia und Lorena, die mit dem Blauzungenvirus infiziert war. Bleibt der Regen aus, werden weitere Kühe folgen. Die Auswahl richtet sich nach Milchleistung, Gesundheitszustand, Trächtigkeitsaussichten und Stammbaum.
Wie reagiert der Bauer auf die Kritik an der Intensivierung?
Zuletzt wurden Bauern dafür kritisiert, zu viele Tiere zu halten und zu intensiv zu produzieren. Haefely weist das zurück. Auf seinem Betrieb hält er 1,3 Grossvieheinheiten pro Hektare, möglich wären bis zu drei. Normalerweise könne er sogar Futter verkaufen, betont er.
Welche Aussichten hat Haefely?
Der Landwirt hofft auf Regen. Die Wetterprognose für die kommende Woche stimmt ihn optimistisch. Er hat mehrere Felder oberflächlich aufgeraut, damit das Wasser versickern kann. Bei Regen könnte er auf den Luzernefeldern schon in drei Wochen wieder Futter ernten, auf den Naturwiesen dauert es zwei bis drei Monate. Doch die Erfahrung der letzten Wochen mahnt zur Vorsicht: Mehrmals waren Gewitter angekündigt, geblieben ist es trocken.
Der Gang zur Schlachtbank gehört zum Berufsalltag eines Bauern, sagt Haefely. Doch der vorzeitige Abschied von Dalia fällt ihm schwer. Sie habe einen guten Charakter gehabt und sich in der Herde gut verhalten. Es sei nie schön, ein Tier zum Metzger zu geben, aber es gehöre dazu.