Stan Wawrinka hat am Dienstagabend, 27. Oktober 2026, an den Swiss Indoors in Basel seine Profikarriere beendet. Der 41-jährige Waadtländer unterlag in der ersten Runde dem Tschechen Jiri Lehecka mit 5:7 und 6:7 nach einem Kampf, der über zwei Stunden dauerte und dem Spieler wie dem Publikum in der St. Jakobshalle viel abverlangte. Es war die 985. Partie des dreifachen Grand-Slam-Champions auf der ATP-Tour.
Die Niederlage trat an diesem Abend in den Hintergrund. Rund 8000 Zuschauer feierten den Romänder nach dem Schlussball, als hätte er einen Titel gewonnen, und sorgten dafür, dass Wawrinka im Platzinterview die Stimme versagte. Vor den Augen seines Teams und seiner Familie sagte er: «Ich bin traurig, dass es hier endet, aber auch sehr glücklich, dass ich euch habe. Danke vielmals euch und dem ganzen Publikum für die Unterstützung. Hier in der Schweiz aufzuhören, ist für mich ein idealer Abschied.»
Ein letzter Turniertag nach gewohnter Routine
Wie Blick.ch in ihrer Schilderung des Abschiedstags festhält, bereitete sich Wawrinka auf die grossen Emotionen mit seiner gewohnten Routine vor, so wie er es über zwei Jahrzehnte getan hatte. Der Tag begann um 11 Uhr mit einer letzten Trainingseinheit auf dem Center Court. Anschließend kehrte er ins Hotel Mövenpick in der Basler Innenstadt zurück, wo er wie Novak Djokovic eine Suite im obersten Stockwerk bewohnte. Nach Mittagessen und Siesta fuhr er kurz vor 17 Uhr mit dem Turniershuttle zurück in die Halle.
Nach dem Abendessen im Dining Room des Backstage-Bereichs versammelte sich das gesamte Team im Gym. Selbst Konditionstrainer Pierre Paganini, der Wawrinka und auch Roger Federer über Jahre begleitet hatte, war anwesend, ebenso Coach Magnus Norman, Physiotherapeut Julien Reverte und der zweite Konditionstrainer Dario Novak. Gemeinsam verfolgten sie am Bildschirm Teile der Partie zwischen Ben Shelton und Aleksandar Kovacevic. Um 20.30 Uhr spielte Wawrinka mit seiner Entourage noch eine lockere Runde Fussball, vierzig Minuten später stand er matchbereit in der Arena.
Ein Kampf bis zum letzten Ball
Der erste Satz gegen Lehecka verlief eng, wie Watson berichtet, und am Ende verließ den Waadtländer das Glück. Er legte in seinem letzten Turnier als Profi noch einmal alles in die Waagschale, vergeblich. Der Tscheche entschied den Satz mit 7:5 für sich, den zweiten im Tiebreak.
Die NZZ ordnet das Ergebnis in den Kontext ein: Das Aus in der ersten Runde der Swiss Indoors beendet eine Laufbahn, die den Spieler aus Saint-Barthélemy im Kanton Waadt an die Spitze des Welttennisses führte. Wawrinka gewann drei Grand-Slam-Titel, bei den French Open 2015, den US Open 2016 und den Australian Open 2014, und war lange die Nummer zwei der Schweiz hinter Roger Federer.
Ein Körper, der bis zuletzt hielt
Wie der Bote schreibt, hielt Wawrinkas Körper bis zum Schluss, sodass er seinen Abschied tatsächlich auf dem Platz erleben konnte. Das war in seinen späten Jahren keineswegs selbstverständlich. Mehrere Knieoperationen hatten ihn zwischenzeitlich weit aus den Top 100 geworfen. Dass er mit 41 Jahren und sieben Monaten noch auf der ATP-Tour auflaufen konnte, ist auch ein Verdienst der Arbeit mit seinem Langzeitteam um Paganini, dem wohl bekanntesten Konditionstrainer des Schweizer Sports.
An der Pressekonferenz um Mitternacht, der auch sein Manager Lawrence Frankopan beiwohnte, zog Wawrinka eine persönliche Bilanz. «Ich habe keine Angst vor einer Leere», sagte er. «Es gibt so viel, auf das ich mich nun freuen kann.»
Was Wawrinka für den Schweizer Sport bedeutet
Wawrinkas Karriere ist auch eine Geschichte über Beharrlichkeit. Er wurde 1985 in Lausanne geboren, trat 2002 ins Profitum ein und brauchte Jahre, um aus dem Schatten Federers zu treten. Seinen Durchbruch im fortgeschrittenen Tennisleben feierte er erst mit Endezwanzig, als er mit einem neu aufgebauten Team um Magnus Norman seine Spielweise auf ein höheres Niveau hob. Drei Grand-Slam-Finalteilnahmen, drei Titel, ein Davis-Cup-Triumph mit dem Schweizer Team 2014 und eine Goldmedaille im Doppel mit Federer an den Olympischen Spielen 2008 in Peking zählen zu seinen grössten Erfolgen.
Für die Romandie und den Schweizer Sport insgesamt hat Wawrinka eine Funktion, die über das Sportliche hinausgeht. Als Frankophon in einem von Deutschschweizern geprägten Tennismilieu verkörperte er die sprachliche Vielfalt des Landes. Sein Abschied in Basel, im Herzen der Nordwestschweiz, unterstreicht symbolisch, was Wawrinka selbst betonte: Der Ort des Rücktritts war bewusst gewählt, in der Heimat, vor heimischem Publikum.
Was folgt nach der aktiven Laufbahn?
Kehrt Stan Wawrinka noch auf die Tour zurück?
Nichts deutet darauf hin. Wawrinka sprach an der Pressekonferenz von einer endgültigen Entscheidung und davon, dass er sich auf das Leben nach der Tour freue. Seine Niederlage gegen Lehecka war seine letzte ATP-Partie.
Wie viele Spiele hat Wawrinka auf der ATP-Tour bestritten?
Das Basel-Duell gegen Jiri Lehecka war seine 985. Partie auf der Männertour, wie aus dem Turnier berichtet wurde.
Wo endete Wawrinkas Karriere genau?
In der St. Jakobshalle in Basel, an den Swiss Indoors, seinem Heimatturnier, das er 2014 für sich entscheiden konnte. Der Abschied fand am Abend des 27. Oktober 2026 statt.
