Standardschwäche beim 1. FC Köln: Trainer Wagner in der Kritik
Der 1. FC Köln hat auch unter dem neuen Cheftrainer René Wagner seine eklatante Schwäche bei Standardsituationen nicht behoben. Nach den ersten fünf Pflichtspielen der Saison 2025/26 stehen bereits vier Gegentore nach ruhenden Bällen zu Buche. Die Verantwortlichen und Beobachter zeigen sich fassungslos über wiederkehrende Abstimmungsfehler in der Defensive.
Wiederholte Gegentore nach ruhenden Bällen
Bereits in der Vorsaison kassierten die Kölner zahlreiche Treffer nach Standardsituationen. Wagner, der im Sommer vom Interimstrainer zum Cheftrainer befördert wurde, sollte dieses Problem in seiner ersten Vorbereitung lösen. Dieses Vorhaben ist nach Ansicht von Beobachtern gescheitert. Beim jüngsten 0:1 beim Hamburger SV standen drei HSV-Spieler ungedeckt im Fünfmeterraum, während sich die Kölner Abwehrspieler am kurzen Pfosten versammelten.
Deutliche Kritik im FC-Podcast
Im Podcast „Wir waren klar besser“ von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger äußerten sich die Journalisten Christian Löer und Jürgen Kemper ungewöhnlich scharf. Löer, Sportchef des Kölner Stadt-Anzeigers, zeigte sich fassungslos über die Defensivordnung: „Wenn man sich anschaut, wie der FC da steht: Man ist ja fassungslos!“ Kemper ergänzte: „Drei HSV-Spieler stehen völlig blank und drei Leute vom FC wissen nicht, wo oben und unten ist. Wie kann es dazu kommen?“
Für Kemper handelt es sich nicht um einen einfachen Abstimmungsfehler, sondern um einen Grundsatzfehler. Die Ecke des HSV sei keine revolutionäre Variante gewesen, sondern ein Standard, den man auf diesem Niveau verteidigen können müsse.
Trainer Wagner verweist auf individuelle Fehler
Wagner zeigte sich nach der Partie sichtlich verärgert und verwies auf Absprachen, die nicht eingehalten worden seien: „Wir haben nicht so gestanden, wie wir besprochen haben. Das müssen wir mit den Jungs besprechen. Unter Stress macht man Fehler.“ Diese Aussage stiess bei den Journalisten auf Unverständnis. Löer konterte: „Da sind wir wirklich in einem Bereich, wo ich so denke: Okay, Freunde, wir spielen halt schon Fussball-Bundesliga.“
Wer trägt die Verantwortung?
Kemper stellte die grundsätzliche Frage nach der Verantwortlichkeit: „Wer ist denn daran schuld, dass die Spieler nicht wissen, wo sie stehen müssen? Eine ernst gemeinte Frage: An wem liegt das?“ Löer wies zudem darauf hin, dass der FC in Hamburg nicht unter besonderem Druck gestanden habe. Das Spiel sei weitgehend unter Kontrolle gewesen, bevor der Gegner nach einer Ecke traf.
Kemper kritisierte auch Torhüter Marvin Schwäbe, der bei der Ecke auf der Linie geblieben war: „Toni Schumacher hätte früher seine eigenen Mitspieler und den Gegner dabei aufgefressen bei dem Ball in den Fünfer.“
Umsetzungsdefizit trotz ausreichender Vorbereitung
Wagner hatte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel eingeräumt: „Wir können alles analysieren und besprechen, aber irgendwann müssen wir das auch mal umsetzen und besser machen.“ Kemper fragte daraufhin: „Wann fängt man denn damit an?“ Der Kader sei in Absprache mit Wagner zusammengestellt worden, und in der gesamten Vorbereitung habe das Trainerteam Zeit gehabt, die Abläufe zu trainieren.
Nach vier Spieltagen stelle sich nun die Frage, wann die besprochenen Dinge endlich umgesetzt würden. Das Team spiele nie zu Null, und mindestens eine Halbzeit pro Spiel entspreche nicht den Vorgaben.
Wenig Zeit zur Korrektur
In der anstehenden Länderspielpause hat Wagner drei Wochen Zeit, an den Stellschrauben zu drehen. Allerdings fehlen neun Profis, davon sechs potenzielle Stammspieler. Am 11. Oktober wartet das Derby gegen Borussia Mönchengladbach, ein Spiel mit besonderer Brisanz für die Kölner Fans.
Die Frage, ob Wagner die Standardschwäche in den Griff bekommt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Die Geduld der Verantwortlichen und der Anhängerschaft dürfte angesichts der wiederkehrenden Muster begrenzt sein.