Der 19-jährige Basler Henry Bernet hat von den Swiss Indoors eine Wildcard für die Qualifikation erhalten, wie er am Sonntag nach einem Anruf von Turnierdirektor Roger Brennwald erfuhr. Für den früheren Junior-Weltranglistenersten ist dies der vorläufige Höhepunkt einer Saison, die nach einem schweren Start seit dem Trainerwechsel im Sommer deutlich aufwärts verläuft.
Bernet, der im Mai 2025 die Juniorenweltrangliste anführte, hatte in den ersten vierzehn Partien des Jahres nur zwei Siege verbucht. Seit der Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer Yannik Steinegger stehen ihm 25 Siege nur neun Niederlagen gegenüber, und im Ranking erreichte er mit Position 364 einen Karrierebestwert, wie ...
watson.ch berichtet.
Ein Rückblick auf ein Halbjahr mit Rückschlägen und die Frage, wie aus einem Krisenherd wieder ein Hoffnungsträger wurde.
Die Ausgangslage: vom Junior-Star zum Profi-Alltag
Am 24. Januar 2025 sass Bernet in Melbourne in der Dopingkontrolle neben Novak Djokovic, einen Tag vor seinem 18. Geburtstag, nachdem er den Junior-Final der Australian Open erreicht hatte.
«Es war nicht der Moment, um Smalltalk zu führen», sagte Bernet.
Ein Jahr später, beim Super Monday der Swiss Indoors 2025, forderte er die tschechische Weltnummer 19, Jakub Mensik, in einem Dreisatzmatch an den Rand einer Überraschung. Doch die Folgewoche zeigte, wie hart der Schritt zu den Profis ist. Von den ersten 14 Partien des Jahres 2026 gewann Bernet nur zwei.
«Der Saisonstart war nicht so schlecht, wie die Resultate es vermuten lassen. Aber es hat sich eine Negativspirale entwickelt», sagte Bernet.
Warum der Trainerwechsel kam
Nach einer Auftaktniederlage beim ATP-250-Turnier in Genf setzte sich Bernet mit seinen Trainern Sven Swinnen und Severin Lüthi zusammen.
«Wir haben alles hinterfragt und schlussendlich entschieden, uns zu trennen», sagte Bernet.
Ausschlaggebend sei vor allem «das Gefühl, schlechter Tennis zu spielen als zu Beginn des Jahres» gewesen. Die Zusammenarbeit mit Swinnen wurde beendet, das Mandat von Davis-Cup-Teamchef Severin Lüthi pausiert. Bernet, der in seiner Karriere bis dahin vor allem gewonnen hatte, stellte sich in dieser Phase die Existenzfrage.
«Ich machte mir schon Gedanken, ob sich der Traum vom Profitennis realisieren lässt», sagte der Basler. «Jeder sagt, dass der Schritt zu den Profis hart ist. Das habe auch ich erfahren. Doch vielleicht hat es mir geholfen, ein halbes Jahr auf die Nase zu bekommen.»
Der Neuanfang mit Yannik Steinegger
Auf der Suche nach einem neuen Coach testete Bernet auf Anraten seines Managements die schwedische Tennisakademie GtG, die vom früheren Wawrinka-Coach Magnus Norman mitgegründet wurde. Dort trainierte er mit Ex-Spieler Mikael Tillström und erreichte in Värnamo einen Halbfinal. Ende Juni entschied er sich für den 26-jährigen Yannik Steinegger aus Bubendörfer, der zuvor Leandro Riedi knapp zwei Jahre erfolgreich betreut hatte.
«Mit ihm wurde mein Spiel jeden Tag besser. Die Resultate stimmen ebenfalls wieder», sagte Bernet.
Steinegger beschreibt den Ansatz mit den Worten «vereinfachen», «zurück zur Basis» und «einen Schritt zurück machen». Statt ausschliesslich bei Challenger-Turnieren anzutreten, spielte Bernet wieder vermehrt Futures und gewann in Lausanne und Falun zwei Titel souverän. Danach gelangen ihm auch auf Challenger-Stufe wieder Siege.
«Es war nicht möglich, da zu sein, wo er gerne gewesen wäre, weil die nötige Physis noch nicht da war», sagte Steinegger.
Regionale Verwurzelung als Vorteil
Beide kennen sich bereits seit längerem, und beide stammen aus der Region Basel.
«Es hilft, dass wir uns schon gut kennen und beide aus der Region kommen. Yannik hat extrem viel Tennis auf diesem Niveau gesehen», sagte Bernet.
Der strukturierte Trainingsaufbau und ein klarer Plan helfen ihm ebenso wie die taktische Weiterbildung.
«Als Junior reichte es, gut zu spielen. Bei den Erwachsenen musst du auch clever spielen, das gegnerische Spiel lesen und Lösungen finden können. Diesbezüglich hilft mir Steinegger sehr», sagte Bernet.
An der Technik wird an Details gearbeitet. Beim Aufschlag ist die Anfangsbewegung nun rhythmischer, der Ellenbogen etwas höher, was langfristig konstantere Services ermöglichen soll.
«Es ist ganz komisch für den Körper, da er die Bewegung anders kennt. Doch es ist schön zu sehen, wenn die Umstellungen dann fruchten», sagte Bernet.
Rekrutenschule in Magglingen als nächster Schritt
Der Trainerwechsel half dem 19-Jährigen auch beim Erwachsenwerden.
«Ich bin aufmerksamer geworden, hinterfrage mehr und denke mehr mit», sagte Bernet, der zugibt, als Junior oft einfach den Trainings- und Turnierplan abgenickt zu haben.
Fitnesstrainer Lorenzo Petrucci blieb im Team, und die körperliche Basis wurde seit Sommer ausgebaut.
«Wir haben viel gearbeitet und ich spüre bereits die Fortschritte. Jetzt konnte ich zwar schon mehr enge Matches für mich entscheiden, doch ich habe immer noch sehr viel Luft nach oben», sagte Bernet.
Am Donnerstag bereitete er sich mit einem Training an der Seite der amerikanischen Weltnummer 4, Ben Shelton, auf die Swiss Indoors vor. Danach tritt er die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen an, wo die Basis für die Saison 2027 gelegt werden soll.
«Ich bin nicht zufrieden mit dem Jahr. Doch ich bin zuversichtlich, meinen Weg zu gehen», sagte Bernet.
Wie realistisch ist der Sprung in die Top 250?
Das erklärte Ziel bleibt der Einstieg in die Qualifikation eines Grand-Slam-Turniers. Dafür müsste Bernet im Ranking in die Top 250 vorstossen, rund 200 Plätze über seinem aktuellen Karrierebestwert. Angesichts der Bilanz seit dem Trainerwechsel im Juni erscheint dieses Vorhaben nicht unrealistisch.
Häufige Fragen
Warum erhielt Henry Bernet 2026 keine Wildcard für das Hauptfeld der Swiss Indoors?
Wie Bernet selbst sagte, fiel der Wildcard-Entscheid in diesem Jahr besonders knapp aus, weil mehrere Schweizer Spieler auf ähnlichem Niveau stehen. Er startet daher, wie schon 2024, in der Qualifikation.
Mit welchem Trainer arbeitet Henry Bernet aktuell?
Seit Ende Juni 2026 arbeitet Bernet mit dem 26-jährigen Yannik Steinegger aus Bubendörfer. Zuvor waren Sven Swinnen und Severin Lüthi für ihn tätig, wobei die Zusammenarbeit mit Swinnen beendet wurde und das Mandat von Lüthi pausiert.
Was sind Henry Bernets nächste Schritte nach den Swiss Indoors?
Unmittelbar nach dem Turnier in Basel absolviert Bernet die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen, um dort die Grundlage für die Saison 2027 zu schaffen.