Der deutsche Kabarettist und Fernsehmoderator Harald Schmidt hat sich in einem Gespräch mit SRF News zur Schweiz geäussert und dabei eine bemerkenswerte These über die Motive deutscher Zuwanderer formuliert. «Für die meisten ist der Steuergedanke entscheidend», sagte der 69-Jährige, der heute als Kreuzfahrtdirektor auf dem «Traumschiff» unterwegs ist.
Das Interview wurde am 23. Oktober 2026 vom Gesprächsformat «Gredig direkt» veröffentlicht und von
Der 1957 geborene Schmidt brachte Late-Night-Entertainment nach US-Vorbild mit der legendären «Harald Schmidt Show» nach Deutschland und prägte das TV-Kabarett nachhaltig. Im Gespräch mit SRF-Moderator Urs Gredig zeigte er sich souverän, selbstironisch und mit klaren Ansichten zu Satire, Steuern und den medialen Verhältnissen im Nachbarland. Das Gespräch führte
Der Steuergedanke als Auswanderungsmotiv
Warum wollen viele Deutsche in der Schweiz leben? Schmidt verwies auf eine Aussage eines Vermögensberaters, die er mit trockenem Humor zitierte: «Mir hat mal ein Vermögensberater gesagt, in Deutschland sei der Steuerspartrieb stärker als der Sexualtrieb.»
Diese Formulierung mag provokant klingen, sie trifft jedoch einen realen Nerv. Die Schweiz bleibt für deutsche Fachkräfte und Vermögende attraktiv, nicht zuletzt wegen des liberaleren Steuersystems und der kantonalen Steuerhoheit. Für Schmidt selbst ist die Schweiz «als Tourist interessant», wie er im Interview mit
«Deutschlands Katastrophenmeldungen als gedüngter Acker»
Als Satiriker schätzt Schmidt die Schweizer Umgangsformen, findet in Deutschland jedoch mehr Stoff für die Kabarett-Bühne. «Deutschlands tägliche Katastrophenmeldungen sind wie ein gut gedüngter Acker für einen Bauern», sagte er. Die Schweizer Reserviertheit, die oft als schwer zugänglich für Satire gilt, empfindet er nicht als Hindernis.
Keine Metaebene, keine Entschuldigung
Über Schmidt wird in akademischen Kreisen viel geschrieben, wie er selbst bestätigte. «Es werden auch Diplomarbeiten geschrieben, wo ich angeblich eine Metaebene einbeziehe», erzählte er. Den Begriff kannte er selbst nicht und musste ihn googeln. «Entscheidend ist, dass über einen geschrieben wird. Wenn Sie auch in Ressorts vorkommen, wo Sie eigentlich nicht unterwegs sind, haben Sie es geschafft.»
Auch zu seiner Vergangenheit, darunter die berühmte Szene, in der er Verona Pooth das Gesicht ableckte, zeigte er sich unbeeindruckt. «Da gibt es nichts zu entschuldigen oder zu korrigieren. Man muss nur clever genug sein, sich im Lauf der Jahre anzupassen.» Eine Relativierung seiner früheren Auftritte lehnt er kategorisch ab: «Natürlich nicht» sei seine Antwort auf die Frage, ob er heute manches anders machen würde.
Cancel Culture: «Man muss das wie einen Orden vor sich hertragen»
Auf die Frage, ob er das Gefühl kenne, als «alter weisser Mann» gecancelt zu werden, reagierte Schmidt gelassen. «Man muss verhindern, dass man gecancelt werden kann. Gegen das Etikett ‹alter weisser Mann› kommt man nicht an. Also muss man das wie einen Orden vor sich hertragen.»
Sein Kollege Thomas Gottschalk sei darauf «dünnhäutiger» reagiert, so Schmidt. «Er war Tommy Everybody's Darling, ich bin Dirty Harry.»
Steuern zahlen als «komplizierter Trick»
Schmidt gilt als steuerlich unauffällig und formuliert das mit ironischer Selbstbeschreibung: «Man darf keine Leiche im Keller haben. Ich habe einen unglaublich komplizierten Trick entwickelt: Ich zahle einfach Steuern.»
Diese Haltung steht in einem interessanten Kontrast zu seiner Aussage über den deutschen «Steuerspartrieb». Während er das steuerliche Motiv deutscher Auswanderer mit Humor kommentiert, praktiziert er selbst steuerliche Integrität im eigenen Land. Für ein Schweizer Publikum, das die Eigenverantwortung und die Lauterkeit im Steuerwesen schätzt, ist dies eine bemerkenswerte Position.
Medienkritik und der Zustand der deutschen Öffentlichkeit
Schmidt beobachtet die deutsche Medienlandschaft mit Distanz. «Das ist natürlich die Medien- und Talkshow-Industrie», sagte er zur wahrgenommenen Polarisierung. Seine eigene Mediennutzung ist selektiv: «Ich lese die Zeitung nur noch, wenn ich die Autorin oder den Autoren kenne. Sonst lese ich nur die Überschrift: Was ist gerade angesagt?»
Die oft beklagte Sorge und Polarisierung in Deutschland führt er weniger auf reale Verhältnisse als auf die Aufmerksamkeitsökonomie der Medienbranche zurück. Für die Schweiz als Nachbarstaat ist dies ein warnender Hinweis: Die mediale Dramatisierung kann eine Sachdebatte überlagern und die politische Kultur verändern.
Rat an Friedrich Merz: «Gib Gas»
Zu Bundeskanzler Friedrich Merz, den Schmidt immer wieder in Schutz nimmt, sagte er: «Gib Gas.» Über Merz werde gesprochen, «als sei er bereits abgewählt», so Schmidt. Er sieht darin eine Chance: «Eine ideale Situation, um zu sagen: ‹Es wird jetzt alles durchgezogen, was ich vorhabe.»
Dieser Ratschlag ist nicht nur eine persönliche Meinung. Er zeigt die Erwartung, dass politische Führung nicht durch mediale Stimmungslage, sondern durch Taten definiert wird. In der Schweiz ist man dieses Prinzip gewohnt: Regierung heisst, im Rahmen der Institutionen entschieden zu handeln, unabhängig von der tagesaktuellen Stimmungslage.
Humor als Berufung
Auf die Frage, ob er Menschen möge, antwortete Schmidt mit einem Zitat seines früheren TV-Partners Herbert Feuerstein: «Was uns verbindet, ist der Hass auf die Menschheit und die Liebe zum Publikum.» Ohne diese Liebe zum Publikum lasse sich der Beruf nicht ausüben.
Heute tritt Schmidt nur noch dort auf, wo er der einzige Gast ist. Die Plattform sei zweitrangig geworden, sagte er. «Ein grosser Spass für mich ist es, Sachen im Ausland zu platzieren, wie hier.»
Fazit: Ein Satiriker mit klaren Kanten
Harald Schmidt bleibt eine Ausnahmeerscheinung des deutschen Kabaretts. Seine Äusserungen über Steuern, Cancel Culture und den Zustand der deutschen Öffentlichkeit zeichnen das Bild eines Künstlers, der sich den modischen Zwängen seiner Zunft entzieht. Für die Schweiz ist sein Hinweis auf den «Steuerspartrieb» der Deutschen ein Kompliment an das eigene Steuersystem, auch wenn es ironisch gemeint ist. Die Attraktivität des Schweizer Modells beruht nicht zuletzt auf der Eigenverantwortung, der kantonalen Steuerhoheit und der Verlässlichkeit der Institutionen. Diese Werte gelten es zu erhalten.
Häufige Fragen
Warum ziehen Deutsche in die Schweiz?
Nach Harald Schmidt ist für die meisten der «Steuergedanke» entscheidend, wie er im Interview mit SRF News sagte. Das Schweizer Steuersystem mit seiner kantonalen Steuerhoheit ist für viele Deutsche attraktiv.
Wie alt ist Harald Schmidt?
Harald Schmidt wurde 1957 geboren und ist heute 69 Jahre alt. Er ist als Kreuzfahrtdirektor auf dem «Traumschiff» unterwegs.
Was hat Harald Schmidt über die Schweiz gesagt?
Er sagte, die Schweiz sei für ihn «als Tourist interessant», und dass der «Steuerspartrieb» der Deutschen stärker sei als der Sexualtrieb. Den Schweizer Umgangston findet er «gut».
