Alexander Zverev steht vor dem Sprung an die Spitze der Tennis-Weltrangliste. Nach dem vorzeitigen Saisonende von Jannik Sinner führt an ihm realistischerweise kein Weg vorbei. Der Hamburger wäre damit nach Boris Becker erst der zweite Deutsche, der die Nummer 1 erreicht. Doch ein Blick auf die Zahlen der Saison 2026 zeigt: Der Aufstieg ist bemerkenswert, aber nicht ohne Schattenseiten.
Eine aussergewöhnliche Saison mit nur zwei Turniersiegen
Zverev hat 2026 bislang nur zwei Turniere gewonnen. Dafür gleich die beiden wichtigsten seiner Karriere: Bei den French Open holte er seinen ersten Grand-Slam-Titel, bei den US Open folgte der zweite Major-Triumph. Bei ATP-250-, ATP-500- oder Masters-1000-Turnieren blieb er in diesem Jahr dagegen titellos. Seine Saisonbilanz von 58 Siegen bei 15 Niederlagen unterstreicht seine Konstanz, offenbart aber auch eine erstaunliche Schwäche.
13 Niederlagen in Serie gegen die Top-Drei
Gegen Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Novak Djokovic gewinnt Zverev seit längerer Zeit nicht mehr. Die letzten 13 Duelle gegen das Top-Trio hat er allesamt verloren. Allein 2026 steht seine Bilanz gegen Sinner, Alcaraz und Djokovic bei 0:7. Die direkten Vergleiche zeigen die Problematik: Gegen Sinner liegt er 4:11 zurück, gegen Djokovic 5:10 und gegen Alcaraz 6:7. Ausgerechnet der Mann, der kurz vor dem Sprung auf den Tennis-Thron steht, kann seine drei grössten Rivalen derzeit nicht bezwingen.
Altmeister Djokovic dreht das Match in Peking
Die jüngste Niederlage kassierte Zverev im Viertelfinal in Peking. Der zehn Jahre jüngere Deutsche erwischt gegen Djokovic den besseren Start und gewinnt den ersten Satz. Doch der Serbe dreht die Partie und setzt sich mit 4:6, 6:4, 6:4 durch. Für Zverev ist es im 15. Duell mit Djokovic bereits die zehnte Niederlage. Für den 24-fachen Grand-Slam-Sieger war es dagegen nur der Auftakt zu einer weiteren historischen Woche.
Djokovic: 102. Titel und eine unglaubliche Peking-Bilanz
Djokovic bezwang in einem dramatischen Halbfinal Daniil Medvedev, der dabei disqualifiziert wurde, und holte sich im Final gegen Alex de Minaur, der verletzt aufgeben musste, den 102. Titel seiner Karriere. Nur Jimmy Connors (109) und Roger Federer (103) haben in der Open Era mehr Turniere gewonnen. Noch bemerkenswerter ist Djokovics Bilanz in Peking: 34-mal angetreten, 34-mal gewonnen. Mit 39 Jahren und 137 Tagen wurde er der älteste Turniersieger seit Ken Rosewall (1977). Zudem gewinnt er nun seit 21 Saisons in Folge mindestens ein Turnier.
Djokovic spricht offen über körperliche Probleme
Dabei läuft längst nicht mehr alles problemlos. Djokovic sprach in der Pressekonferenz nach seinem siebten Peking-Titel offen darüber, wie sehr ihm sein Körper inzwischen zu schaffen macht. 2026 sei ein Jahr voller Herausforderungen gewesen. Gerade während der Nordamerika-Tour habe er sich auf dem Platz gesundheitlich und körperlich „schrecklich“ gefühlt. Der Triumph komme „zum bestmöglichen Zeitpunkt“, sagte Djokovic. Er sei „ein Schub für mein Selbstvertrauen und ein Beweis dafür, dass ich noch immer auf höchstem Niveau spielen kann“. Er betonte: „Drei Top-10-Spieler innerhalb von drei Tagen hintereinander zu schlagen, ist eine grossartige Leistung.“
Kampfgeist als Schlüssel zum Erfolg
Natürlich kommt Djokovic auch das Format entgegen: Während es bei den Grand-Slam-Turnieren über drei Gewinnsätze geht, sind es auf der Tour nur zwei. Dass er noch immer Matches drehen und die Besten schlagen kann, führt die Tennis-Legende auf seinen „Kampfgeist“ zurück. „Es ist nichts, womit man geboren wird. Er muss aufgebaut werden“, erläuterte er. Entwickelt werde er vor allem „in den Wochen oder an den Tagen, an denen niemand zuschaut“. Auf dem Platz ist diese Haltung für Djokovic unverändert: „Egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht: Ich schenke nichts her. Ich treibe mich wirklich bis ans absolute Limit.“ Er sprach von einem „Kampfgeist und einer Hingabe, von diesem Niemals-aufgeben-Geist, der mich immer begleitet“.
Was bedeutet das für Zverev?
Für Zverev stellt sich die Frage, ob er seine Schwäche gegen die Top-Spieler überwinden kann. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Gegen die Besten der Branche fehlt ihm bislang der letzte Punch. Die Nummer-1-Position ist ein Meilenstein, doch um sie zu halten, wird er Wege finden müssen, auch gegen Sinner, Alcaraz und Djokovic zu gewinnen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Hamburger diese Lücke schliessen kann.
FAQ: Häufige Fragen zur Tennis-Weltrangliste
Wer war vor Zverev der letzte deutsche Weltranglisten-Erste?
Boris Becker war 1991 der erste Deutsche an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. Zverev wäre nach ihm der zweite.
Wie viele Titel hat Novak Djokovic in seiner Karriere gewonnen?
Djokovic hat nach seinem Sieg in Peking 102 Turniersiege auf der ATP-Tour gefeiert. Nur Jimmy Connors (109) und Roger Federer (103) haben mehr.
Warum ist Djokovic in Peking so erfolgreich?
Djokovic hat in Peking alle 34 Spiele gewonnen, die er dort bestritten hat. Die Bedingungen und der Untergrund scheinen seinem Spiel entgegenzukommen.
