Novak Djokovic vor der letzten Chance in Wimbledon
Mit 39 Jahren steht Novak Djokovic im Halbfinal von Wimbledon. Für den serbischen Rekordsieger ist es die beste und vielleicht letzte Gelegenheit, den 25. Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Am Freitag trifft er auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner, eine der höchsten Hürden im Turnier.
Eine historische Parallele zu Roger Federer
Roger Federer war 37 Jahre und elf Monate alt, als er 2019 den legendären Wimbledonfinal gegen Novak Djokovic verlor, nachdem er im fünften Satz zwei Matchbälle hatte. Nun ist der Serbe noch 15 Monate älter als damals Federer und versucht, das fast Unmögliche zu schaffen. Seit fast drei Jahren jagt er dem 25. Grand-Slam-Titel nach, eine Marke, die auch bei den Frauen niemand erreicht hat.
Djokovic gegen Sinner: Eine Frage der Frische
Im Halbfinal am Freitag um 17.00 Uhr trifft Djokovic auf den Vorjahressieger Jannik Sinner. Der Serbe brillierte im Viertelfinal gegen die Weltnummer 4 Félix Auger-Aliassime mit einer eindrücklichen Leistung, stand aber auch fünfeinviertel Stunden auf dem Platz. „Das ist nicht normal“, staunten die Kommentatoren der BBC wiederholt. „Aber das ist eben Djokovic.“
Die Partie sei fast wie ein Final gewesen, stellte der Grand-Slam-Rekordsieger fest. Seit einigen Jahren gelingt es Djokovic immer mal wieder, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Doch die Jahre holen ihn auch regelmässig ein. Gerade bei den Grand-Slam-Turnieren ist die physische Belastung mit den langen Matches enorm. Für Djokovic in jüngerer Vergangenheit zu gross.
Die körperlichen Herausforderungen des Alters
Im letzten Jahr erreichte er bei allen vier Major-Turnieren die Halbfinals, scheiterte dort aber jedes Mal auch wegen körperlicher Beschwerden und fehlender Frische. Am Australian Open bezwang er im Halbfinal Jannik Sinner, ehe ihm im Final gegen Carlos Alcaraz nach gewonnenem Startsatz der Saft ausging. In Paris kam das Aus schon in der 3. Runde gegen João Fonseca. Für Wimbledon könnte dies ein Bonus sein, es gab Djokovic mehr Zeit, um sich zu erholen und vorzubereiten.
Sinner: Der Favorit mit weniger Belastung
Der 15 Jahre jüngere Italiener hat fast dreieinhalb Stunden weniger lang auf dem Platz gestanden als Djokovic. Immerhin hatte er diesmal nach dem gewonnenen Viertelfinal zwei Tage Pause. Sinner hat fünf der letzten sechs Direktbegegnungen gewonnen, darunter den Halbfinal vor einem Jahr in Wimbledon. Nach der Niederlage in Australien ist er auf jeden Fall gewarnt. „Jeder Match gegen ihn ist anders“, betont der Südtiroler. „Wenn ich nicht gut aufschlage oder den Ball nicht gut fühle, wird es sehr, sehr schwierig.“
Ein möglicher Final ohne Alcaraz
Für Djokovic war es gegen Auger-Aliassime „ein Sieg mit dem Racket und ganz viel Herz“. Vor sieben Jahren gegen Federer musste er sich noch einreden, dass die Fans „Djokovic“ und nicht „Roger“ rufen. Nun, selber der Oldie, geniesst er tatsächlich viel Support von den Zuschauern. Ob das für den grossen Coup reicht? „Ich weiss nicht, wie es morgen aussieht“, gab sich der Serbe vorsichtig. „Aber ich will noch mindestens einen Schritt weiter machen.“
Genau sind es noch zwei, die er braucht, um seine Rekorde weiter auszubauen. Immerhin müsste er dank des verletzungsbedingten Fehlens von Alcaraz, dem er 2023 und 2024 im Final unterlag, nicht hintereinander Sinner und Alcaraz schlagen. Ein Selbstläufer würde der Final dennoch nicht. Alexander Zverev scheint nach seinem Triumph am French Open befreit aufzuspielen, er hat wie Sinner erst zwei Sätze abgegeben. Und sollte Arthur Fery sensationell in den Final einziehen, hätte Djokovic das britische Publikum bestimmt nicht auf seiner Seite.
Fazit: Eine letzte Chance für die Legende
Vielleicht ist dies die letzte Chance von Novak Djokovic, noch einmal die Uhr zurückzudrehen. Wenn sein Körper hält, ist ihm dies zuzutrauen. Für den Schweizer Tennisfan bleibt die Frage, ob der Serbe die historische Marke von 25 Grand-Slam-Titeln erreichen kann – ein Rekord, der selbst die Grössten wie Federer übertrifft.