Die Ineos-Gruppe des britischen Unternehmers Jim Ratcliffe hat entschieden, sich vom FC Lausanne-Sport zu trennen. Das geht aus Berichten von The Athletic hervor, die am 26. Oktober 2026 aufgegriffen hat. Ein Verkauf würde nach fast neun Jahren Ineos-Eigentum eine Zäsur für den traditionsreichen Waadtländer Klub bedeuten.
Zur Vorbereitung des Verkaufs hat Ineos die Beratungsfirma Alvarez & Marsal mandatiert, wie berichtet. Potenziellen Investoren liegt bereits ein fünfseitiges Verkaufsprospekt mit dem Titel Project Striker vor. Gegenüber The Athletic wollte sich Ineos nicht äussern. Auch berichtet von der Verkaufsabsicht.
Was das Verkaufsdossier Project Striker enthält
Das Dokument stellt die Stärken des Klubs und dessen Entwicklungsmöglichkeiten dar. Es hebt das Potenzial hervor, sich dauerhaft in der Schweizer Spitze zu etablieren und regelmässig an europäischen Wettbewerben teilzunehmen. Das Papier verweist auch auf das Geschäftsmodell: Lausanne besitzt weder sein Stadion noch sein Trainingszentrum. Seit 2020 trägt der Klub seine Heimspiele im Stade de la Tuilière aus, einer Arena mit 12'500 Plätzen.
Die sportliche Bilanz der Ineos-Ära fällt ernüchternd aus: Seit der Übernahme im November 2017 qualifizierte sich Lausanne-Sport nur einmal für einen europäischen Wettbewerb. Laut The Athletic dürfte der Klub im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von umgerechnet rund 5,5 Millionen Franken ausweisen. Ein Kaufpreis ist bislang ebenso wenig bekannt wie ein genauer Zeitplan.
Teil einer strategischen Neuausrichtung
Der geplante Verkauf ist Teil einer breiteren Rückführung der Sportengagements von Ineos. Die Gruppe versucht nach Informationen von The Athletic auch, OGC Nizza zu veräussern, den sie 2019 übernommen hatte, und hat in den vergangenen Jahren auch im Segelsport und im Sponsoring Abstriche gemacht.
Für Ratcliffe war Lausanne der Ausgangspunkt eines sportlichen Engagements, das sich später auf Fussball, Radsport, Formel 1 und Rugby erstreckte. Der Schritt erfolgte, nachdem seine Gruppe enge Verbindungen zur Region Lausanne aufgebaut hatte.
Hintergrund ist auch die wirtschaftliche Lage des Konzerns: Laut Angaben, die mehrere Medien verbreitet haben, liegt die Gesamtverschuldung von Ineos inzwischen bei fast 18 Milliarden Pfund, umgerechnet knapp 20 Milliarden Franken. Der Verkauf von Lausanne würde diese Situation zwar kaum verändern, bestätigt aber das Bestreben, die Mittel auf prioritäre Aktivitäten zu konzentrieren. Im Zentrum steht Manchester United, an dem Ratcliffe und Ineos seit 2023 mit knapp 30 Prozent als Minderheitsaktionäre beteiligt sind und wo sie die sportlichen Entscheidungen verantworten. Die Resultate des englischen Rekordmeisters bleiben enttäuschend, und der Druck auf Trainer Michael Carrick wächst.
Was bedeutet der Verkauf für den Schweizer Fussball?
Für Lausanne-Sport stellt sich die Frage, welcher Investor den Staffelstab übernehmen könnte. Der Klub verfügt über ein modernes Stadion, einen etablierten Platz im Schweizer Profifussball und Entwicklungspotenzial, steht aber sportlich vor einer schwierigen Phase. Für den Schweizer Fussball insgesamt ist eine Klärung der Eigentumsfrage auch eine Frage der Stabilität: Ausländische Investoren haben in der Super League in den letzten Jahren teils für Dynamik, teils für Unruhe gesorgt.
Ein neuer Eigentümer mit regionalem Bezug und langfristiger Perspektive würde dem Klub und der Waadtländer Fussballtradition eher dienen als ein weiterer Zwischenschritt im Portfolio eines internationalen Konzerns. hatte bereits von einer möglichen Verkaufsabsicht berichtet und auf die Neunjahresbilanz von Ratcliffes Engagement hingewiesen.
Fazit
Der Prozess ist angelaufen, aber ein Käufer ist noch nicht gefunden. Bis dahin bleibt Lausanne-Sport ein Klub in der Schwebe: mit moderner Infrastruktur, roten Zahlen und einem Eigentümer, der sich anderswo um wichtigere Projekte kümmert.
Häufige Fragen
Warum verkauft Ineos den FC Lausanne-Sport?
Ineos will seine Mittel auf prioritäre Aktivitäten konzentrieren, insbesondere auf Manchester United. Der Verkauf ist Teil einer umfassenden Reduktion der Sportengagements des Konzerns.
Wer übernahm Lausanne-Sport im November 2017?
Die Ineos-Gruppe von Jim Ratcliffe übernahm den Klub im November 2017.
Welche Rolle spielt die Beratungsfirma Alvarez & Marsal?
Sie wurde von Ineos mandatiert, um potenzielle Käufer zu finden, und hat bereits ein fünfseitiges Verkaufsdokument an Investoren verschickt.
