Der Schweizer Alpen-Club muss mehr als ein Drittel seiner 151 Berghütten gegen Naturgefahren sichern, während Gäste steigenden Komfort erwarten. Das zeigt eine Reportage von SRF News vom 25. Oktober 2026 über die Claridenhütte.
Lawinenschutz, Stahltreppen, Wasserreservoirs oder komplette Neubauten gehören laut SRF zum Alltag des SAC. Zugleich wachsen die Hütten, werden bequemer und kulinarisch anspruchsvoller. Diese Doppelbelastung kostet Geld und ruft eine alte Grundsatzdebatte hervor: Wie viel Luxus verträgt die alpine Hütte?
Der Präsident der Hüttenkommission
Der Architekt Hanspeter Bürgi leitet die SAC-Hüttenkommission. Er sagt:
„Man ringt mit der Frage der Einfachheit. Wir wollen kein Gasthaus sein, das auch in einem Bergdorf stehen kann.“
Bürgi erklärt, dass eine SAC-Hütte weder Zweierzimmer noch warme Duschen brauche. Der SAC bewege sich heute zwischen Bergwanderhütte und hochalpinem Biwak und müsse den spezifischen Charakter wahren.
Der Hüttenwart
Der Hüttenwart Peter Schläppi führt seit 2012 die Gelmerhütte. Er äussert sich gelassen über den Gletscherschwund:
„Man sieht, dass die Gletscher zurückgehen, aber die Berge bleiben ja bestehen.“
Er kritisiert, dass der Lawinenschutz beim Umbau der Gelmerhütte übertrieben sei. Das Gutachten sei fast vernichtend ausgefallen, und die Folge seien dickere Mauern und massivere Träger. Bei der Baukommission dürfe er zwar vorsprechen, nicht aber der Jury angehören.
Die Landschaftsschützerin
Die Co-Chefin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Franziska Grossenbacher, kritisiert die grosszügigen Umbauten und den steigenden Komfort. Sie fragt, ob es wirklich Pommes auf SAC-Hütten brauche, wie sie im Skigebiet üblich seien. Sie plädiert für eine Kategorisierung, die festhält, was in bestimmten Regionen angeboten wird und was nicht.
„Nur dort, wo alpine Ziele unerreichbar sind, braucht es eine Hütte.“
Grossenbacher betont, dass der SAC an hochempfindlichen Orten bauen dürfe, wo sonst niemand baue. Das erfordere Verantwortung. Sie plädiert für mehr Dialog und dafür, auch junge Alpinisten anzuhören, denen die Hütten zu teuer würden.
Der Neubau der Mutthornhütte
Nach Angaben von SRF News erhitzte der Ersatzneubau der eingestürzten Mutthornhütte die Gemüter in der Sektion Weissenstein. Zwei Drittel der Mitglieder nahmen vier Millionen Franken und etwa 600 Helikopterflüge mitten in einer Unesco-Gletscherlandschaft in Kauf. Jüngere Sektionsmitglieder sprachen sich für die Aufgabe des Standorts aus.
Die Debatte
Wie SRF News berichtet, ist die Debatte über die Zukunft der SAC-Hütten nicht neu. Sie führt gewöhnlich zu einer Lagerbildung zwischen Klimaschutz, Werten und Identität.
Der Klimaforscher Reto Knutti beschrieb das Problem kürzlich in einem Interview:
„Wir haben heute nicht primär ein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem.“
Er fordert, Kommunikation, Wahrnehmungspsychologie und Kosten-Nutzen-Abwägungen stärker einzubeziehen.
Der Präsident des SAC, Johann Bärtschi, betonte gegenüber SRF News, der Club wolle keine Massenunterkünfte, sondern die Balance zwischen Sicherheit, Nachhaltigkeit und alpiner Tradition wahren.
Wem gehören die Hütten?
Die Frage, für wen die SAC-Hütten gebaut werden, bleibt offen. Bürgi, Schläppi und Grossenbacher vertreten unterschiedliche Positionen, doch ihre Erfahrungen haben mehr gemein, als man denke. Sie alle wissen: Die Alpen verändern sich, und mit ihnen die Hütten.
Wie SRF News abschliessend berichtet, braucht es eine gemeinsame Zukunftsvision, in der sich Hüttenschutz und Hüttenglück sinnvoll verbinden lassen.
