Fifa-Verkaufspläne gescheitert: Schweizer Politiker fordern Konsequenzen für Infantino
Die Pläne der Fifa, Minderheitsanteile an der Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen, sind endgültig vom Tisch. Nach massivem Widerstand der Kontinentalverbände und der Öffentlichkeit gab Präsident Gianni Infantino am Samstag den Rückzug des Projekts bekannt. Schweizer Politiker sehen nun die Stunde gekommen, um den Weltfussballverband strengeren Regeln zu unterwerfen und fordern eine reguläre Besteuerung sowie eine unabhängige Aufsicht.
Infantinos Kehrtwende und ihre Folgen
In einer Mitteilung erklärte Infantino, das Projekt habe zu Spaltungen geführt, die nicht mehr im Interesse des ursprünglichen Ziels lägen. Der Rückzug erfolgte, nachdem die Uefa, die Asiatische Fussball-Konföderation (AFC) und die Concacaf einen Boykott angedroht hatten. Nun ist der Weg frei für die Qualifikationsspiele zur Frauen-WM 2027, an denen auch die Schweizer Nationalmannschaft teilnimmt. Doch die Debatte über die Governance der Fifa ist damit nicht beendet.
Politischer Druck aus Bern
SP-Nationalrat Ueli Schmezer forderte gegenüber 20 Minuten eine grundlegende Reform. Er verlangt eine Aufsichtsbehörde nach dem Vorbild der Finma, die grosse Sportverbände zu echter Transparenz verpflichten soll. Zudem müsse das Vereinsrecht überprüft werden. Künftig sollten Verbände wie die Fifa in einen gemeinnützigen Sport-Teil und einen kommerziellen Unternehmensteil aufgeteilt werden. Steuerlich sieht Schmezer ebenfalls Handlungsbedarf: Die Fifa, die trotz Milliardengewinnen in WM-Jahren als Verein besteuert wird, solle reguläre Steuern auf ihre Umsätze zahlen.
Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter äusserte sich ebenfalls kritisch. Sie nannte die Pläne, Teile der WM an Investoren zu verkaufen, einen Ausdruck von Gigantismus, der dem Sport schade. „Der Sport muss im Vordergrund stehen, weder politische Interessen noch partikuläre Interessen wie jene von Trump“, sagte sie. Sie sprach sich jedoch für den Standort Schweiz aus, der wirtschaftliche Wertschöpfung biete und ein weltweites Zentrum für internationale Sportverbände darstelle.
Steuerprivileg der Fifa in der Kritik
Die Fifa hat ihren Hauptsitz seit 1932 in Zürich und wird als Verein besteuert. Dies führt zu einem reduzierten Steuersatz, der in der Politik zunehmend auf Kritik stösst. Während die Fifa auf Anfrage auf ihre Satzung verweist, wonach der Sitz nur durch einen Kongressbeschluss geändert werden kann, sehen Politiker die Gefahr eines Wegzugs. Schmezer betrachtet einen solchen Schritt nicht als Katastrophe, solange der Verband seine Verantwortung für den Weltfussball wahrnehme.
Machtkampf um die Fifa-Spitze
Der Rückzug der Verkaufspläne hat den Machtkampf innerhalb der Fifa neu entfacht. Laut Medienberichten erwägt die Uefa, bei der nächsten Fifa-Wahl einen Gegenkandidaten zu Infantino zu unterstützen. Als mögliche Bewerber gelten PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi, dessen Sprecher jedoch ein Interesse dementierte, sowie Uefa-Chef Aleksander Ceferin. Auch Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström, der sich im Zuge der Krise von Infantino distanziert haben soll, wird genannt. Offizielle Stellungnahmen zu einer Kandidatur gibt es bislang nicht.
Ausblick: Sportministerkonferenz in Monaco
Anfang November tagt die Konferenz der Sportminister in Monaco. Dort dürfte die Affäre um die Fifa einen zentralen Punkt der Traktandenliste einnehmen. Ex-Bundesrat Alain Berset, heute Generalsekretär des Europarates, forderte bereits im Magazin „Politico“ strengere Regeln zum Schutz der Weltmeisterschaft. Die Schweiz, als Gastgeberland der Fifa, steht dabei in der Verantwortung, ihre Rolle als Standort für internationale Sportverbände zu wahren, ohne die Integrität des Sports zu gefährden.