Peng Liyuan: Chinas First Lady als kulturelle Botschafterin und Machtfaktor
Peng Liyuan, Ehefrau des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, hat eine diplomatische Rolle übernommen, die weit über die ihrer Vorgängerinnen hinausgeht. Die einstige Sängerin und Generalmajorin der Volksbefreiungsarmee verkörpert ein kultiviertes China und gilt als zentraler Bestandteil der internationalen Imagepflege Pekings.
Vom Bühnenstar zur First Lady
Peng Liyuan wurde 1962 in der ostchinesischen Provinz Shandong geboren. Als Tochter eines lokalen Parteifunktionärs und einer Sängerin wandte sie sich früh dem Gesang zu. Sie besuchte Kunstschulen, studierte am Chinesischen Musikkonservatorium und tourte mit dem China National Orchestra durch mehrere europäische Länder.
1980 trat sie der Volksbefreiungsarmee bei und sang in Armee-Ensembles bei offiziellen Zeremonien, für Truppen und in staatlichen Fernsehshows. Berichten zufolge trat sie auch für jene Militärkräfte auf, die die Proteste auf dem Tian'anmen-Platz im Juni 1989 gewaltsam niederschlugen. Als Interpretin chinesischer Volks- und patriotischer Lieder wurde sie schliesslich zum Star. Vor der Wahl Xis zum Präsidenten war Peng in China bekannter als ihr Ehemann.
Eine Ehe mit politischer Wirkung
Peng lernte den neun Jahre älteren Xi 1986 über einen gemeinsamen Freund kennen. Sie erzählte später, sie habe bei dem Treffen „weite Armee-Hosen“ getragen, um herauszufinden, ob Xi sich nur für ihr Aussehen und ihre Bekanntheit interessierte. Als er sie jedoch nach den verschiedenen Gesangsarten fragte, habe sie sich von ihm ernst genommen gefühlt. Xi, der bereits einmal verheiratet war, soll ihr später erzählt haben, er habe schon in den ersten vierzig Minuten des Treffens gewusst, dass sie seine zukünftige Frau sein werde.
Die Verbindung zu Peng soll sich rasch positiv auf Xis politische Karriere ausgewirkt haben. Laut dem China-Experten Willy Lam nutzte sie in den 1990er-Jahren ihre Kontakte in Militär und Kulturbetrieb, um Xi wichtigen Mitgliedern der Shanghaier Fraktion der Kommunistischen Partei vorzustellen. Seit 2012 ist Xi Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, im Folgejahr wurde er Staatspräsident.
Diplomatische Präsenz und öffentliche Rollen
An Xis Seite nimmt Peng eine öffentlichere Rolle ein als viele ihrer Vorgängerinnen. Sie begleitet ihn oft zu Konferenzen und diplomatischen Besuchen und hat selbst schon vor den Vereinten Nationen gesprochen. Zudem ist sie Goodwill-Botschafterin der Weltgesundheitsorganisation für Tuberkulose und HIV/Aids.
Beim jüngsten Staatsbesuch in den USA zog Peng im Nationalmuseum für asiatische Kunst in Washington die Aufmerksamkeit auf sich. Gemeinsam mit Melania Trump lauschte sie einem Kinderchor, der das chinesische Volkslied „Jasminblume“ vortrug. Peng sang leise einige Zeilen mit. „Danke, Mutter Peng!“, riefen ihr die Kinder anschliessend zu.
Ein Faktor der Soft Power
Die Kommunikationsabteilung der Kommunistischen Partei erkannte das Potenzial der First Lady. Während das Privatleben früherer Parteiführer weitgehend vor der Öffentlichkeit verborgen blieb, helfe die Beziehung zu Peng, Xis Image zu mildern, sagt George Guo, Professor für chinesische Politik am Guilford College. „Insbesondere in den vergangenen Jahren hat Peng zunehmend dazu beigetragen, dem Parteichef das Image eines wohlwollenden Staatsführers zu verleihen – eines Mannes mit Liebe, Güte und Mitgefühl für die Bevölkerung.“
Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete Peng gar als Xis „Soft-Power-Superwaffe“. Ihre Popularität in der chinesischen Armee dürfte Xis politischer Karriere genutzt haben, glauben Experten. Sie selbst erreichte in der Volksbefreiungsarmee den Rang eines Generalmajors. Ihr letzter grosser dokumentierter Bühnenauftritt fand 2008 in der Wiener Staatsoper statt.
Bedeutung für die Schweiz und den Westen
Die Rolle Peng Liyuans ist nicht nur ein Phänomen der chinesischen Innenpolitik. Sie zeigt, wie Peking kulturelle Präsenz gezielt als Instrument der Aussenpolitik einsetzt. Für die Schweiz, die traditionell auf Dialog und Vermittlung setzt, bleibt die Frage relevant, wie mit einem System umzugehen ist, das Soft Power gezielt zur Stabilisierung der eigenen Herrschaft nutzt. Die neutrale Position der Schweiz erlaubt es, solche Dynamiken nüchtern zu analysieren, ohne sich in ideologische Frontstellungen zu begeben.