SBB weisen neu auf Hilfsangebot der Dargebotenen Hand hin
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erweitern ihre Suizidprävention: Seit September blenden sie bei Personenunfällen auf Bahnhofsdisplays den Hinweis „Reden kann Leben retten! Die Dargebotene Hand: Tel 143“ ein. Das bestätigte eine SBB-Sprecherin gegenüber Blick. Der Zusatz erscheint, sofern auf der Anzeige genügend Platz vorhanden ist. Ein Pilotprojekt in der Westschweiz war im August erfolgreich abgeschlossen worden.
Warum weisen die SBB auf die Dargebotene Hand hin?
Die SBB engagieren sich seit Jahren in der Suizidprävention. Im Austausch mit Fachpersonen sei der Wunsch geäussert worden, auf das Hilfsangebot hinzuweisen, erklärte die Sprecherin. Die Dargebotene Hand ist eine nationale Anlaufstelle, die rund um die Uhr unter der Nummer 143 erreichbar ist. Martin Bolliger, Präsident des Dachverbands, sagte: „Anfang des Jahres kamen die SBB mit der Idee auf uns zu.“
Was ist der Werther-Effekt und wie soll der Hinweis helfen?
Der Hinweis auf das Hilfsangebot soll den sogenannten Werther-Effekt dämmen, also Nachahmungstaten nach öffentlich bekannten Suiziden. Fachberatungsstellen, darunter die Dargebotene Hand und die SBB, treffen sich regelmässig zum Austausch. Bolliger betonte, der Zusatz sei in vier Sprachen verfügbar: Französisch, Deutsch, Italienisch und Englisch.
Wie kam es zum Begriff „Personenunfall“?
Vor einem Jahr wechselten die SBB in ihrer offiziellen Kommunikation vom Begriff „Fremdereignis“ zu „Personenunfall“. Der alte Begriff hatte bei Reisenden Unverständnis und Aggressionen gegenüber Mitarbeitenden ausgelöst. Die neue Formulierung ist präziser und trägt zur Sensibilisierung bei.
Welche Geschichte steckt hinter der Notrufnummer 143?
Die Idee einer Notrufnummer für Menschen in suizidalen Krisen stammt aus London. Nach 1953 betrieben die „Samaritans“ den ersten derartigen Dienst. Ein Pfarrer namens Chad Varah hatte damals aus persönlicher Betroffenheit eine Anzeige geschaltet: „Bevor Sie sich das Leben nehmen, rufen Sie mich an.“ In der Schweiz entstand 1957 der erste Notrufdienst. Heute ist wissenschaftlich belegt, dass der Hinweis auf Beratungsangebote zentral für die Prävention ist.
Bolliger erklärte das Prinzip: „Wenn es dir schlecht geht und du mit niemandem reden kannst, sind wir da, rund um die Uhr, anonym.“ Es gehe nicht um Problemlösung, sondern um Zuhören und Anteilnahme. Neben dem Telefon setzt die Organisation zunehmend auf ein niederschwelliges Chat-Angebot, das vor allem junge Menschen nutzen.
Wie wird die Dargebotene Hand künftig finanziert?
Das Parlament nahm 2024 die Motion Clivaz an, die eine dauerhafte Finanzierung von national bedeutsamen Fachstellen verlangt. Die Dargebotene Hand ist ein Verband mit zwölf eigenständigen Regionalstellen und wirkt durch die Nummer 143 wie ein staatliches Angebot. Bolliger sagte: „Durch den Vorstoss wurde sichtbar, dass wir eine gesellschaftliche Bedeutung haben.“ Die Motion sieht vor, Fachstellen in den Bereichen psychische Gesundheit, Suizid- und Gewaltprävention gesamtschweizerisch zu unterstützen.
Die SBB planen, den Hinweis künftig auch in den Online-Fahrplan aufzunehmen. Damit wird das Angebot noch breiter zugänglich.