KI-Agenten können in der Schweiz bereits selbstständig Einkäufe tätigen, etwa bei Coop und Galaxus, sofern Kunden ihnen Zugriff auf ihr Konto und die hinterlegten Zahlungsmittel gewähren. Das zeigt eine Übersicht von watson.ch vom 24. Oktober 2026 über das wachsende Angebot automatisierter EinkaufsAssistenz und die Zurückhaltung von Konsumenten und Anbietern.
Eine repräsentative Umfrage des Zahlungsdienstleisters Visa unter 1200 Personen in der Schweiz ergab, dass 70 Prozent der Bevölkerung bereits einmal KI zur Vorbereitung eines Einkaufs genutzt haben. Jeder Zehnte gab an, genau das Produkt gekauft zu haben, das der digitale Helfer empfohlen hatte.
Wo KI-Assistenz heute bereits genutzt wird
Beliebt ist die Unterstützung bei komplexeren Käufen wie Reisen oder Heimelektronik, seltener beim Wocheneinkauf. Jüngere Befragte nannten zudem Abonnements für Streamingdienste wie Netflix. Wie viele Kunden einen Kauf inklusive Zahlvorgang vollständig delegiert haben, geht aus der Visa-Umfrage nicht hervor. Eine Studie der Universität St. Gallen bezifferte diesen Anteil auf fünf Prozent. In der Visa-Umfrage gaben 17 Prozent an, für autonome Käufe offen zu sein.
Coop und Galaxus ermöglichen Käufe durch Agenten
Bei Coop ist ein autonomer Kauf theoretisch möglich, wie eine Sprecherin auf Anfrage erläuterte. «Voraussetzung dafür ist, dass die Kundinnen und Kunden dem Agenten Zugriff auf ihr Coop-Konto und ihre hinterlegten Zahlungsmittel gewähren.» Der Kauf ohne aktive Bestätigung sei nur möglich, wenn der Kunde eine solche nicht verlangt habe. Coop empfiehlt die Bestätigung jeder Zahlung und rät davon ab, Login-Informationen mit Agenten zu teilen.
Coop geht davon aus, «dass die Agenten bei Produktrecherche oder der Einkaufsvorbereitung zunehmend eine bedeutende Rolle spielen». Denkbar seien Automatisierungen für wiederkehrende Bedarfsgüter: So könnten Windeln in einem bestimmten Rhythmus automatisch bestellt werden.
Beim Onlinehändler Galaxus können Agenten ebenfalls einkaufe tätigen und die Bezahlung übernehmen, sofern der Kunde ausdrücklich Zugiff auf Benutzerkonto und Zahlungsdaten gewährt. Die Migros-Tochter Digitec hat zudem eine eigene Schnittstelle für KI-Agenten eingerichtet, die allen Anbietern offensteht. «Wir unterscheiden derzeit nicht, ob unsere Kundschaft den Kauf selbst getätigt hat oder ob sie die Zahlungsdaten einer anderen Instanz überlassen hat», sagte eine Sprecherin. Bestelle ein Agent ein falsches Produkt, greife dieselbe Rückgabemöglichkeit wie beim menschlichen Kauf.
SBB und Reisekonzerne halten am Menschen fest
Zurückhaltender zeigt sich der Reisekonzern Dertour mit den Marken Kuoni und Hotelplan. Ein Sprecher erwartete zwar, dass KI-Agenten bei der Reiseplanung an Bedeutung gewinnen, doch könne dies die persönliche Beratung nur ergänzen. «Gerade bei komplexen Reisen, individuellen Bedürfnissen oder Problemen unterwegs bleibt menschliche Unterstützung wichtig.» Einen eigenen KI-Agenten setzt das Unternehmen nicht ein.
Auch die SBB lassen Agenten bei der Auswahl der idealen Reiseroute und des günstigsten Tickets helfen. Ohne aktive Bestätigung durch einen Menschen ist ein Kauf jedoch nicht möglich. «Kauf- und Zahlungsprozesse sind so gestaltet, dass die Kundschaft die Kontrolle über ihre Transaktionen behält», heisst es.
Diese Zurückhaltung deckt sich mit den Befunden des Online Marktplatz, wonach in einer Sonderbefragung unter 2500 Onlinekunden nur 9 Prozent bereit waren, einem KI-Agenten den autonomen Einkauf zu erlauben; für 68,6 Prozent war der Zugriff auf Bezahldaten undenkbar.
Visa arbeitet an vertrauenswürdigen Sicherheitsstandards
Der US-Finanzkonzern Visa arbeitet mit Banken und Händlern daran, den Einsatz von KI-Agenten «auf eine vertrauenswürdige Grundlage zu stellen». In Testkäufen wurden automatisierte Käufe bereits erfolgreich abgewickelt. Als Sicherheitsmassnahme nennt Visa die Tokenisierung: Agenten erhalten keine echten Kartendaten, sondern nur eine verschlüsselte Variante. Zudem prüft Visa Agenten und empfiehlt Händlern, welche davon vertrauenswürdig sind.
Die Frage, wer Empfehlungen steuert, gewinnt dabei an Gewicht. Wie Welt berichtet, können gut platzierte Vorschläge Kaufentscheidungen messbar beeinflussen; sobald Konsumenten sich bevormundet fühlen, kann die Wirkung jedoch umschlagen. Für Händler ergeben sich zugleich neue Entscheidungen über Schnittstellen und Zugriffsrechte, wie das e-commerce magazin darlegt: Sie müssen festlegen, ob Agenten auf Produktdaten zugreifen und im Namen des Kunden kaufen dürfen.
FAQ
Können KI-Agenten in der Schweiz bereits selbstständig einkaufen?
Ja, bei Coop und Galaxus ist ein Kauf durch Agenten möglich, sofern der Kunde den Zugriff auf Konto und Zahlungsdaten ausdrücklich gewährt. Bei der SBB ist ein Kauf ohne aktive Bestätigung durch einen Menschen ausgeschlossen.
Wie viele Schweizer nutzen KI für den Einkauf?
Laut einer Visa-Umfrage unter 1200 Personen haben 70 Prozent bereits einmal KI zur Einkaufsvorbereitung genutzt. Nur fünf Prozent haben laut einer Studie der Universität St. Gallen einen Kauf bereits vollständig an einen Agenten delegiert.
Welche Sicherheitsvorkehrungen gelten für Käufe durch KI-Agenten?
Visa setzt auf Tokenisierung, bei der Agenten nur verschlüsselte statt echte Kartendaten erhalten, und prüft Agenten auf Vertrauenswürdigkeit. Coop und Galaxus empfehlen, eine aktive Bestätigung jeder Zahlung zu verlangen und Login-Daten nicht zu teilen.