Die Young Boys und die Demut-Dusche: Lehren aus einer verlorenen Saison
Der BSC Young Boys hat eine der schwierigsten Spielzeiten seiner jüngeren Geschichte hinter sich. Trotz der Rückkehr von Erfolgstrainer Gerardo Seoane beendete der Klub die Saison 2025/26 auf dem sechsten Platz und verpasste erstmals seit 13 Jahren die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb. Seoane spricht im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA offen über die Analyse der Defizite und die nötigen Korrekturen.
Die Rückkehr des Erfolgstrainers und der Fehlstart
Gerardo Seoane hatte bei YB von 2018 bis 2021 drei Meistertitel in Folge gewonnen, darunter ein Double. Nach Stationen in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach kehrte er Ende Oktober 2025 nach Bern zurück. Zu diesem Zeitpunkt lag YB auf dem fünften Rang, sieben Punkte hinter Leader Thun. Der Start unter Seoane war verheissungsvoll: einem 0:0 gegen Basel folgten ein 4:1 in St. Gallen und ein 5:0 gegen Winterthur. Doch die erhoffte Wende blieb aus. Am Ende resultierte der sechste Platz, die schlechteste Klassierung seit dem siebten Rang in der Saison 2012/13.
Defensive Instabilität als Kernproblem
Ein zentraler Punkt der Analyse war die mangelhafte Defensive. Mit 69 Gegentoren wies YB die schwächste Abwehr der Liga auf. „Wir machten zwei Schritte vorwärts, dann wieder einen rückwärts, dann einen vorwärts und zwei rückwärts“, sagt Seoane. Er betont, dass es in jeder Spielsituation einen hundertprozentigen Fokus brauche und dass man sich nicht zu schade sein dürfe, mit allen Mitteln zu verteidigen. „Im Sport läuft nichts von allein. Die letzte Saison war für alle eine wichtige Demut-Dusche.“
Verstärkung für die Defensive und die Führungsstruktur
Die Verantwortlichen reagierten mit zwei gezielten Transfers: Rückkehrer Cédric Zesiger und Isaac Schmidt, beide mit Erfahrung in der Schweizer Nationalmannschaft, sollen die Defensive stabilisieren und das Führungsteam stärken. Denn ein weiteres Manko war die fehlende Resilienz, also die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. „Dieser Kritik müssen wir uns stellen“, erklärt Seoane. Die Verbesserung des Mannschaftsgefüges soll durch Training, Team-Events, Gespräche sowie gezielte Zu- und Abgänge erreicht werden. Manchmal müsse man die Hierarchie im Team verändern.
Ausblick: Kein Europacup als Chance?
Dass YB in der kommenden Saison nicht europäisch spielt, sieht Seoane nicht nur negativ. „In der Theorie ist das eine bessere Ausgangslage für die Meisterschaft.“ Weniger Rotation führe zu gefestigteren Abläufen. Gleichzeitig räumt er ein, dass der Europacup nicht nur finanziell, sondern auch für die Spielerentwicklung von grosser Bedeutung sei. Weitere Abgänge seien möglich, insbesondere von Spielern mit Potenzial für ausländische Teams. „Es ist wichtig, fair mit diesen Spielern zu sein.“
Was macht Seoane optimistisch?
Der Trainer hofft, dass die enttäuschende Saison alle Spieler zusätzlich motiviert hat. „Ich hoffe, dass nun alle extrem motiviert und willig sind, YB wieder dort zu platzieren, wo wir das Gefühl haben, dass wir hingehören: indem wir als Mannschaft funktionieren. Denn wir haben Spieler mit grossem Potenzial.“ Seoane hat bereits bewiesen, dass er Teams zum Erfolg führen kann. Die kommende Saison wird zeigen, ob die Lehren aus der Demut-Dusche nachhaltig wirken.
FAQ: Die Krise der Young Boys
Warum war die letzte Saison für YB so enttäuschend?
Der BSC Young Boys beendete die Saison auf dem sechsten Platz, der schlechtesten Klassierung seit 13 Jahren. Hauptgründe waren defensive Instabilität (69 Gegentore) und mangelnde Resilienz im Team.
Welche Massnahmen ergreift der Klub?
Mit Cédric Zesiger und Isaac Schmidt wurden zwei erfahrene Verteidiger verpflichtet. Zudem soll die Führungsstruktur im Team gestärkt werden, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.
Wie beurteilt Trainer Seoane die Situation?
Seoane spricht von einer „Demut-Dusche“ für alle Beteiligten. Er sieht die fehlende Konstanz und den mangelnden Fokus als zentrale Probleme und fordert eine geschlossenere Mannschaftsleistung.