Baschi und seine Mutter: Ein offenes Gespräch über 20 Jahre Annäherung
Der Schweizer Musiker Baschi, bürgerlich Sebastian Bürgin, und seine Mutter Monika haben sich für eine SRF-Dokumentation zu einem intensiven Wochenende am Meer getroffen. Herausgekommen ist ein selten offenes Gespräch über familiäre Erwartungen, persönliche Krisen und den langen Weg zu gegenseitigem Verständnis. Die Sendung «Sebastian & Monika: Baschi und das Date mit seiner Mutter» zeigt, wie die beiden nach Jahren der Distanz einen neuen Zugang zueinander finden.
Ein Geständnis mit Verspätung
Schon zu Beginn des Treffens überrascht Monika Bürgin ihren Sohn mit einer persönlichen Offenbarung. Sie habe an Weihnachten beschlossen, sich nicht länger zurückzunehmen oder zu rechtfertigen. «Ich habe 20 Jahre gebraucht, um zu dir zu stehen. Und vor allem zu dem, was du machst», gesteht sie. Lange habe sie nicht gewusst, was aus ihrem Sohn werden solle. «Ins Büro konntest du sicher nicht, einen handwerklichen Beruf sicher auch nicht erlernen, du hast zwei linke Hände.»
Die Mutter räumt ein, dass sie einst einen Lehrer dazu bewegt habe, bei Baschis Noten nicht nachsichtig zu sein. «Alle Lehrer waren seine Freunde», erinnert sie sich. Die Folge war beinahe eine Klassenwiederholung in der vierten Sekundarstufe. «Da brach meine heile Welt zusammen», sagt Monika Bürgin. Dass aus ihrem Sohn einer der bekanntesten Musiker der Schweiz werden würde, überfordere sie bis heute.
Öffentlicher Druck und private Ängste
Monika Bürgin wird regelmässig auf ihren berühmten Sohn angesprochen. «Ich muss mit fremden Leuten über dich reden, ich muss mich fast für dich rechtfertigen», erklärt sie. Sie höre immer wieder böswillige Kommentare über Baschi. «Kein Vater oder keine Mutter will hören, dass das eigene Kind schlecht sei.»
Auch Baschi selbst hat unter der öffentlichen Wahrnehmung gelitten. «Für mich ist das Schlimmste, wenn ich wusste, dass ein Bericht über mich kam», sagt er. Im Jahr 2023 hatte der Musiker öffentlich zu seinen Alkoholproblemen gestanden. In der Doku spricht seine Mutter offen über die Ängste, die diese Zeit bei ihr ausgelöst hat. «Das hat mich so deprimiert, wenn ich gemerkt hatte, dass ihr vor dem Auftritt Alkohol getrunken habt.» Baschi betont, dass dies heute nicht mehr der Fall sei.
Ein Wochenende der Annäherung
Gemeinsames Kochen wird zum Symbol der Versöhnung. «Wenn ich bei meiner Musik so kritisch wäre wie beim Kochen, wäre ich schon im Hallenstadion», scherzt Baschi. Seine Mutter lobt: «Kochen und Staubsaugen kannst du.» Stolz erwähnt der Musiker, dass er in seinem Kinderzimmer sogar selbst eine Deckenlampe installiert habe.
Baschi ist im Baselbieter Gelterkinden aufgewachsen, wo seine Eltern einen Coiffeursalon betrieben. Der frühe Verlust seines Vaters ist ein weiteres Thema des Gesprächs. «Habe ich dich damit alleine gelassen?», fragt Baschi seine Mutter.
Verletzlichkeit und Krankheit
Der Musiker zeigt sich in der Doku mehrfach verletzlich. «Ich mache das, seit ich 18 bin, und bin seither verantwortlich dafür, das kann schnell überfordern», sagt er. Er sei harmoniebedürftig: «Ich will nur die absolute Harmonie. Alles andere kann draussen warten.» Seine Mutter pflichtet bei: «Ich glaube, du verdrängst alles Unangenehme.»
Ein zentrales Gesprächsthema ist die Krebserkrankung von Monika Bürgin. Sie hadert mit dem Entscheid zu einer erneuten Operation, bei der eine Lymphe entfernt werden müsste. «Du würdest sagen: Mach es. Das weiss ich», sagt sie. Baschi entgegnet: «Es ist einfach, leichtfertig zu denken, nur weil man gerade einen Baum umarmt hat, heilt man.» Er habe keine Angst vor der Krankheit seiner Mutter, doch es habe «nicht gut ausgesehen, damals als seine Mutter im Spital zur Bestrahlung war». Er ermutigt sie: «Man darf auch mal wütend sein.»
Ein neues Kapitel als Familie
Monika Bürgin räumt ein, dass sie einst nicht heiraten, nicht schwanger werden und keinen Coiffeur als Mann haben wollte. Nach der Geburt ihres Sohnes habe sie nicht gewusst, wie die Liebe zu einem Kind geht. «Ich habe dann die Essenz verpasst, war für ihn nicht erreichbar und habe ihn oft zurechtgewiesen.» Heute wünscht sie sich einen näheren Zugang zu ihrem Sohn, dass sie «auch mal spontan vorbeikommen könne», gerade jetzt, wo er Vater werde.
Dieser Wunsch scheint sich erfüllt zu haben. Baschis erster Sohn kam im April zur Welt. «Ja, sie verbringt gerne Zeit mit ihm und das ist cool», sagt der Musiker nach der Doku. Die Annäherung zwischen Mutter und Sohn, über 20 Jahre hinweg, findet damit einen versöhnlichen Abschluss.