Partnervermittlung in der Deutschschweiz: Martina Achermann bringt Singles zusammen
Seit 23 Jahren führt Martina Achermann (50) aus der Region Luzern ihre Partnervermittlung „Luzerner Singletreff“. Während Tausende Alleinstehende in der Schweiz auf Dating-Apps setzen, bringt sie Menschen persönlich zusammen. Ihr Ansatz: Vertrauen, Geborgenheit sowie schöne und schwierige Momente teilen. Das ist Liebe für die Partnervermittlerin, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.
Wie die Kupplerin vorgeht
Ihr Vorgehen ist stets dasselbe: Zuerst trifft sie die Kundin oder den Kunden persönlich, spricht über die Lebensgeschichte und die Vorstellungen einer Partnerschaft. „Ich finde heraus, ob die Leute wirklich bereit sind für eine neue Beziehung“, sagt sie. Das sei die wichtigste Voraussetzung überhaupt, denn: „Manche hängen noch an einer alten Liebe.“ Vereinzelt habe sie deshalb schon Leute abgewiesen.
Manche Leute stünden sich auch selbst im Weg. Gerade Singles mit überzogenen Erwartungen: „Man kann nicht Brad Pitt erwarten, wenn man nicht Angelina Jolie heisst.“
Nach einem erfolgreichen Gespräch sendet die Vermittlerin den Singles innerhalb von sieben Tagen einen Kurzbeschrieb und die Kontaktdaten einer möglicherweise passenden Person. Welche Singles füreinander infrage kommen, entscheidet Achermann anhand der ihr vorliegenden Informationen und ihrer Intuition: „Es ist ein Gefühl, das ich habe.“
Die Vorschläge versendet sie bewusst ohne Foto. Die Singles sollen selbst miteinander Kontakt aufnehmen, sich treffen und beurteilen, ob es zwischen ihnen passen könnte oder eben nicht. „Wenn ich eine neue Person aufnehme, muss ich mindestens sechs bis acht Optionen in meiner Kartei bereit haben“, sagt sie und fügt an: „Die Sympathie zwischen zwei Menschen kann man nicht planen. Manchmal braucht es ein bisschen Geduld.“
Konkurrenz durch Dating-Portale
Die Konkurrenz von Onlinedating-Plattformen habe sie in den letzten Jahren vermehrt gespürt. „Viele Leute wollten das mal ausprobieren“, erzählt Achermann. Sie warnt aber vor Betrugsmaschen: „Beim Onlinedating ist nicht immer klar, wer tatsächlich hinter einem Profil steht.“
Bei der persönlichen Vermittlung sei hingegen klar, dass sie sich selbst um die Suche nach dem Liebesglück kümmere. Und: Es sei im Gegensatz zu Online-Plattformen viel diskreter. Sie veröffentliche weder Fotos noch detaillierte Personendaten.
Was heisst das finanziell? „Viele glauben, sie könnten sich persönliche Partnervermittlung nicht leisten.“ Die Kosten lägen jedoch in einem ähnlichen Rahmen wie die Abo-Gebühren vieler Dating-Portale. Beim Anbieter Parship kosten zwei Jahre knapp 1000 Franken. Für das Geld bekomme man bei ihr „so lange Vorschläge, bis es passt“, betont sie.
Verkupplung über Social Media
Um noch mehr Singles zu erreichen, setzt Achermann mittlerweile auch auf Social-Media-Videos. Dort teilt sie Dating-Tipps und stellt mündlich Singles vor, die sie vermitteln will. Zum Beispiel Elias (56), der „himmelblaue Augen“ hat und „ein echter Romantiker“ ist.
Viele Reaktionen auf ihre Videos kämen von der jüngeren Generation. „Einige riefen mich auch schon an und sagten, dass ihre Tante oder ihre Mutter alleine seien und die im Video beschriebene Person möglicherweise passend wäre.“
Nach einem Jahr verheiratet
In den über 20 Jahren hat Achermann bereits so viele Paare verkuppelt, dass sie die Anzahl nicht mehr benennen könne.
Eines davon sind Bruno (57) und Natali (46) Bühlmann aus Rothenburg LU. Sie haben sich im November 2024 kennengelernt. Bruno war ihr dritter Vorschlag, erzählt Natali, die 2022 aus der Ukraine in die Schweiz kam: „Als er mir eine Whatsapp-Nachricht und Fotos von sich und seinen drei Hunden schickte, war ich begeistert. Auch ich habe einen Hund.“
Nur wenige Tage danach trafen sie sich zum Essen in Luzern. „Als sie auf mich zukam, wusste ich sofort: Sie ist es“, erinnert sich Bruno. Auch Natali spürte schnell, dass es passt.
Nach einem Monat waren sie ein Paar, nach zwei Monaten bereits verlobt. „Ich ging auf die Knie und machte ihr einen Heiratsantrag“, sagt Bruno. Und das, obwohl er nach einer Scheidung nicht vorhatte, nochmals zu heiraten. Bis er Natali traf. Im Oktober 2025 folgte die Hochzeit in Georgien.
Das Geld, das sie für die Partnervermittlung ausgegeben haben, bereuen sie keine Sekunde. „So konnten wir diskret nach der Liebe suchen.“
Schicksalsschlag für Achermann
Zurück zu Vermittlerin Achermann: In ihrem eigenen Leben war das Glück der Liebe nicht immer auf ihrer Seite. „2018 starb mein Mann“, berichtet sie. Nach solch einem Schicksalsschlag brauche es Zeit, sich wieder öffnen zu können.
Auch unter ihren Kunden seien verwitwete Leute, denen sie deshalb gut nachfühlen könne. „Viele glauben nicht mehr daran, dass es noch jemanden für sie gibt.“
Auch sie selbst wisse, dass man sich trotz allem wieder neu verlieben könne. „Für die Liebe ist es nie zu spät.“