Gigers Triumph in Kilchberg: Ein Signal für Thun 2028
Samuel Giger hat am Kilchberger Schwinget seinen zweiten Sieg gefeiert und damit eine schwierige Saison gekrönt. Der Thurgauer Modellathlet beantwortete alle offenen Fragen zu seiner körperlichen Verfassung eindrücklich und setzte ein Zeichen für die kommenden Jahre.
Wie kehrte Samuel Giger nach seiner Verletzung zurück?
Vor dem Saisonhöhepunkt auf dem Hof Stockengut oberhalb des Zürichsees waren viele Fragezeichen im Raum gestanden. Nach mehrmonatiger Verletzungspause war unklar, ob die lädierten Schulter der Belastung standhalten würde. Der 28-Jährige zerstreute diese Zweifel bereits in den ersten beiden Gängen mit zwei Siegen. «Ich konnte das Vertrauen in mir drin bündeln, dass es gut kommt, ich bereit bin und meine Schulter hält», sagte Giger nach dem Wettkampf.
Eine Niederlage vor dem Mittag gegen Michael Ledermann schien kurzzeitig für Unsicherheit zu sorgen. Doch der Thurgauer konterte mit drei Maximalnoten in der zweiten Wettkampfhälfte und zeigte damit eine bemerkenswerte mentale Stärke.
Welche Rolle spielte die Einteilung in Kilchberg?
Kritiker könnten anmerken, dass die Einteilung Giger insbesondere im ersten und vierten Gang nicht allzu hart forderte. Matthias Aeschbacher und Patrick Betschart galten als dankbare Gegner, ebenso Sinisha Lüscher am Morgen. Das Meisterstück gelang Giger jedoch im fünften Gang, als er den Berner Mitfavoriten Michael Moser wuchtig ins Sägemehl bettete. Moser hatte ihn vor einem Jahr am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) an den Rand einer Niederlage gebracht.
Was bedeutet der Sieg für den Nordostschweizer Teilverband?
Der Erfolg Gigers war auch einer des Nordostschweizer Teilverbandes. Wie schon vor einem Jahr in Mollis schwang einer der ihren obenaus. Die Dominanz in Kilchberg war nicht so erdrückend wie am ESAF, doch die Mannschaft reagierte auf die Klatsche beim letzten Bergkranzfest auf der Schwägalp. «Es brauchte heute alle 16 Teilnehmer aus unserem Verband, jeden einzelnen Gang. Es war eine Teamleistung. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, indem ich meine Gänge gewonnen habe», erklärte Giger.
Wie ordnet sich Giger historisch ein?
Mit seinem zweiten Sieg am Kilchberger Schwinget wird Giger nun in einem Atemzug mit Karl Meli genannt. Der wohl grösste Schwinger aller Zeiten war bis Samstag der einzige, der am Kilchberger zweimal reüssierte (1967, 1973). Der 2012 verstorbene Winterthurer hat dem Thurgauer jedoch etwas voraus: 1961 und 1964 wurde er Schwingerkönig.
Was fehlt Giger noch zum grossen Wurf?
So sehr Giger den eintägigen Festen mit eidgenössischem Charakter seinen Stempel aufdrückt, am Eidgenössischen, das über zwei Tage geht, blieb er bislang ohne Festsieg. 2016 fehlte dem damals 18-jährigen Supertalent ein Viertelpunkt zur Schlussgangteilnahme, der Königstitel schien nur eine Frage der Zeit. Doch sowohl 2019 in Zug als auch 2022 in Pratteln versagten dem Topfavoriten die Nerven, und er fiel schon nach dem ersten Tag aus der Entscheidung.
2025, als alles aufgegleist war, entglitt ihm der Königstitel auf dem Silbertablett. Für seine Passivität im gestellten Schlussgang in Mollis gegen Werner Schlegel musste Giger viel Kritik einstecken. Nun zeigte er bei nächster Gelegenheit auf der grösstmöglichen Bühne, dass er es besser kann.
Welche Perspektiven ergeben sich für Thun 2028?
Es bleibt ein letztes grosses Ziel: die Scharte des fehlenden Königstitels auszuwetzen. 2028 bietet sich Giger in Thun die nächste Chance dazu. Mit dann 30 Jahren könnte er den Schwinger Grand Slam vollenden und damit schaffen, was vor ihm erst Jörg Abderhalden und Christian Stucki gelungen ist. Doch auch ohne Krone ist Giger einer der grössten seines Sports. «Ich brauche wohl noch ein bisschen, bis ich realisiert habe, was ich heute geschafft habe», sagte der wortkarge Thurgauer. Zeit hat er nun zur Genüge, denn mit dem nur alle sechs Jahre stattfindenden Kilchberger endete die Saison der Schwinger.
Für Giger war es trotz kompliziertem Verlauf eine Saison mit einem Happy End, das als Signal für die Zukunft verstanden werden darf.
FAQ: Samuel Giger und der Kilchberger Schwinget
Wie viele Siege hat Samuel Giger am Kilchberger Schwinget?
Samuel Giger hat den Kilchberger Schwinget zweimal gewonnen, in den Jahren 2025 und 2026. Damit zog er mit Karl Meli gleich, der 1967 und 1973 siegte.
Was ist der Schwinger Grand Slam?
Der Schwinger Grand Slam bezeichnet den Gewinn aller drei eidgenössischen Feste: das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Kilchberger Schwinget und das Unspunnen-Schwinget. Bisher gelang dies nur Jörg Abderhalden und Christian Stucki.
Wann findet das nächste Eidgenössische Schwingfest statt?
Das nächste Eidgenössische Schwing- und Älplerfest findet 2028 in Thun statt. Samuel Giger hätte dort die Chance, seinen ersten Königstitel zu gewinnen.