Schweizer Spitzenreferees werden Profis: 130'000 Franken für 80 Prozent Pensum
Die Schweizer Fussball-Schiedsrichter der Spitzenklasse arbeiten ab dieser Saison als Teilzeitprofis. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) und die Swiss Football League (SFL) haben die Einführung des Profitums im Spitzenschiedsrichterwesen bekannt gegeben. Sieben Fifa-Referees und der VAR-Spezialist Fedayi San erhalten künftig ein 80-Prozent-Pensum und ein fixes Jahresgehalt von 130'000 Franken.
Bislang übten alle Unparteiischen in der Schweiz das Amt des Spielleiters lediglich als Nebenjob aus. Diese Situation hat sich nun grundlegend geändert. An einer Pressekonferenz in Bern präsentierten SFV-Zentralpräsident Peter Knäbel, SFL-CEO Claudius Schäfer und Dani Wermelinger, Leiter des Ressorts Spitzenschiedsrichter, die neue Regelung.
Historischer Schritt für die Schiedsrichter
Dani Wermelinger bezeichnete den Schritt als historischen Moment: «Für uns ist heute ein historischer Moment. Ich bin verdammt stolz, Chef dieser Truppe zu sein.» Dank flankierender Massnahmen des SFV sei eine organisierte Spielvorbereitung möglich. «Als Vollprofis wird den Schiedsrichtern ermöglicht, ihren vollen Fokus auf den Fussball und das Privatleben auszurichten. Schiedsrichter zu sein, wird damit zum Beruf», so Wermelinger.
Die acht Schiedsrichter der Topkategorie können nun von ihrer Tätigkeit leben. Das Gehalt setzt sich aus einer fixen und einer variablen Entschädigung zusammen. Wer mehr Spiele leitet, erhält entsprechend mehr. «Wir bewegen uns bei 130'000 Franken im Jahr bei 80 Prozent. Das ist ein Fifa-Richtwert für Schiedsrichter der Gruppe 2», erklärte Wermelinger.
Finanzierung durch die Klubs
Die Kosten für die Professionalisierung tragen die Klubs der Super League und der Challenge League. Die Super-League-Teams steuern 50'000 Franken bei, die Challenge-League-Klubs 10'000 Franken. SFL-CEO Claudius Schäfer betonte, dass Geld allein nicht ausreiche: «Es braucht flankierende Massnahmen. Das beinhaltet Training, Coaching, die Ausrüstung und so weiter.»
Die Klubs hätten die Entwicklung massgeblich vorangetrieben. Bereits 2023 hätten Klubvertreter an der Generalversammlung moniert, dass die Klubs und Schiedsrichter auseinanderdriften, so Schäfer. Daraufhin sei eine Fachgruppe eingerichtet worden, um Verbesserungen zu erarbeiten.
Neue Rahmenbedingungen für die Unparteiischen
Der SFV unterstützt die Schiedsrichter mit Trainingsplänen und zusätzlicher Betreuung. Neu müssen die Unparteiischen ihre Ausrüstung wie Fussballschuhe und Spieluhren nicht mehr selbst kaufen. Auch die organisierte Spielvorbereitung gehört nun zu den Aufgaben des Verbands.
Die Schiedsrichter der Super League arbeiten künftig mit einem Pensum von maximal 40 Prozent. Die sieben Fifa-Referees und Fedayi San bilden die Spitzengruppe mit 80 Prozent. Zu dieser Gruppe gehören Lukas Fähndrich, Luca Cibelli, Alessandro Dudic, Anojen Kanagasingam, Sven Wolfensberger und Fedayi San. Sandro Schärer und Urs Schnyder sind sogar eine Lohnklasse höher eingestuft.
Kanagasingam behält Nebenjob als Ausgleich
Anojen Kanagasingam, einer der neuen Teilzeitprofis, zeigte sich erfreut über die Entwicklung. «Ich habe jetzt unter der Woche mehr Zeit, um mich professionell und besser auf die Spiele vorzubereiten - mit Training und Analyse. Je nach Einsatzplanung habe ich jetzt als junger, zweifacher Familienvater auch mehr Zeit für die Familie da zu sein.»
Trotz des neuen Berufsstatus bleibt der 32-Jährige beim Schweizer Polizei-Institut in einem kleinen Pensum beschäftigt. «Das war mir persönlich wichtig, damit ich einen mentalen Ausgleich habe. Für mich war es zu Beginn schwer vorstellbar, alles auf die Karte Schiedsrichter zu setzen. Mir hilft es, dass ich so auch etwas habe, das mich geistig und intellektuell fit hält», erklärte Kanagasingam.
Fazit: Ein Schritt zur Stärkung der Schweizer Fussball-Infrastruktur
Die Professionalisierung der Schiedsrichter ist ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung im Schweizer Fussball. Sie stärkt die Unabhängigkeit der Unparteiischen und verbessert die Rahmenbedingungen für eine faire Spielleitung. Die Zusammenarbeit zwischen SFV, SFL und den Klubs zeigt, dass institutionelle Reformen im Sinne einer funktionalen Modernisierung möglich sind, ohne die bewährten Strukturen in Frage zu stellen.