Schüsse bei Aarauer Rave: Augenzeugin berichtet von Angst und Schutzsuche
Am frühen Sonntagmorgen erschütterte eine Schiesserei eine Rave-Party in Aarau. Eine 22-jährige Italienerin wurde getötet, mehrere Personen wurden verletzt. Eine Augenzeugin, die sich mit weiteren Frauen in einer Toilettenkabine versteckte, schildert nun die Minuten der Ungewissheit und Angst.
Ein friedlicher Abend nimmt ein tödliches Ende
Verena K.*, eine junge Mutter, wollte nach langer Zeit wieder einmal ausgehen. Der Abend sei friedlich verlaufen, weder überfüllt noch gefährlich, erzählt sie. Gegen 2.30 Uhr sei die Veranstaltung zu Ende gewesen. K. wollte noch schnell die Toilette aufsuchen, als die Schüsse fielen.
„Plötzlich hat sich mit der Schiesserei ganz am Schluss alles geändert“, berichtet sie. Zunächst hätten viele Anwesende an ein Feuerwerk gedacht. Doch schnell sei ihr klar geworden, dass es sich um etwas anderes handeln müsse.
Zehn Frauen suchen Schutz in einer WC-Kabine
Verena K. und neun weitere Frauen flüchteten in eine Toilettenkabine. „Wir hatten mega Angst. Wenn der Täter zu uns gekommen wäre, hätten wir keine Chance gehabt“, sagt sie. In diesem Moment habe sie an ihre Kinder gedacht. Immer wieder hörten die Frauen Rufe von draussen, klopfte jemand an die Tür. Sie wählten den Notruf.
„Etwa 20 bis 30 Minuten später ist die Polizei eingetroffen. Das ist eine lange Zeit, die man dort wartet und nicht weiss, ob man da noch lebendig herauskommt und seine Familie noch mal sieht“, schildert K. die quälende Wartezeit.
Möglicherweise mehrere Täter
Wie auch der Sicherheitsverantwortliche Nico H. vermutet K., dass die Schüsse von ausserhalb des Festivalgeländes kamen. „Und eher von zwei Personen als von einer allein“, fügt sie an. Die Polizei kann diesbezüglich noch keine Angaben machen. Die Ermittlungen laufen auch gut 15 Stunden nach der Tat auf Hochtouren.
Bilder des Schreckens beim Verlassen der Toilette
Schliesslich gab die Spezialeinheit der Aargauer Polizei Entwarnung. Mit erhobenen Händen verliessen die Frauen die Toilette. Dabei sah Verena K. eine verletzte Person am Boden liegen. „Sie wurde in die Ecke getragen. Es waren Leute bei ihr, Freunde wahrscheinlich.“ Auf eine Wunde am Bauch hätten sie Tücher gedrückt.
Die Rave-Teilnehmer wurden zur Befragung in eine Halle gebracht. „Wir haben Leute getroffen, die neben den Angeschossenen gestanden haben. Sie hatten das T-Shirt und die Arme voller Blut“, berichtet K.
Ungewissheit über das Motiv
Nach der Befragung wurden die Teilnehmer unter dem Schutz der Spezialeinheit zum Bahnhof Aarau gebracht. Von anderen Augenzeugen habe sie gehört, dass wild rumgeballert worden sei, viele Schüsse, auch viele abgelenkte. Verena K. hatte Glück. „Ich bin einfach dankbar, dass ich daheim bin“, sagt sie.
„Ich bin im Schock“, fasst sie ihre Gefühlslage am Sonntagnachmittag zusammen. „Ich weiss nicht genau, wo mir der Kopf steht.“ Sie kann sich nicht erklären, warum die friedliche Raveparty Ziel eines Angriffs wurde. Die Ermittlungen der Kantonspolizei Aargau dauern an.
* Name von der Redaktion geändert.