Telegonie: Wie ein alter Aberglaube Frauen kontrollieren soll
Die moderne Esoterik belebt eine längst widerlegte Theorie wieder: die Telegonie. Diese besagt, dass frühere Sexualpartner einer Frau ihre späteren Kinder genetisch prägen. In radikalen Kreisen wird diese Idee genutzt, um weibliche Sexualität zu kontrollieren und zu stigmatisieren. Die Bewegung hat auch in der Schweiz Anhänger gefunden.
Was ist Telegonie?
Die Telegonie ist ein antiker Aberglaube, der behauptet, dass Kinder nicht nur vom leiblichen Vater, sondern auch von früheren Sexualpartnern der Mutter genetische Merkmale erben. Besonders der erste Partner soll einen bleibenden Einfluss haben. Die moderne Genetik hat diese Theorie längst widerlegt, dennoch feiert sie in esoterischen Kreisen ein Revival.
Esoterikerin Ivi Kappler verbreitet die Theorie
Die selbsternannte Energetikerin und Bewusstseinstrainerin Ivi Kappler verbreitet die Telegonie in ihren Videos. Sie behauptet, dass Frauen mit postnatalen Depressionen und Väter mit Akzeptanzproblemen unter dem Einfluss fremder Gene leiden würden. Kappler spricht von einem energetischen Abdruck des ersten Sexualpartners, der sich auf das Kind übertrage.
Rechte Ideologien und die Telegonie
Die Telegonie wird vor allem in rechtsradikalen und völkischen Kreisen propagiert. Kappler selbst zitiert neonationalsozialistische Vertreter wie Patock oder Wjatscheslaw Seewald, die die These zur Untermauerung ihrer Rassenideologie nutzen. Auch die Anastasia-Bewegung, die auf den Büchern des russischen Esoterikers Wladimir Megre basiert, vertritt diese Idee.
Kommerzialisierung der Angst
Rund um die Telegonie hat sich ein lukratives Geschäft entwickelt. Seminare, Coachings und esoterische Beratungen versprechen, die vermeintlichen Belastungen durch frühere Sexualpartner zu lösen. Die Juristin Linda Titze, bekannt als Schwurbeljägerin, zerpflückt diese Angebote auf Instagram und zeigt die Absurdität der Theorie auf.
Fazit: Ein gefährlicher Aberglaube
Die Telegonie ist ein pseudowissenschaftlicher Aberglaube, der Frauen kontrollieren und unterdrücken soll. Die Vermischung mit radikalen politischen Ideologien macht diese Bewegung besonders problematisch. Es ist wichtig, solche Ideen kritisch zu hinterfragen und aufzuklären, um eine verhängnisvolle Parallelwelt zu verhindern.
„Die Telegonie verfolgt eine misogyne Reinheitsidee, mit der Frauen kontrolliert und unterdrückt werden.“
Die Verbreitung dieser Theorie zeigt, wie gefährlich Esoterik sein kann, wenn sie mit radikalen Ideologien vermischt wird. Es bleibt zu hoffen, dass Aufklärung und wissenschaftliche Fakten sich gegen diesen Aberglauben durchsetzen.