Thomas Bucheli verlässt SRF: Eine Ära der Wetterredaktion endet
Nach 34 Jahren beim Schweizer Fernsehen und 31 Jahren als Leiter der Wetterredaktion verabschiedet sich Thomas Bucheli am Mittwoch, 26. August, um 19.55 Uhr ein letztes Mal von der «Meteo»-Kamera. Der Meteorologe, der zu den bekanntesten Gesichtern von SRF gehört, tritt in den Ruhestand über. Ganz ohne Wetter wird es für ihn jedoch nicht bleiben: Die Fluggesellschaft Swiss hat ihn angefragt, künftig in Teilzeit Wetterkunde in der Pilotenausbildung zu unterrichten.
Ein Abschied mit gemischten Gefühlen
Bereits im Oktober 2025 sprach Bucheli gegenüber blue News über seine bevorstehende Pensionierung. Damals zeigte er sich überzeugt, dass der Generationenwechsel richtig sei: «Es ergibt Sinn, dass die SRF-Zukunft von Jüngeren geplant wird.» Gleichzeitig räumte er ein, dass ihm der Gedanke an das Ende seiner langen Fernsehkarriere Respekt mache: «Ich bin seit über 30 Jahren beim Fernsehen und plötzlich soll alles vorbei sein – diese Vorstellung ist schon etwas erschreckend.»
Eigentlich hätte Bucheli bereits Ende Mai pensioniert werden sollen. SRF verlängerte seinen Einsatz jedoch um drei Monate, da personelle Veränderungen im «Meteo»-Team anstanden. Neue Meteorologinnen und Meteorologen werden die Sendung übernehmen, und Bucheli half während der Sommermonate aus. Rückblickend bezeichnet er diese zusätzliche Zeit als eine Art «Therapie», die ihm geholfen habe, sich Schritt für Schritt von seinem Berufsleben zu lösen.
Generationenwechsel bei SRF Meteo
Den Wechsel an der Spitze der Wetterredaktion betrachtet Bucheli nüchtern. Mit Gaudenz Flury übernimmt ein jüngerer Meteorologe die Leitung von SRF Meteo. Bucheli begrüsst diesen Schritt: «Irgendwann kommt der Punkt, an dem man selbstkritisch erkennen muss, dass sich die Welt weiterentwickelt.» Gerade bei Social Media sei er selbst nicht mehr besonders bewandert, räumt er ein.
Neue Aufgabe bei der Swiss
Vor zehn Monaten war noch offen, womit Bucheli seine neu gewonnene Zeit füllen würde. Gegenüber blue News sagte er damals, er wolle unter anderem mehr Zeit mit seiner Frau verbringen und sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Inzwischen ist klar: Er will weiterhin als Wetterexperte für Reiseanbieter tätig sein, und die Swiss hat ihn angefragt, künftig in Teilzeit Wetterkunde in der Pilotenausbildung zu unterrichten.
Damit schliesst sich für Bucheli ein Kreis. Bevor das Wetter zu seinem Beruf wurde, träumte er selbst vom Fliegen. Als Jugendlicher wollte er Pilot werden und absolvierte mit 17 Jahren die fliegerische Vorschulung. Die neue Aufgabe passt daher überraschend gut zu seiner persönlichen Geschichte.
Selbstkritische Bilanz als TV-Persönlichkeit
Kurz vor seinem Abschied zieht Bucheli im Interview mit dem «Blick» eine bemerkenswert selbstkritische Bilanz seiner Zeit als TV-Persönlichkeit. Zu Beginn seiner Karriere habe es ihm geschmeichelt, plötzlich in Magazinen aufzutauchen. Eine Zeit lang sei er diesem Gefühl sogar etwas «verfallen». Dabei habe er auch sein Familienleben stärker öffentlich gemacht, als ihm später lieb gewesen sei. Irgendwann habe er für sich entschieden, wieder stärker das in den Mittelpunkt zu stellen, was er eigentlich sein wollte: Meteorologe.
Auch mit Kritik musste Bucheli umgehen lernen. Konstruktive Rückmeldungen nehme er ernst, anonyme Angriffe hingegen nicht mehr. Besonders Mühe bereitet ihm pauschales Bashing gegen SRF und die SRG.
Die prägendste Fehlprognose: Sturm Lothar
Dass auch ein erfahrener Meteorologe danebenliegen kann, erlebte Bucheli am 26. Dezember 1999. Sturm Lothar fegte damals mit enormer Wucht über die Schweiz und richtete schwere Schäden an. SRF Meteo hatte das Ausmass des Sturms nicht vorausgesehen. Für Bucheli wurde Lothar zur wohl prägendsten Fehlprognose seiner Karriere. Eigentlich wollte er an jenem Tag seine Eltern besuchen; als er am Morgen das Chaos bemerkte, fuhr er direkt ins Büro.
Die Erfahrung blieb nicht ohne Folgen: Danach wurden Abläufe innerhalb der Wetterredaktion angepasst. Bucheli sagt: «Immerhin entstanden daraus auch positive Dinge, so zum Beispiel der von der Gebäudeversicherung Bern mitlancierte Wetteralarm per SMS.»
Klimawandel: klare Worte des Meteorologen
Ein Thema wird Bucheli auch nach seinem SRF-Abschied nicht loslassen: der Klimawandel. Die extreme Hitze dieses Sommers empfindet er nicht mehr als natürlich. Wer den menschengemachten Klimawandel anzweifle, müsse sich die langfristige Entwicklung der Temperaturen und die immer neuen Rekorde ansehen. Für die Schweiz rechnet Bucheli künftig mit trockeneren Sommern und häufiger auftretenden heftigen Gewittern. Im Winter erwartet er mehr Niederschlag und eine weiter steigende Schneefallgrenze.
Dabei gehört der langjährige «Meteo»-Chef selbst nicht zu den grossen Hitzefans: Tiefe Temperaturen und Nebel sind ihm lieber als Hochsommerhitze.
Ein Abschied mit Blick nach vorn
Thomas Bucheli hinterlässt bei SRF eine Lücke, doch sein Wechsel zur Swiss zeigt, dass er seine Erfahrung weiterhin gezielt einbringen will. Die Wetterkunde in der Pilotenausbildung verbindet seine Leidenschaft für die Meteorologie mit seinem frühen Traum vom Fliegen. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer bleibt er als verlässlicher Wetterexperte in Erinnerung, der auch vor Selbstkritik nicht zurückschreckte.