Stalking auf Dating-Apps: Wenn digitale Besuche zur Belastung werden
Eine Ostschweizerin wird auf der Dating-Plattform Lovoo über Monate von einem unbekannten Nutzer verfolgt. Trotz Sperrungen kehrt der Mann mit neuen Profilen immer wieder zurück. Der Fall wirft Fragen zur Wirksamkeit von Schutzmechanismen auf Dating-Plattformen auf.
Was ist Miriam widerfahren?
Miriam (38) aus der Ostschweiz nutzt seit längerem die Dating-App Lovoo. Seit vier Monaten beobachtet sie auf ihrer Besucherliste einen Nutzer namens „Heyhey“, der über 100-mal ihr Profil aufgerufen hat. „Das ist unheimlich“, sagt sie. Der Mann sei teilweise fünfmal täglich auf ihrem Profil, auch spät in der Nacht. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, wenn ein wildfremder Mann um 2 Uhr morgens deine Bilder anschaut.“
Warum kann Miriam den Nutzer nicht dauerhaft blockieren?
Miriam hat den Nutzer mehrfach blockiert, doch ohne Erfolg. Der Mann erstellt immer wieder neue Profile mit derselben Mailadresse oder anderen Kontaktdaten. Nur sein Alter ändert er jeweils: Mal gibt er sich als 35-, mal als 37- oder 38-Jähriger aus. Die restlichen Angaben wie Wohnort, Grösse oder Kinderwunsch bleiben identisch. Weil er ständig neue Konten erstellt, kann Miriam ihn nicht direkt ansprechen. „Weil er ständig ein neues Konto erstellt, kann ich ihn nicht einmal zur Rede stellen und fragen, was sein Ziel ist“, erklärt sie.
Welche Massnahmen hat Lovoo ergriffen?
Miriam hat die Profile bei Lovoo gemeldet. Der Anbieter sperrte die Konten jeweils nach einer Prüfung. Lovoo erklärt auf Anfrage, dass gesperrte Nutzer ihr Konto nur nach einer Fotoverifizierung reaktivieren können. Erstellt dieselbe Person jedoch mit einer anderen Mailadresse ein neues Profil, kann Lovoo sie nicht in jedem Fall zuverlässig einem zuvor gesperrten Konto zuordnen. Eine dauerhafte Sperre einzelner Personen ist technisch nur eingeschränkt möglich.
Welche Konsequenzen zieht Miriam?
Vor zwei Monaten löschte Miriam ihr Lovoo-Profil und nutzte andere Apps wie Hinge und Bumble. Doch weil sie mit Lovoo gute Erfahrungen gemacht hatte, installierte sie die App erneut. „Ich will mir mein Datingleben nicht von einem Typen kaputtmachen lassen“, sagt sie. Die Hoffnung, dass die Sache vorbei sei, verflog jedoch schnell. Der Mann tauchte sofort wieder auf.
Miriam erwägt nun den Gang zur Polizei. Sie befürchtet jedoch, ohne Nachrichten oder Drohungen kaum etwas beweisen zu können. „Ich hoffe einfach, dass es irgendwann aufhört“, sagt sie. Andernfalls werde sie Lovoo endgültig löschen.
Was bedeutet dieser Fall für Nutzer von Dating-Apps?
Der Fall zeigt, dass Dating-Plattformen trotz technischer Massnahmen an Grenzen stossen. Nutzerinnen und Nutzer sollten wachsam sein und verdächtige Profile melden. Die Plattformen sind gefordert, ihre Sicherheitsmechanismen zu verbessern, um solche Belästigungen zu verhindern. Für Betroffene ist es wichtig, Beweise zu sichern und bei Bedarf rechtliche Schritte zu prüfen.