Digitale Zollabwicklung: Die neue dAKZ-App im Test
Seit Mitte Juni testet der deutsche Zoll eine App, die Schweizer Einkaufstouristen das lästige Anstehen am Schalter ersparen soll. Die dAKZ-App (digitaler Ausfuhrkassenzettel) ermöglicht eine digitale Abwicklung der Mehrwertsteuerrückerstattung beim Einkauf in Deutschland. Erste Erfahrungen zeigen jedoch noch technische Hürden.
Hintergrund: Zeitaufwand und Bürokratie an der Grenze
Für viele Schweizer ist der Einkauf in Deutschland attraktiv: Ab einem Warenwert von 50 Euro kann die deutsche Mehrwertsteuer von bis zu 19 Prozent zurückgefordert werden. Bisher bedeutete dies jedoch einen erheblichen Zeitaufwand. Laut einer Umfrage von SRF unter Einkaufstouristen in Konstanz beträgt die Wartezeit am Zollschalter durchschnittlich 35 bis 40 Minuten. Auch für den deutschen Zoll ist das Verfahren aufwendig. Antje Bendel, Sprecherin des Hauptzollamts Lörrach, erklärte gegenüber SRF: „Wir setzen etwa 200 Beschäftigte entlang der Schweizer Grenze ein, die ausschliesslich Ausfuhrbelege stempeln.“
Funktionsweise der dAKZ-App
Die App, die seit dem 16. Juni in einer Pilotphase getestet wird, ersetzt den klassischen Ausfuhrschein teilweise durch ein digitales Verfahren. Nutzungsberechtigt sind Privatpersonen ab 18 Jahren mit Wohnsitz ausserhalb der EU, also auch Schweizer. Die Pilotphase umfasst derzeit vier Unternehmen: G-Star, Humanic, Sportscheck und Lidl. Die App kann im Apple App Store oder Google Play Store heruntergeladen werden. Vor dem ersten Einkauf ist eine einmalige Registrierung im Zoll-Portal erforderlich, bei der ein Benutzerkonto erstellt und mit der Zoll-Ident-App verknüpft wird. Anschliessend werden die Ausweisdaten erfasst.
Beim Einkauf wird an der Kasse die digitale dAKZ-Karte in der App vorgezeigt. Das Geschäft scannt den Code, worauf die Einkaufsdaten automatisch in die App übertragen werden. Vor der Ausreise können die gekauften Waren ausgewählt und die Ausfuhr beim Zoll digital angemeldet werden. Nach der Erstregistrierung muss der Nutzer einmalig bei einer zugelassenen Grenzzollstelle persönlich erscheinen, wo die Ausweisdokumente überprüft werden.
Vorteile und Einschränkungen im Alltag
Zeigt die App bei späteren Einkäufen ein grünes Ausreisesymbol an, ist kein Halt mehr beim Zoll nötig. Die Ausreise kann dann direkt über eine für das dAKZ-Verfahren zugelassene Grenzzollstelle erfolgen. Welche Grenzübergänge infrage kommen, zeigt die App an. An anderen Grenzübergängen oder bei der Ausreise über Feld- oder Wanderwege ist die digitale Ausfuhrbestätigung nicht möglich. In einigen Fällen kann eine Kontrollaufforderung angezeigt werden; dann muss die Ware bei einer teilnehmenden Grenzzollstelle vorgezeigt werden. Die Warenausfuhr wird per Standortfeststellung beim Grenzübertritt automatisch erfasst, wofür das Standort-Tracking des Smartphones aktiviert sein muss. Die Rückerstattung der Mehrwertsteuer erfolgt nicht über die App, sondern direkt über das Geschäft oder den entsprechenden Dienstleister.
Technische Probleme und Ausblick
Die Pilotphase zeigt noch technische Schwierigkeiten. Ein Reporter von SRF benötigte mehrere Versuche, bis die App seinen Grenzübertritt korrekt erkannte. Auch eine Journalistin der Basler Zeitung stiess auf Probleme und musste zu einer anderen Grenzzollstelle ausweichen. Zudem dürfte es noch dauern, bis Zollbeamte und Mitarbeitende der Geschäfte mit dem neuen Ablauf vertraut sind. Bei technischen Problemen kann weiterhin das bisherige Papierverfahren genutzt werden. Wann die App offiziell lanciert wird, ist noch unklar.
Kritik aus der Schweizer Handelsbranche
Unzufrieden zeigen sich derweil Schweizer Händler. Sie fordern eine weitere Reduktion der Zollfreigrenze von 150 auf 50 Franken. Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation, sagte gegenüber SRF: „Damit wird die Lücke geschlossen von all jenen, die in Deutschland für über 50 Euro einkaufen, aber unter den 150 Franken bleiben und somit weder in der Schweiz noch im Ausland Mehrwertsteuer bezahlen.“ Diese Forderung unterstreicht die anhaltenden Spannungen im grenzüberschreitenden Handel, die durch die Digitalisierung allein nicht gelöst werden.
FAQ zur dAKZ-App
Wer kann die dAKZ-App nutzen?
Privatpersonen ab 18 Jahren mit Wohnsitz ausserhalb der EU, also auch Schweizer.
Welche Geschäfte nehmen an der Pilotphase teil?
Derzeit G-Star, Humanic, Sportscheck und Lidl.
Was tun bei technischen Problemen?
Das bisherige Papierverfahren kann weiterhin genutzt werden. Bei Störungen im System dAKZ ist der Service Desk Zoll zu kontaktieren.
Wann wird die App offiziell lanciert?
Ein Datum steht noch nicht fest. Die Pilotphase läuft und technische Probleme werden behoben.