SRF-Bestenliste September 2026: Fünf Bücher, die man kennen sollte
Die SRF-Bestenliste für September 2026 ist publiziert. Eine schonungslose Mutterabrechnung, ein Krimi mit ungewöhnlicher Ermittlerin, ein Beziehungsdrama, ein Roman über Deutungsmacht und eine Geschichte über Widerstand an der Schweizer Grenze: Die Auswahl der Jury umfasst fünf literarisch wie gesellschaftlich relevante Werke.
Welches Buch führt die SRF-Bestenliste im September 2026 an?
Lukas Bärfuss steht mit seinem Buch „Königin der Nacht“ an der Spitze. Der Autor setzt sich darin mit seiner verstorbenen Mutter auseinander, die in Armut lebte und ihren Sohn ablehnte. Das Werk ist nicht nur privat, sondern auch politisch: Bärfuss thematisiert den Umgang der Schweiz mit mittellosen Menschen in der Vergangenheit. Die Jury vergab 35 Punkte für dieses Buch.
Was macht „Königin der Nacht“ von Lukas Bärfuss besonders?
Bärfuss verbindet das Private mit dem Politischen in seiner unverwechselbaren Sprache. Das Buch umfasst 127 Seiten und ist im Rowohlt Verlag erschienen. Es bietet Gesprächsstoff über Grundfragen menschlicher Existenz und über die Sozialgeschichte der Schweiz.
Welche weiteren Titel sind in der SRF-Bestenliste vertreten?
Auf Platz zwei folgt Yael Inokai mit ihrem Krimi „Die Auster“ (31 Punkte). Die Handlung spielt in Berlin: Ein schwerreicher Geschäftsführer eines Luxus-Kaufhauses wird tot aufgefunden. Seine Putzfrau entdeckt die Leiche, ruft aber nicht die Polizei, sondern beginnt zu putzen. Die eigenwillige Hauptfigur kämpft sich durchs Leben und klärt nebenbei einen Mord auf. Das Buch ist im Hanser Berlin Verlag erschienen und umfasst 220 Seiten.
Ruth-Maria Thomas erreicht mit „Die zweitgrösste Liebe“ den dritten Platz (28 Punkte). Der Roman erzählt von der verschuldeten Ostdeutschen Michelle und dem reichen Wessi Henry. Die Leidenschaft ist gross, doch die Frage bleibt: Kann eine Beziehung halten, wenn die Herkunft so unterschiedlich ist? Das Beziehungsdrama umfasst 304 Seiten und ist im dtv Verlag erschienen.
Welche Schweizer Autorinnen und Autoren sind vertreten?
Sarah Elena Müller steht mit „Unwucht“ auf Platz vier (24 Punkte). Die Schweizer Autorin erzählt von einer schmerzvollen Beziehung zwischen einem suchtkranken Mann und einer Überlebenskünstlerin. Jahre nach der Trennung versucht die Frau, das Erlittene aufzuschreiben. Dabei stellt sich die Frage: Wer hat die Deutungsmacht über das Gewesene? Der Roman umfasst 336 Seiten und ist im Limmat Verlag erschienen.
Alex Capus aus Olten komplettiert die Liste mit „Querfeldein“ (20 Punkte). Der Roman erzählt zwei Geschichten: Eine wahre Begebenheit, in der sich ein Dorf im Kanton Schaffhausen an der deutschen Grenze gegen einen Übergriff der Nazis wehrt, und die fiktive Geschichte eines Wirtes in demselben Dorf. Das Buch umfasst 288 Seiten und ist im Hanser Verlag erschienen.
Wie entsteht die SRF-Bestenliste?
Die SRF-Bestenliste wird monatlich von einer Fachjury bestimmt. Ihr gehören 50 Buchkritikerinnen, Bibliothekare, Buchhändlerinnen, Literaturwissenschaftler und Vertreter literarischer Institutionen an. Für die September-Ausgabe waren 37 Jurymitglieder beteiligt und vergaben insgesamt 551 Punkte.
Jedes Jurymitglied darf bis zu vier Titel nominieren, deren Veröffentlichung nicht länger als sechs Monate zurückliegt. Die Punktewertung ist gestaffelt: Platz eins erhält sieben Punkte, Platz zwei fünf, Platz drei drei und Platz vier einen Punkt. Sobald ein Titel dreimal auf der Liste erschienen ist, wird er gesperrt, um einen gewissen Titelumlauf zu gewährleisten.
Aus Gründen der Transparenz dürfen keine Bücher nominiert werden, deren Autorinnen oder Autoren Mitglied der Jury sind.
Welche Themen dominieren die literarische Auswahl?
Die September-Liste zeigt eine bemerkenswerte Bandbreite: von der persönlichen Auseinandersetzung mit Herkunft und Familie über soziale Ungleichheit bis hin zu historischen Ereignissen an der Schweizer Grenze. Die Werke von Bärfuss und Capus greifen dabei explizit Schweizer Themen auf und bieten Anknüpfungspunkte für die Diskussion über die nationale Identität und den Umgang mit der eigenen Geschichte.
Warum lohnt sich die Lektüre dieser Bücher?
Die ausgewählten Titel bieten nicht nur Unterhaltung, sondern auch Stoff für gesellschaftliche Debatten. Sie verbinden literarische Qualität mit relevanten Fragen unserer Zeit. Für Leserinnen und Leser, die sich für Schweizer Literatur und ihre gesellschaftlichen Bezüge interessieren, ist die SRF-Bestenliste ein verlässlicher Wegweiser.