Zürichsee 2025: Fischfang sinkt, Fischotter kehrt zurück
Die Gesamtfangmenge im Zürichsee und Obersee belief sich 2025 auf rund 179 Tonnen, was einem Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Es ist das zweitschlechteste Ergebnis der letzten zehn Jahre. Gleichzeitig kehrt der Fischotter nach rund 50 Jahren ins Linthgebiet zurück und stellt neue Fragen an den Schutz der einheimischen Fischbestände.
Wie entwickelten sich die Fangerträge im Zürichsee?
Freizeitfischerinnen und Berufsfischer holten 2025 rund 179 Tonnen Fisch aus dem Zürichsee und dem Obersee. Das geht aus dem Konkordatsbericht 2025 hervor, den die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich am Montag veröffentlichte. Der Zehnjahresschnitt liegt bei rund 210 Tonnen. Lediglich im Jahr 2017 fielen die Fangerträge mit 169 Tonnen noch geringer aus.
Die Schwankungen zwischen den Jahren sind jedoch nicht zwingend ein Indikator für den Zustand der Bestände. «Eine höhere oder tiefere Fangquote bei gewissen Fischarten deute nicht zwingend auf einen Rückgang oder Anstieg des jeweiligen Bestandes hin», erklärt Lukas Bammatter, Co-Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung. Die Fangbarkeit der einzelnen Arten variiere von Jahr zu Jahr naturbedingt.
Welche Fischarten waren besonders betroffen?
Bei den Felchen verzeichnete die Berufsfischerei mit 106 Tonnen das drittbeste Ergebnis der letzten zehn Jahre. Die Art leistete damit in einem insgesamt schwächeren Fangjahr einen stabilisierenden Beitrag, wie der Konkordatsbericht festhält. Felchen machen jährlich den grössten Anteil der gefangenen Fische aus.
Demgegenüber halbierten sich die Eglifänge auf rund 16 Tonnen. Auch die Hechtfänge fielen mit 14 Tonnen im Vorjahresvergleich deutlich tiefer aus. Die Gründe für diese Artenschwankungen sind vielfältig und stehen nicht zwingend mit einem Bestandsrückgang in Verbindung.
Warum brachen die Fangerträge im Linthkanal ein?
Im Linthkanal wurde ein deutlicher Rückgang des Fangertrags verzeichnet. Dieser ist jedoch primär auf eine gezielte ordnungsrechtliche Massnahme zurückzuführen: Seit Anfang 2025 sind zwei Drittel des Kanals komplett für die Fischerei gesperrt. Die Sperrung dauert bis Ende 2027 und dient dem Wiederaufbau des Fischbestands, nachdem die Fangquoten in den Vorjahren eingebrochen waren.
Aus dem Linthkanal wurden 2025 lediglich 11 Kilogramm Fische gezogen, davon zwei Drittel Äschen und der Rest Forellen. Im Vorjahr waren es noch 88 Kilogramm gewesen.
Begleitend zum Fischereiverbot wurde an mehreren Stellen Totholz ins Wasser gebracht. Die aufgewerteten Bereiche wurden von den Fischen, insbesondere von Jungfischen, rasch angenommen, wie die Verwaltung mitteilt. Ein Monitoring überwacht die weitere Entwicklung des dortigen Bestands.
Was bedeutet die Rückkehr des Fischotters für die Bestände?
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte Ende 2025 die Rückkehr des Fischotters ins Linthgebiet. Fotofallen und Kotfunde belegten seit Mitte Dezember die Anwesenheit des Raubtiers. Mitte März wurde auf der Autobahn bei Horgen ein Fischotter überfahren; Untersuchungen bestätigten, dass das Tier zuvor im Linthgebiet verweilt hatte. Ob sich weitere Exemplare dort aufhalten, war zunächst unklar.
Der Fischotter galt in der Schweiz seit Jahrzehnten als ausgerottet. Die letzte Sichtung im Linthgebiet lag rund 50 Jahre zurück. Seit 2009 kehren die Tiere allmählich in die Schweiz zurück. Am 15. Januar 2026 gelang der Glarner Wildhut ein Nachweis: Eine Fotofalle filmte einen Fischotter am Linthkanal.
Obschon die Rückkehr des Fischotters für den Menschen unbedenklich ist, stellt sie den Fischbestand vor neue Herausforderungen. An der Linth befindet sich eines der letzten und stark geschrumpften Äschen-Laichgebiete von nationaler Bedeutung. «Wie sich die Rückkehr des Fischotters auf diesen Äschenbestand auswirken wird, ist nicht bekannt», hält die Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus fest.
Fazit: Zwischen Bestandsschutz und ökologischer Dynamik
Die Entwicklungen im Zürichsee und im Linthgebiet zeigen ein Gewässerökosystem im Wandel. Die Sperrung des Linthkanals ist eine ordnungsrechtliche Massnahme, die den Bestand langfristig sichern soll und bereits erste Erfolge bei der Jungfischbesiedlung aufweist. Die Rückkehr des Fischotters hingegen ist ein natürlicher Vorgang, der neue Fragen an den Schutz der Äschen-Laichgebiete aufwirft. Beide Entwicklungen verdeutlichen, dass die Gewässerbewirtschaftung im Spannungsfeld zwischen fischereiwirtschaftlicher Nutzung, ökologischer Aufwertung und dem Schutz einheimischer Arten bleibt. Eine sorgfältige Beobachtung der Bestandsentwicklung bleibt geboten, damit Schutzmassnahmen und natürliche Prozesse in einem funktionsfähigen Gleichgewicht stehen.
Wie viel Fisch wurde 2025 im Zürichsee gefangen?
Rund 179 Tonnen Fisch wurden 2025 aus dem Zürichsee und dem Obersee gezogen. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dem zweitschlechtesten Ergebnis der letzten zehn Jahre.
Warum ist der Linthkanal für die Fischerei gesperrt?
Zwei Drittel des Linthkanals sind seit Anfang 2025 bis Ende 2027 für die Fischerei gesperrt, um den eingebrochenen Fischbestand wiederaufzubauen. Begleitend wurden Totholz-Strukturen eingebracht, die von Jungfischen rasch angenommen wurden.
Kehrt der Fischotter in die Schweiz zurück?
Ja. Seit 2009 kehren Fischotter allmählich in die Schweiz zurück. Ende 2025 wurde erstmals wieder ein Fischotter im Linthgebiet nachgewiesen, rund 50 Jahre nach der letzten Sichtung. Im Januar 2026 gelang der Glarner Wildhut ein weiterer Fotofallen-Nachweis am Linthkanal.