Gianni Infantino und die Machtverhältnisse im Weltfussball
Die FIFA, der Weltfussballverband mit Sitz in Zürich, ist eine der erfolgreichsten Geldmaschinen der Geschichte. Jährlich fliessen durchschnittlich rund drei Milliarden Franken in ihre Kassen. Doch die Organisation ist nicht nur ein wirtschaftlicher Gigant, sondern auch ein Spiegel der globalen geopolitischen Kräfteverhältnisse. Die europäischen Verbände, einst die Gründerväter, haben heute kaum noch Einfluss auf die Führung des Verbandes.
Die FIFA als helvetische Stiftung
Die FIFA ist als gemeinnütziger Verein nach schweizerischem Recht konstituiert. Diese Rechtsform gewährt ihr erhebliche steuerliche Vorteile und juristische Freiheiten. Die Begründung: Der Grossteil der Einnahmen fliesst in die Entwicklung des Fussballsports. Kritiker sehen darin ein System, bei dem die Kosten für Infrastruktur und Sicherheit bei den öffentlichen Kassen bleiben, während die Gewinne privatisiert werden.
Die Ohnmacht der europäischen Romantiker
Die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino ist in der westlichen Welt allgegenwärtig. Bücher wie „FIFA Mafia – die schmutzigen Geschäfte im Weltfussball“ oder „Der Kick des Geldes“ zeugen von der Empörung. Doch die europäischen Verbände, die einst die FIFA gründeten, sind heute nicht mehr in der Lage, Infantino ernsthaft zu gefährden. Die UEFA unter Präsident Aleksander Ceferin zählt 55 Mitglieder, darunter auch Staaten wie Russland, Kasachstan und Belarus. Die FIFA hingegen vereint 211 Mitglieder aus allen Kontinenten und ist damit globaler als die UNO.
Die Ethikkommission als Machtinstrument
Seit 2012 verfügt die FIFA über eine unabhängige Ethikkommission, die mutmassliche Verstösse gegen den Ethikkodex untersucht. Doch dieses Gremium wird bevorzugt für interne Machtkämpfe instrumentalisiert. Es war unter anderem für die Suspendierung von Sepp Blatter und Michel Platini verantwortlich. Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter – Infantino kann tun und lassen, was er mag, solange er nicht die US-Justiz gegen sich aufbringt.
Der Versuch mit privaten Investoren
Ein Versuch, private Investoren aus Amerika am globalen Ereignis der Fussball-WM zu beteiligen, war eine „Todsünde“, die Infantinos Position erschütterte. Er ruderte rechtzeitig zurück. Eine solche Beteiligung hätte weitreichende Folgen gehabt: von Einflussnahme auf das Spiel bis zu Rechenschaftspflichten über Geldflüsse und Einmischung staatlicher Justiz.
Die FIFA als Abbild der Weltpolitik
Die FIFA ist längst ein Abbild der weltpolitischen Machtarchitektur. Vor hundert Jahren beherrschte Europa die Welt. Heute sind die europäischen Landesverbände nicht einmal mehr dazu in der Lage, den FIFA-Präsidenten des Amtes zu entheben. Die Vertreter aus Asien, Afrika und Südamerika, die oft andere Staatsformen gewohnt sind, haben das Sagen. Was in der Schweiz für Empörung sorgt, wird in anderen Kulturen anders beurteilt.
Fazit
Die FIFA bleibt ein komplexes Gebilde, das zwischen wirtschaftlichem Erfolg, rechtlichen Privilegien und geopolitischen Realitäten balanciert. Für die Schweiz als Sitzstaat stellt sich die Frage, wie sie mit diesem globalen Akteur umgehen will. Eine kritische Begleitung und klare rechtliche Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Integrität des Sports und die Glaubwürdigkeit des Standorts zu wahren.