Twint-Gebühren: Gutachten zeigt doppelte Kosten im Vergleich zur Debitkarte
Twint ist aus dem Schweizer Zahlungsalltag nicht mehr wegzudenken. Rund jede zehnte Zahlung läuft über die Bezahlapp, die über sechs Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer zählt. Doch während die Konsumenten die Bequemlichkeit schätzen, wächst bei den Händlern der Unmut über die Gebührenstruktur. Ein neues Gutachten, das der Swiss Retail Federation in Auftrag gegeben hat, zeigt nun erstmals konkrete Zahlen auf.
Was zeigt das Gutachten zur Twint-Gebührenstruktur?
Das ökonomische Gutachten, das dem SRF vorliegt, offenbart deutliche Unterschiede bei den Händlergebühren. Kleine Betriebe wie Hofläden, die direkt mit Twint einen Vertrag abschliessen, zahlen standardmässig 1,3 Prozent des Transaktionsbetrags. Grössere Händler, die über einen Acquirer wie Worldline abrechnen, kommen im Schnitt auf 0,59 Prozent. Zum Vergleich: Bei Debitkartenzahlungen fallen durchschnittlich nur 0,33 Prozent an, bei Kreditkarten 0,68 Prozent.
Der Verband Swiss Retail Federation, dem neben KMU auch Unternehmen wie Ikea, Spar und Orell Füssli angehören, hat deshalb bei der Wettbewerbskommission (Weko) Anzeige erstattet. Der Vorwurf: Twint, seine Eignerbanken und die Acquirer missbrauchen ihre marktbeherrschende Stellung und treffen Abreden zur Optimierung ihrer Gebühreneinnahmen.
Warum sind Twint-Gebühren höher als bei Debitkarten?
Die Kosten setzen sich aus drei Komponenten zusammen: Der Acquirer wickelt die Zahlung ab, Twint stellt das System bereit, und die Bank, die die App anbietet, erhält ebenfalls einen Anteil. Laut Gutachten könnte gerade dieser Bankanteil der wichtigste Kostentreiber sein. Gemäss den Geschäftsbedingungen kann er bis zu zwei Prozent des Transaktionsbetrags ausmachen. Bei Debitkarten von Mastercard und Visa liegen die vergleichbaren Interchange-Gebühren lediglich bei 0,12 bis 0,15 Prozent.
Patrick Erny, Direktor der Swiss Retail Federation, argumentiert:
„Die allermeisten Twint-Kunden haben ein Bankkonto und nicht eine Kreditkarte als Zahlungsmittel hinterlegt. Deshalb sollten sich die Twint-Gebühren am deutlich günstigeren Niveau von Debitkartentransaktionen orientieren.