Swiss-League-Spieler überzeugen in der National League
Die National League zeigt sich in dieser Saison von ihrer spannendsten Seite: Während die etablierten Stars liefern, sorgen vermehrt Spieler aus der Swiss League für Aufsehen. Gleich mehrere Akteure, die den Schritt aus der zweithöchsten Spielklasse wagten, beweisen derzeit ihre Konkurrenzfähigkeit und drücken dem Spielgeschehen ihren Stempel auf. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, galt die Swiss League doch lange als Ausbildungsliga mit begrenztem Anschluss an die Spitze.
Rüegsegger und Aeschbach: Die Aufsteiger der Saison
Stefan Rüegsegger (28) und Cédric Aeschbach (24) sind die prominentesten Beispiele für diesen Trend. Rüegsegger, der sechseinhalb Jahre für La Chaux-de-Fonds und Langenthal in der Swiss League spielte, hat sich beim Lausanne HC etabliert und bereits drei Tore erzielt. Der Thuner betont die Umstellung: «In der Vorbereitung brauchte ich Zeit, um mich anzupassen und zu verstehen, dass man keine Sekunde Zeit hat, um eine Entscheidung zu treffen. Alles geht schneller.» Er relativiert jedoch den Leistungsdruck: «Der Druck war in der Swiss League vielleicht sogar höher. In Lausanne hat niemand von mir erwartet, dass ich auf Anhieb skore.»
Aeschbach, der zuvor dreieinhalb Jahre bei Basel und Langenthal verbrachte, gilt als grosse Entdeckung beim EHC Biel und hat ebenfalls zwei Tore erzielt. Auch Nathan Borradori (Ambri, 2 Tore), Tim Muggli (Ambri, 1 Tor), Nik Petrovic (Zug, 1 Tor) und Aris Häfliger (Ambri, 1 Tor) wechselten aus der Swiss League und hinterlassen ihre Spuren.
Knak und Baumgartner: Comebacks und Torjägerqualitäten
Simon Knak, Neuzugang beim ZSC, hat im achten Saisonspiel bereits sein siebtes Tor erzielt und damit so viele wie in der gesamten letzten Saison mit Davos. Seinen persönlichen Rekord von acht Saisontoren (22/23 und 24/25) dürfte der Zürcher deutlich übertreffen. Sein Treffer gegen Lausanne war kurios: Er wurde zuvor von Thomas Heldner auf Goalie Kevin Pasche gecheckt, während Denis Malgin gleichzeitig schoss und den am Boden liegenden Knak touchierte.
SCB-Center Benjamin Baumgartner zeigte bei seinem Comeback gegen Servette eine bemerkenswerte Reaktion. Nach einem Faustschlag von Simas Ignatavicius ins Gesicht setzte er das Spiel mit einem Gitterhelm fort und ging noch bissiger in die Duelle. Auch am Samstag in Rapperswil-Jona trug er den Helm und liess sich nicht einschüchtern.
Hattrick zum Geburtstag und Nachwuchs mit Biss
Dominic Lammer von den Rapperswil-Jona Lakers feierte am Samstag seinen 34. Geburtstag mit einem Hattrick gegen den SCB (4:3 n.V.). Ein seltenes Kunststück, das im Fussball zuletzt Thomas Müller an seinem 36. Geburtstag beim 7:0-Sieg der Vancouver Whitecaps gegen Philadelphia gelang.
HCD-Youngster Lars Steiner (18) mischt die Liga mit unerschrockener Spielweise auf. Am Dienstag gegen Ambri erzielte er sein erstes NL-Tor, kassierte dabei aber eine blutige Nase durch einen Schuss von Teamkollege Dominik Egli. Am Samstag gegen Biel (3:4) weicht er keinem Duell aus, was Dario Trutmann zu einem Stockstich zwischen die Beine verleitete. Die Schiedsrichter übersahen das Vergehen, obwohl Langnaus Phil Baltisberger für eine vergleichbare Aktion Mitte September gegen Simon Knak mit einem Restausschluss bestraft worden war.
Klotens Verletzungspech und Ambris Rückkehrer
Der EHC Kloten kämpft weiterhin mit Personalsorgen. Nach der Rückkehr von Dario Sidler und Leandro Profico musste Trainer Michael Liniger gegen Langnau zwei weitere Verletzte beklagen. Raphael Prassl wurde in der achten Minute von einem eigenen Mitspieler am Knöchel getroffen, Routinier Dominik Schlumpf erlitt durch einen Check von Jérôme Bachofner eine Kopfverletzung. Kloten verlor 2:6 und das Lazarett wächst.
Ambris Kultspieler Inti Pestoni gab nach fast zehn Monaten Pause sein Comeback. Der 35-Jährige stand am Samstag gegen Fribourg wieder im Line-up und fügte sich in der Linie mit Petr Kodytek und Michael Joly nahtlos ein. Das Trio überzeugte mit Passkombinationen, blieb aber torlos. Zudem verletzte sich Kodytek bei einem Zusammenstoss mit Jacob de la Rose und musste das Eis vorzeitig verlassen. Ambri gewann dennoch 2:1.
Langnau überrascht als Torfabrik
Die SCL Tigers überraschen nach neun Spielen mit 34 Toren und Platz 2 hinter dem souveränen Leader ZSC. Nach der Auftaktniederlage gegen Davos trafen die Emmentaler in jedem Spiel mindestens dreimal. Nur zwei Spieler haben noch keine Skorerpunkte verbucht, zehn Akteure weisen bereits sechs oder mehr auf. Die ausgeglichene Offensive trägt zur «Emmentaler Torfabrik» bei.
Fazit: Die Swiss League als Talentpool
Die Beispiele Rüegsegger, Aeschbach und Co. zeigen, dass die Swiss League mehr ist als eine reine Ausbildungsliga. Spieler, die dort über Jahre Erfahrung sammelten, können in der National League durchaus mithalten. Für die Vereine eröffnet dies die Möglichkeit, kostengünstige Verstärkungen zu finden und gleichzeitig den Spielern eine Perspektive zu bieten. Diese Durchlässigkeit zwischen den Ligen stärkt den Schweizer Eishockeysport in der Breite und trägt zur Wettbewerbsfähigkeit bei.