Schweizer Staffel-Frauen holen EM-Silber: Ein Coup nach Jahren des Wartens
Die Schweizer 4x100-m-Staffel der Frauen hat an der EM in Birmingham Silber gewonnen. Für das Team um Salomé Kora, Léonie Pointet, Géraldine Di Tizio-Frey und Fabienne Hoenke war es die erste Medaille an einer grossen Meisterschaft. Der Erfolg kam nach jahrelanger Anlaufzeit und sorgte für grosse Erleichterung im Team.
Ein langer Weg zur Medaille
Seit Jahren gehören die Schweizer Sprinterinnen zur erweiterten Weltspitze, doch an den grossen Meisterschaften wollte es nie mit einer Medaille klappen. Am Samstagabend in Birmingham war es dann so weit: Mit einer Zeit von 43,12 Sekunden sicherte sich das Quartett Silber. Zum Vergleich: 2016 an den Olympischen Spielen reichte dieselbe Zeit nur für Platz 11.
Die 32-jährige Salomé Kora, die als „Staffel-Mama“ bezeichnet wird, zeigte sich im Interview mit dem SRF überwältigt: „Es ist ein jahrelanger Druck, der auf uns gelegen hat und jetzt einfach abfällt. Endlich haben wir diese Medaille. Die Emotionen überkommen mich völlig.“ Die Ostschweizerin blickte auch auf die schwierigen Jahre zurück: „Wir wussten seit Jahren, dass wir es eigentlich draufhaben. Aber irgendwie konnten wir es nie auf der Bahn zeigen. Heute hatten wir einen so guten Vibe im Team, eine so gute Stimmung.“
Beinahe-Patzer im letzten Wechsel
Dabei wäre der Erfolg beinahe noch gekippt. Léonie Pointet, die die dritte Teilstrecke lief, schilderte den entscheidenden Moment: „Ich rief nur: ‚Stopp, stopp‘. Ich sah, dass Salomé zu weit weg war.“ Die Romande, die nach dem Final mit den Tränen kämpfte, sagte: „Normalerweise waren es immer Tränen der Trauer. Jetzt sind es Tränen der Freude und der Emotionen. Es ist unglaublich.“
Auch Startläuferin Géraldine Di Tizio-Frey hatte mit den Nerven zu kämpfen. Sie bekam die Probleme beim letzten Wechsel mit und wusste nicht, ob die Schweiz disqualifiziert werden würde. „Ich konnte nicht mehr auf die Anzeigetafel schauen“, erzählte sie. Über 100 m war sie bereits als Dritte eingeblendet worden, rutschte dann aber noch auf Platz 4 ab.
Fabienne Hoenke, die für den Final anstelle von Ajla Del Ponte ins Team kam, erhielt mit der Medaille eine späte Belohnung für ihre starken Leistungen in Birmingham. Über 200 m war sie nach einem verpatzten Start Vierte geworden und hatte den Kampf um Bronze verpasst.
Lobalu sichert sich Silber über 10'000 m
Auch Dominic Lobalu verliess die Bahn zufrieden. Der 27-Jährige gewann über 10'000 m Silber, musste sich aber dem überlegenen Andreas Almgren geschlagen geben. „Ich habe gelernt, Geduld zu haben. Bei km 7 habe ich gespürt, dass es besser ist, die Medaille abzusichern. Es gibt ja noch viele Rennen in der Zukunft“, erklärte er. Schon vor dem Start habe er an seine Chance geglaubt: „Als ich die definitive Startliste gesehen habe, wusste ich, dass ich eine Medaille holen kann.“
Kälin: Vierter Platz als Ansporn
Annik Kälin musste sich im Siebenkampf mit Platz 4 begnügen. Die 26-jährige Bündnerin erzielte starke 6630 Punkte, verpasste das Podest aber hauchdünn. Den unmittelbaren Frust verband sie mit einer positiven Einschätzung ihrer Entwicklung: „Mit so einer Punktzahl musst du zufrieden sein. Eine Medaille wäre zwar etwas gewesen, das bleibt. Aber auch Platz 4 spornt mich an, dranzubleiben, besser zu werden und mein Niveau noch einmal zu steigern.“
Kälin hatte in dieser Saison bereits zweimal mehr Punkte erzielt und war als Jahresweltbeste nach Birmingham gereist. Der 4. Rang ändert für sie nichts an der grundsätzlichen Richtung: „Meine Tendenz zeigt in diesem Jahr klar nach oben. Darauf kann ich aufbauen.“
Bilanz: Schweizer Leichtathletik zeigt Aufwärtstrend
Die EM in Birmingham beschert der Schweizer Leichtathletik insgesamt ein erfreuliches Ergebnis. Neben dem Staffel-Silber und Lobalus Medaille überzeugte auch Kälin mit einer starken Leistung. Die Tendenz zeigt nach oben, und die Athletinnen und Athleten können mit Zuversicht auf die kommenden Wettkämpfe blicken. Für die Staffel-Frauen war es ein emotionaler Abend, der die jahrelange Arbeit belohnte.