Die Schweiz in einer wankenden Weltordnung: Zwölf strategische Herausforderungen
Das Jahr 2026 begann mit einem Gefühl der Beschleunigung und Instabilität. Die internationale Ordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg Bestand hatte, gerät zunehmend ins Wanken. Für die Schweiz als kleines, neutrales Land ohne formelle Bündnisse ergeben sich daraus sowohl Risiken als auch Chancen.
Rückkehr der Machtpolitik
Die Entwicklungen der letzten Wochen haben deutlich gemacht, was sich bereits seit Jahren abzeichnet: Die Rückkehr der Geopolitik, die Abwendung der USA von europäischen Sicherheitsfragen und die Erosion des Völkerrechts. Diese Trends haben sich erheblich beschleunigt und stellen besonders Europa, liberale Demokratien und kleine Staaten vor grosse Herausforderungen.
Die Schweiz gehört zu allen drei Kategorien. In einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt, können auch wir unter Druck geraten. Die Episode mit den 39 Prozent Zollgebühren hat dies bereits deutlich vor Augen geführt.
Strategische Antworten für die Eidgenossenschaft
Nostalgie ist keine Strategie, wie der kanadische Premierminister in Davos treffend bemerkte. Die Schweiz muss diese Veränderungen zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln. Dabei geht es darum, unsere demokratischen Institutionen und unser liberales Modell zu stärken.
Wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit: Die Schweiz muss ihre Attraktivität und Innovationskraft bewahren. Unsere KMU, unser Werkplatz und unsere Forschungsstandorte sind die Grundpfeiler unserer Souveränität.
Strategische Autonomie: Die Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeiten ist unerlässlich. Eine glaubwürdige Armee und robuste Institutionen sind Garanten unserer Unabhängigkeit.
Werteverankerung: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte bleiben unsere Leitprinzipien. Diese Werte pragmatisch zu verteidigen, ohne ideologische Scheuklappen, ist der schweizerische Weg.
Diversifizierte Partnerschaften
Die neue Weltordnung erfordert flexiblere, diversifiziertere Partnerschaften. Die Schweiz muss ihre bewährte Neutralität aktiv gestalten und als Vermittlerin auftreten, ohne sich automatisch internationalen Blöcken anzuschliessen.
Unsere föderale Struktur, unsere Sprachenvielfalt und unsere Tradition der direkten Demokratie sind dabei Stärken, nicht Schwächen. Sie ermöglichen es uns, verschiedene Perspektiven zu verstehen und zu vermitteln.
Zwölf Handlungsfelder
Die Schweiz hat alle Voraussetzungen, um die Herausforderungen einer instabilen Welt zu meistern. Aber sie muss ihre Anstrengungen verdoppeln und klare Prioritäten setzen:
Von der Energieautonomie über die Digitalisierung bis hin zur Migrationspolitik, von der Finanzplatzstärkung bis zur Forschungsförderung. Die Widerstandsfähigkeit unserer Demokratie und unseres liberalen Modells steht im Zentrum unserer Fähigkeit, uns in der neuen Welt erfolgreich zu behaupten.
Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Die Schweiz muss mit Ruhe, Bedacht und Entschlossenheit handeln. Niemand wird auf uns warten.