Iran-USA: Militärische Eskalation bedroht regionale Stabilität
Die Spannungen zwischen Washington und Teheran erreichen einen kritischen Höhepunkt. Präsident Trump setzt Iran unter massiven Druck und verstärkt die militärische Präsenz im Nahen Osten erheblich.
Massive US-Truppenverlegung in den Golf
Die Vereinigten Staaten entsenden den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln aus dem Südchinesischen Meer in die Region. Zusätzlich werden etwa 35 F-15E Strike Eagles nach Jordanien verlegt und Tankflugzeuge zur Al Udeid Air Base in Katar stationiert. Im gesamten Golfgebiet werden neue Raketenabwehrbatterien aufgestellt.
Diese militärische Aufstockung erfolgt parallel zu Trumps ultimativen Forderungen an Iran: vollständiger Stopp der Urananreicherung, Beendigung des ballistischen Raketenprogramms und Abbruch aller Verbindungen zu Stellvertreterorganisationen wie Hamas, Hisbollah und den Huthi.
Irans Gegenmassnahmen und Drohungen
Teheran reagiert mit eigenen Drohungen. Armeesprecher Amir Akraminia bestätigt, dass Einsatzpläne für verschiedene Szenarien existieren. Die seit dem Juni-Krieg 2025 beschädigten Luftabwehrsysteme seien repariert und neue hinzugefügt worden.
Iran droht mit Präventivschlägen gegen US-Stützpunkte mittels Drohnen, Raketen und anderen Waffen. Ein möglicher Konflikt würde sich laut iranischen Militärs auf die gesamte Region Westasien ausweiten.
Schweizer Expertenanalyse: Unrealistische Forderungen
Roland Popp, Militärstratege an der Milak der ETH Zürich, beurteilt die amerikanischen Forderungen als unrealistisch: "Die Forderung, die Urananreicherung komplett einzustellen und de facto ihr ballistisches Raketenprogramm zu beenden, würde bedeuten, dass sich die Iraner selber entwaffnen."
Popp sieht strategische Parallelen zu Venezuela und warnt vor den Risiken: "Trump glaubt offenbar, dass er mit dem blossen Androhen von Gewalt strategische Ziele durchsetzen kann. Er versteht meines Erachtens nicht, welches gewaltige Risiko er eingeht."
Geopolitische Machtverschiebung
Der ETH-Experte bezweifelt, dass es den USA primär um Irans Öl geht. Vielmehr gehe es um strategische Vormacht: "Wenn es den Amerikanern gelänge, Schutzmacht der gesamten Ölproduktion im Nahen Osten zu werden, könnten sie diese Stellung gegen China einsetzen."
Jedoch hätten auch die Chinesen ihre Abhängigkeit erkannt und alternative Energiequellen erschlossen, einschliesslich Pipelines nach Zentralasien und Partnerschaften mit Russland.
Nukleare Bedenken verstärken Dringlichkeit
Besondere Sorge bereitet die Möglichkeit eines iranischen "Crash-Programms zur Atombombe". Trotz der Schäden vom Juni-Angriff sei Irans Atomprogramm "nicht mal im Ansatz" zerstört worden, so Popp.
Die aktuelle Eskalation erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Proteste in Iran, die Washington strategisch ausnutzen möchte. Vermittlungsversuche der Türkei und Katars stehen vor enormen Herausforderungen.
Die Frage bleibt, ob beide Seiten bereit sind, "bis zum Äussersten zu gehen" und damit die regionale Stabilität zu gefährden.