Zwölf Herausforderungen für die Schweiz in unsicherer Zeit
Die internationale Ordnung gerät ins Wanken. Für die Schweiz als neutrales Land ohne Bündnispartner bedeutet dies fundamentale Herausforderungen, die entschlossenes Handeln erfordern.
Eine Welt im Umbruch
Der Jahresbeginn 2026 hat deutlich gemacht: Das internationale Gefüge beschleunigt sich weiter und wird zunehmend unberechenbar. Was wir erleben, ist nicht der Beginn einer neuen Entwicklung, sondern die Verfestigung von Trends, die bereits vor ein oder zwei Jahrzehnten einsetzten.
Die Rückkehr der Machtpolitik, die amerikanische Abwendung von europäischen Sicherheitsfragen unter Präsident Obama, die Erosion des Völkerrechts und des Multilateralismus – all diese Entwicklungen haben sich erheblich beschleunigt. Die Grundpfeiler der internationalen Nachkriegsordnung schwinden.
Besondere Gefährdung kleiner Staaten
Diese Entwicklung stellt ein grosses Risiko für Europa, die liberalen Demokratien und insbesondere für kleine Länder ohne Verbündete dar. Die Schweiz gehört zu allen drei Kategorien. In einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt, kann sie mit vergleichsweise geringen Mitteln unter starken Druck geraten.
Die Episode mit den 39 Prozent Zollgebühren hat dies im vergangenen Jahr deutlich vor Augen geführt. Die üblichen Schutzmechanismen fallen weg, wenn internationale Institutionen ihre Wirksamkeit verlieren.
Strategie für die neue Realität
Wie der kanadische Premierminister in Davos treffend formulierte: "Nostalgie ist keine Strategie." Die Hoffnung auf eine Rückkehr zur alten Ordnung wäre ebenso vergeblich wie gefährlich. Stattdessen müssen wir diese Veränderungen zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln.
Die Schweiz muss ihre westlichen demokratischen Werte angesichts einer Welt stärken, die die Mächte untereinander aufteilen wollen. Risiken müssen in Stärken und Schwächen in Chancen verwandelt werden.
Konkrete Handlungsfelder
Die Schweiz benötigt wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit durch Attraktivität und Innovation sowie strategische Stärke durch verbesserte Verteidigungsfähigkeiten. Gleichzeitig müssen die fundamentalen Werte verteidigt werden: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Friedensförderung.
Pragmatische Partnerschaften sind zu diversifizieren und flexibler zu gestalten. Die traditionelle Neutralität muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen, ohne ihre Kernprinzipien zu verraten.
Eigenverantwortung als Schlüssel
Die Schweiz verfügt über alle notwendigen Voraussetzungen, um die Herausforderungen einer ins Wanken geratenen Welt zu meistern. Jedoch muss sie ihre Anstrengungen verdoppeln, denn niemand wird auf sie warten.
Mut für notwendige Reformen und der Wille zu klaren Prioritäten sind gefordert. Die Widerstandsfähigkeit des demokratischen Systems und des liberalen Modells stehen im Mittelpunkt der Fähigkeit, sich in der neuen Weltordnung erfolgreich zu behaupten.
Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Es gilt: An die Arbeit!