Iran-USA: Militärische Eskalation bedroht regionale Stabilität
Die Spannungen zwischen Washington und Teheran erreichen einen neuen Höhepunkt. Präsident Trump setzt Iran unter massiven Druck, während beide Seiten ihre militärischen Kapazitäten verstärken. Für die Schweiz als neutralen Vermittler ergeben sich komplexe aussenpolitische Herausforderungen.
Massive US-Militärpräsenz im Nahen Osten
Die USA verstärken ihre militärische Präsenz im Nahen Osten erheblich. Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln verlässt das Südchinesische Meer in Richtung Persischer Golf, während die USS George H.W. Bush ebenfalls dorthin unterwegs ist. Rund 35 F-15E Strike Eagles wurden nach Jordanien entsandt, Tankflugzeuge zur Al Udeid Air Base in Katar verlegt. Zusätzliche Raketenabwehrbatterien werden im gesamten Golf-Gebiet positioniert.
Trump warnt, dass Teheran "nicht mehr viel Zeit bleibt", um seinen Forderungen nachzukommen. Diese umfassen ein komplettes Verbot von Nuklearwaffen, den Stopp der Gewalt gegen Demonstrierende, Beschränkungen für Raketenprogramme und das Ende aller Proxy-Beziehungen zu Hamas, Hisbollah und den Huthi.
Irans militärische Reaktion
Iran reagiert mit eigenen Drohungen. Armeesprecher Amir Akraminia bestätigt Einsatzpläne für verschiedene Szenarien. Die seit dem Krieg vom Juni 2025 beschädigten Luftabwehrsysteme seien repariert oder ersetzt worden. Neue Systeme seien hinzugekommen.
Akraminia erklärte, iranische Streitkräfte könnten US-Stützpunkte mit Drohnen, Raketen und anderen Waffen angreifen. Ein militärischer Konflikt würde sich nicht auf einen kurzen Zeitraum begrenzen lassen, sondern sich auf die gesamte Region Westasien ausweiten.
Schweizer Experteneinschätzung
Roland Popp, Militärstratege und Nahostexperte von der Milak an der ETH Zürich, beurteilt die Lage kritisch: "Die Forderung, die Urananreicherung komplett einzustellen und de facto ihr ballistisches Raketenprogramm zu beenden, würde bedeuten, dass sich die Iraner selber entwaffnen und sich dem guten Willen der Amerikaner unterwerfen."
Popp sieht die Dringlichkeit der aktuellen Drohungen im Zusammenhang mit den Protesten im Iran und der US-Hoffnung, diese strategisch ausnutzen zu können. Zusätzlich bestehen Befürchtungen vor einem iranischen "Crash-Programm für die Atombombe".
Geopolitische Dimensionen
Der Experte bezweifelt, dass es den USA primär um Irans Öl geht: "Letzten Endes geht es um strategische Vormacht. Wenn es den Amerikanern gelänge, Schutzmacht der gesamten Ölproduktion im Nahen Osten zu werden, könnten sie diese Stellung gegen China einsetzen."
Allerdings hätten auch die Chinesen ihre Abhängigkeit vom nahöstlichen Öl erkannt und sich über Pipelines Zugang nach Zentralasien geschaffen. Russland diene als Ersatzpartner, während massive Investitionen in erneuerbare Energien erfolgen.
Parallelen zu Venezuela
Popp sieht Ähnlichkeiten zur US-Vorgehensweise in Venezuela: "Trump glaubt offenbar, dass er ein Mittel der Politik gefunden hat, um statt mit einem Krieg allein mit dem Androhen von Gewalt strategische Ziele durchzusetzen." Der Experte warnt jedoch vor den unterschiedlichen strategischen Lagen in der Karibik und dem Persischen Golf.
Die Sorge besteht, dass Iran seit dem amerikanisch-israelischen Angriff vom letzten Juni unbemerkt dezentral kleine Anreicherungsanlagen aufbaut. "Die Frage ist, ob die Iraner bereit sind, bis zum Äussersten zu gehen", so Popp abschliessend.