Grammys 2026: Zwischen politischen Botschaften und fragwürdigen Auftritten
Die 68. Grammy-Verleihung in Los Angeles offenbarte erneut die tiefe politische Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Während Kendrick Lamar mit fünf Auszeichnungen als Hauptgewinner hervorging, prägten kontroverse politische Statements und provokante Auftritte die Veranstaltung mehr als die eigentlichen musikalischen Leistungen.
Politisierung der Kulturveranstaltung
Bad Bunny nutzte seine Dankesrede für eine scharfe Attacke gegen die amerikanische Einwanderungspolitik. Der puerto-ricanische Künstler forderte mit den Worten "ICE raus!" das Ende der Aktivitäten der US-Einwanderungsbehörde und erhielt dafür Standing Ovations des Hollywood-Publikums. Diese offene politische Positionierung zeigt, wie stark die amerikanische Unterhaltungsindustrie ihre Plattform für ideologische Botschaften missbraucht.
Moderator Trevor Noah setzte diese Tendenz fort, indem er Präsident Trump in seinem Eröffnungsmonolog verspottete. Trump reagierte charakteristisch über seine Plattform Truth Social und bezeichnete Noah als "totalen Loser".
Fragwürdige Inszenierungen
Abseits der politischen Statements fielen mehrere Künstler durch geschmacklose Auftritte auf. Justin Bieber performte lediglich in Seiden-Boxershorts, während andere Stars wie Chappell Roan und Yungblud mit extremer Freizügigkeit auf sich aufmerksam machten.
Die Tierrechtsorganisation PETA kritisierte Sabrina Carpenter scharf für den Einsatz einer lebenden Taube während ihrer Performance und bezeichnete diese Entscheidung als "dumm" und "kindisch".
Schwindende Relevanz einer Institution
Die Grammy-Verleihung steht zunehmend in der Kritik. Sinkende Zuschauerzahlen und Vorwürfe mangelnder Diversität sowie eines "Beliebtheits-Wettbewerbs" unter Insidern lassen Zweifel an der Bedeutung dieser Auszeichnungen aufkommen.
Dennoch bleibt ein Grammy-Gewinn ein prestigeträchtiges Qualitätssiegel, das Karrieren vorantreiben kann. Das Beispiel Billie Eilish, die 2020 mit nur 18 Jahren fünf Grammys gewann und dadurch zum Weltstar wurde, zeigt die anhaltende Macht dieser Institution.
Die diesjährige Verleihung verdeutlicht jedoch, wie sehr sich die amerikanische Kulturindustrie von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernt hat: der Würdigung künstlerischer Exzellenz statt politischer Propaganda.