Walliser Staatsrat Reynard über die Brandkatastrophe: Transparenz und institutionelle Integrität im Fokus
Nach der verheerenden Brandkatastrophe von Crans-Montana steht Mathias Reynard (38), Walliser Staatsrat für Gesundheit und Soziales, im Zentrum einer beispiellosen Krisensituation. In einem ausführlichen Gespräch erläutert er die Herausforderungen des Krisenmanagements und bekräftigt sein Engagement für institutionelle Transparenz.
Krisenmanagement unter extremen Bedingungen
Die Ereignisse des 1. Januar prägten Reynards Amtsführung nachhaltig. "Ich bin nicht aufgewacht, weil ich gar nicht ins Bett gegangen bin", schildert der Staatsrat die ersten Stunden nach der Katastrophe. Die Koordination zwischen Notrufzentrale, Spital und Sicherheitsbehörden erforderte sofortiges Handeln unter ungewöhnlich belastenden Umständen.
Bemerkenswert ist Reynards offener Umgang mit der psychischen Belastung: "Es ist keine Schande oder ein Tabu, um Hilfe zu bitten." Diese Haltung entspricht einem modernen Verständnis von Führungsverantwortung, das persönliche Grenzen anerkennt, ohne die Amtspflichten zu vernachlässigen.
Gewaltentrennung als demokratisches Fundament
Zur anhaltenden Kritik an der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung bezieht Reynard eine klare Position: "Die Gewaltentrennung ist in unserem Land sehr stark ausgeprägt. Sie ist ein grundlegendes Prinzip der Demokratien." Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung institutioneller Unabhängigkeit, auch unter öffentlichem Druck.
Reynards Verweigerung politischer Einmischung in justizielle Verfahren entspricht bewährten rechtsstaatlichen Grundsätzen. Seine Forderung nach "voller Aufklärung" aller Verantwortlichkeiten, einschliesslich jener öffentlicher Institutionen, zeugt von institutionellem Verantwortungsbewusstsein.
Kampf gegen Vetternwirtschaft und Interessenkonflikte
Der Staatsrat thematisiert offen die dem Wallis anhaftenden Vorurteile bezüglich Vetternwirtschaft. Seine Antwort: "Ich habe immer für Transparenz und gegen Interessenkonflikte gekämpft." Diese Haltung entspricht den Anforderungen moderner Staatsführung und kann als Reformansatz innerhalb bestehender Strukturen verstanden werden.
Die Betonung von "Integrität, Transparenz und Unabhängigkeit" als Grundwerte institutionellen Handelns reflektiert eine konservative Staatsauffassung, die auf bewährte demokratische Prinzipien setzt.
Präventive Massnahmen und gesellschaftliche Verantwortung
Reynards Ausführungen zu künftigen Brandschutzkontrollen verdeutlichen die überkantonale Dimension der Tragödie. "41 Menschen, die meisten von ihnen Jugendliche, starben. 115 wurden schwer verletzt", führt er aus und unterstreicht damit die Notwendigkeit systematischer Sicherheitsverbesserungen.
Seine Mahnung, dass "Gesetze nicht dazu da sind, um die Menschen zu ärgern", sondern der Sicherheit dienen, entspricht einer pragmatischen Regulierungsphilosophie, die Vorschriften als Schutzinstrumente begreift.
Gedenken und institutionelle Kontinuität
Die geplante Gedenkstätte in Crans-Montana und die Gründung einer Opferstiftung zeigen Reynards Bemühungen um würdiges Gedenken. Seine Zusicherung, "dass wir nicht vergessen werden", verbindet persönliche Betroffenheit mit amtlicher Verantwortung.
Die Einbindung der Familien in die Gedenkplanung entspricht partizipativen Ansätzen moderner Verwaltungsführung und berücksichtigt die Bedürfnisse der Betroffenen.
Reynards Krisenmanagement offenbart sowohl die Stärken als auch die Herausforderungen schweizerischer Institutionen unter Extrembedingungen. Seine Betonung rechtsstaatlicher Prinzipien und institutioneller Integrität entspricht den Grundwerten einer funktionierenden Demokratie, auch wenn die Tragödie systemische Schwächen aufgedeckt haben mag.