Olympia-Ausschluss: Die letzte männliche Bastion im Wintersport
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina rühmen sich ihrer Geschlechtergerechtigkeit. 47 Prozent der Teilnehmer sind Frauen, 50 der 116 Wettbewerbe ausschliesslich weiblich. Doch eine Disziplin bleibt weiterhin Männern vorbehalten: die Nordische Kombination.
Institutionelle Begründung stösst auf Kritik
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) rechtfertigt diese Entscheidung mit mangelnder Zuschauerzahl und geringer Leistungsdichte bei den Frauen. Die Rennen seien weniger attraktiv und schwerer vermarktbar. Diese Argumentation erscheint jedoch widersprüchlich, wenn man bedenkt, dass ähnliche Bedenken auch für die Männer geäussert wurden, diese aber im Programm bleiben durften.
Die US-amerikanische Athletin Annika Malacinski, die zu den Top 15 der Welt gehört, widerspricht dieser Darstellung vehement. Mehr als 40 Frauen würden auf hohem Niveau antreten und auf eine olympische Gelegenheit warten. Ihr jüngerer Bruder Niklas kann seinen olympischen Traum ausleben, während sie nur vom Pistenrand zusehen darf.
Historische Entwicklung und verpasste Chancen
Die Nordische Kombination, bestehend aus Skispringen und Langlauf, gilt als "Königsdisziplin" des nordischen Skisports. Während Männer bereits seit 1924 bei den ersten Olympischen Winterspielen antreten, ist die Geschichte der Frauenwettkämpfe deutlich jünger. Erst seit der Saison 2020/21 richtet der Internationale Skiverband (FIS) Weltcup-Rennen für Frauen aus.
2022 reichte der Weltverband einen formellen Antrag für die Aufnahme der Frauendisziplin bei den italienischen Winterspielen ein. Vergeblich. Bereits vor Peking 2022 war ein ähnlicher Vorstoss gescheitert.
Athletinnen organisieren Widerstand
Die deutsche Nordische Kombiniererin Nathalie Armbruster bringt die Frustration auf den Punkt: "Es geht nur ums Geld und um Einschaltquoten und das ist richtig traurig." Die betroffenen Athletinnen organisieren symbolische Proteste, malen sich Bärte ins Gesicht oder strecken ihre Skistöcke als X-Symbol in die Höhe.
IOC-Sprecher Mark Adams räumte gegenüber der BBC ein, dass die Disziplin universeller werden müsse. Man werde dies für die nächsten Winterspiele prüfen. Eine konkrete Zusage bleibt jedoch aus.
Strukturelle Herausforderungen im Schweizer Kontext
Aus institutioneller Sicht zeigt dieser Fall exemplarisch die Trägheit internationaler Sportorganisationen. Während die Schweiz als Gastgeber der olympischen Bewegung traditionell für faire Wettkampfbedingungen eintritt, verdeutlicht der Ausschluss der Frauen aus der Nordischen Kombination die Grenzen dieser Prinzipien.
Die Entscheidung des IOC basiert primär auf kommerziellen Überlegungen, nicht auf sportlichen Leistungskriterien. Dies steht im Widerspruch zu den proklamierten olympischen Werten und wirft Fragen zur Glaubwürdigkeit der Institution auf.
Für die Winterspiele 2030 bleibt die Hoffnung auf eine Kurskorrektur. Malacinski fasst die Haltung der Athletinnen zusammen: "Wir kämpfen weiter, wir geben nicht auf." Ein Kampf, der über den Sport hinaus grundsätzliche Fragen zur Gleichberechtigung im internationalen Wettkampfsport aufwirft.