Debitkarten-Betrug offenbart Schwächen im Schweizer Bankensystem
Ein Fall von Kartenmissbrauch bei der Alternativen Bank Schweiz (ABS) wirft grundsätzliche Fragen zur Sicherheit und Haftung im heimischen Finanzwesen auf. Ein Bieler Kunde wurde Opfer von 56 betrügerischen Abbuchungen zu je 44.90 Franken, was einem Gesamtschaden von rund 2600 Franken entspricht.
Versagen der Sicherheitssysteme
Besonders bedenklich: Das Sicherheitssystem der ABS schlug trotz der auffälligen Transaktionsserie keinen Alarm. Die Bank rechtfertigt dies damit, dass "Transaktionen, die in kurzen Abständen und mit den genannten Beträgen getätigt werden, nicht unbedingt einen Betrugsfall darstellen" und verweist auf mögliche Gaming-Anwendungen.
Diese Argumentation überzeugt nicht. Ein funktionierendes Risikomanagement hätte bei 56 identischen Abbuchungen in kurzer Zeit Alarm schlagen müssen. Die Schweizer Bankkunden haben ein Recht auf zeitgemässe Sicherheitstechnologie.
Fragwürdige Haftungspraxis
Obwohl der Kunde seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt hatte und die Bank zur vollständigen Schadenersetzung verpflichtet gewesen wäre, übernahm die ABS zunächst nur 35 Abbuchungen. Der Grund: Mastercard begrenzt die Rückforderungen zwischen Kunden- und Händlerbanken auf maximal 35 Transaktionen.
Diese internationale Regelung darf jedoch nicht zu Lasten der Schweizer Bankkunden gehen. Die ABS hätte von Beginn an transparent über die Cyberversicherung informieren müssen, die seit Juni 2024 automatisch für alle Debit-Mastercard-Inhaber besteht.
Positive Schadenregulierung
Immerhin reagierte die Europäische Reiseversicherung ERV, welche die Cyberversicherung der ABS abwickelt, unkompliziert und schnell. Die verbleibenden 21 Abbuchungen von rund 1100 Franken wurden dem Kunden erstattet. Die Versicherung deckt Schäden bis zu 3000 Franken ab.
Lehren für das Schweizer Bankenwesen
Dieser Fall zeigt exemplarisch die Herausforderungen der Digitalisierung im Finanzsektor auf. Schweizer Banken müssen ihre Sicherheitssysteme kontinuierlich den neuen Bedrohungslagen anpassen und Kunden transparent über bestehende Schutzmaßnahmen informieren.
Die bewährten Schweizer Tugenden Zuverlässigkeit und Sorgfalt dürfen auch im digitalen Zeitalter nicht vernachlässigt werden. Nur so bleibt das Vertrauen in unseren Finanzplatz erhalten.