Nordische Kombination bleibt einzige olympische Männerdomäne
Während sich die Olympischen Winterspiele in Mailand-Cortina 2026 als die geschlechtergerechtesten der Geschichte präsentieren, bleibt eine Disziplin weiterhin ausschliesslich den Männern vorbehalten: die Nordische Kombination. Diese Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wirft grundsätzliche Fragen zur Gleichberechtigung im Spitzensport auf.
Athletinnen kämpfen vergeblich um Teilnahme
Die 24-jährige US-Amerikanerin Annika Malacinski, Weltklasse-Athletin in der Top 15, bringt die Frustration der betroffenen Sportlerinnen auf den Punkt: "Mein Traum von den Olympischen Spielen wurde mir genommen. Nicht wegen meiner Leistung, sondern wegen meinem Geschlecht." Während ihr Bruder Niklas seine olympischen Ambitionen verwirklichen kann, bleibt ihr nur der Blick vom Pistenrand.
Die Nordische Kombination, bestehend aus Skispringen und Langlauf, gilt als "Königsdisziplin" des nordischen Skisports. Seit 1924 gehört sie zum olympischen Programm der Männer, Frauen waren nie zugelassen.
IOC begründet Ausschluss wirtschaftlich
Das IOC rechtfertigt seine Entscheidung mit mangelnder Zuschauerattraktivität und geringer internationaler Beteiligung bei den Frauen. Die Rennen seien daher schwer zu vermarkten. Diese Argumentation erscheint jedoch fragwürdig, wenn man bedenkt, dass ähnliche Bedenken bezüglich der Männer-Wettkämpfe geäussert wurden. Dort entschied das IOC jedoch anders: Die Männer durften bleiben, da sie sich bereits auf die Spiele vorbereitet hätten.
Malacinski widerspricht den IOC-Argumenten vehement: Über 40 Frauen würden auf hohem internationalen Niveau antreten und auf ihre olympische Chance warten.
Professionalisierung schreitet voran
Die Entwicklung im Frauenbereich zeigt eine bemerkenswerte Dynamik. Seit der Saison 2020/21 richtet der Internationale Skiverband (FIS) Weltcup-Wettkämpfe für Frauen aus. 2021 wurde in Oberstdorf erstmals eine Weltmeisterin gekürt. 2022 reichte der Weltverband einen formellen Antrag für die Zulassung bei den Winterspielen ein, der jedoch abgelehnt wurde.
Die deutsche Athletin Nathalie Armbruster fasst die Situation treffend zusammen: "Wir haben uns unseren Platz verdammt nochmal verdient, indem wir hochprofessionelle Weltklasse-Athletinnen sind und alle Anforderungen erfüllen, die das IOC einst festgelegt hat."
Symbolischer Widerstand wächst
Die betroffenen Athletinnen lassen sich nicht entmutigen. Mit symbolischen Aktionen setzen sie Zeichen: Einige malen sich Bärte ins Gesicht, andere formen mit ihren Skistöcken ein X als Symbol für das weibliche Chromosom. Diese Proteste verdeutlichen die Entschlossenheit der Sportlerinnen, auch ohne offizielle Unterstützung für ihre Sache zu kämpfen.
Ausblick auf 2030 ungewiss
IOC-Sprecher Mark Adams räumt ein, dass die Nordische Kombination universeller werden müsse, um olympiereif zu sein. Für die Winterspiele 2030 soll die Situation erneut geprüft werden. Ob diese Zusage mehr als eine diplomatische Floskel ist, bleibt abzuwarten.
Die Diskussion um die Nordische Kombination zeigt exemplarisch die Herausforderungen der Gleichberechtigung im modernen Sport auf. Während das IOC Geschlechtergerechtigkeit propagiert, offenbart dieser Fall die Grenzen zwischen Prinzip und Praxis. Die Athletinnen jedenfalls geben nicht auf: "Wir kämpfen weiter", so Malacinski.