Lichtsteiners FCB-Aus: Eine Ankündigung, die er selbst besiegelte
Nach nur 226 Tagen endet das Engagement von Stephan Lichtsteiner als Cheftrainer des FC Basel. Der Klub trennte sich am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung vom 42-Jährigen. Ausschlaggebend war offenbar eine eigene Ankündigung Lichtsteiners vor der Mannschaft, die den Entscheid der Vereinsführung beschleunigte.
Wie kam es zur Trennung?
Lichtsteiner hatte dem Team nach dem Morgentraining am Mittwoch mitgeteilt, dass er nur noch bis zur Nationalmannschaftspause im Amt bleiben werde. Als diese Information die Klubleitung erreichte, zog diese die Reissleine. Der Punkteschnitt des Trainers war zuletzt auf 1,22 pro Partie gesunken, nach zwei Heimspielniederlagen gegen Sion und Lugano mehrte sich die Kritik. Am Sonntag wurde Lichtsteiner beim Gang in die Katakomben lautstark ausgepfiffen.
Was sagt der Klub zur Entlassung?
Klubpräsident David Degen erklärte im Communiqué: „Unser Vertrauen in Stephan Lichtsteiner war mit der Erwartung verbunden, dass mittelfristig eine klare sportliche Weiterentwicklung und eine sichtbare Aufwärtstendenz erkennbar werden. Diese Aufwärtstendenz sahen wir in den vergangenen Wochen leider nicht und es fehlte der Glaube, dass sich dies innert nützlicher Frist ändert.“ Die Mitteilung spricht gar vom „Risiko eines sportlichen Rückschritts und einer negativen Tabellendynamik“.
Welche Rolle spielte die Kommunikation?
Neben den sportlichen Resultaten war es vor allem die interne Kommunikation, die Lichtsteiner zum Verhängnis wurde. Von mehreren Seiten ist zu hören, dass der Draht zu einigen Spielern schon länger verloren war. Zwischen Lichtsteiner und Captain Xherdan Shaqiri, einst gemeinsam im Nationalteam, entwickelte sich nie eine harmonische Beziehung. Auch öffentlich sorgte der Trainer mit skurrilen Aussagen für Irritationen.
Was bedeutet das für die Zukunft des FCB?
Interimsweise übernimmt der zweite Assistent Luigi Nocentini, der bereits unter Fabio Celestini Teil des Staffs war. Die Suche nach einem Nachfolger läuft, erste Namen wie Nenad Bjelica sind im Gespräch. Die Spur führt ins Ausland. Bis zur Bekanntgabe will der Klub schweigen, auch die wöchentliche Pressekonferenz fällt aus. Der neue Trainer wird der neunte unter David Degen sein und hätte während der Nationalmannschaftspause Zeit, das Team kennenzulernen.
Die Trennung ist auch ein Eingeständnis des Klubs, der von Selbstkritik spricht und einräumt, dass Hoffnungen nicht erfüllt werden konnten. Nach Ludovic Magnin war Lichtsteiner die zweite Fehlbesetzung in Folge. Die Verantwortung für diese Entwicklung trägt auch der frühere Sportchef Daniel Stucki, der Lichtsteiner im Januar noch als taktisch versiert und teamorientiert gelobt hatte.
Für den FC Basel beginnt nun erneut eine Phase der Neuorientierung. Die Frage ist, ob der Klub diesmal die richtigen Lehren zieht und einen Trainer findet, der sowohl sportlich als auch kommunikativ überzeugt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der FCB zu alter Stärke zurückfindet.