KI-Quiz auf dem Zürcher Street Food Festival: Algorithmen für die Standwahl
Auf der Hardturmbrache stehen ab Ende Mai über 100 Ausstellerinnen und Aussteller. Das Angebot wechselt wöchentlich. Die Auswahl ist entsprechend gross. In diesem Jahr setzt das Zürcher Street Food Festival erstmals auf ein KI-gestütztes Quiz, das Besuchende bei der Orientierung unterstützen soll. Entwickelt wurde es in Kooperation mit dem Berner Start-up Taste Match, das seit 2024 eine App zur Restaurantempfehlung auf Basis von Bilderauswahl anbietet.
Das Prinzip: Bilderauswahl statt endlosem Streifen
Das Konzept ist einfach. Plakate auf dem Festivalgelände, etwa an den WC-Türen oder hinter dem Eingangstor, weisen mit einem QR-Code auf das Quiz hin. Ein App-Download oder eine Registrierung sind nicht nötig. Nach dem Scan gelangt man zu sieben Bildpaaren. Man wählt, welches Bild mehr anspricht, oder tippt auf «beide» beziehungsweise «weder noch».
Tobias Tröhler, Mitgründer von Taste Match, beschreibt das Problem, das das Quiz lösen will: «Viele Besuchende stellen sich an die längste Schlange statt an den passenden Stand.» Das Phänomen ist bekannt. Das Quiz soll dem entgegenwirken und die Wahl evidenzbasierter machen.
Ergebnis und Filteroptionen
Nach den sieben Fragen ordnet der Algorithmus den Nutzenden einer Kategorie zu. Im Testfall lautete das Ergebnis: «Du bist ein Gastronaut», also offen für Vielfalt. Das Handy zeigt daraufhin bis zu zwanzig passende Food-Stände an.
Die Anzahl der Vorschläge ist bewusst gewählt. Festival-Mitgründerin Katja Weber erklärt: «So können wir unseren Besuchenden Orientierung bieten, ohne die Vielfalt des Festivals auf wenige Optionen zu reduzieren.» Das Gleichgewicht zwischen Orientierung und Offenheit ist programmatisch.
Praktisch ist die Filterfunktion: Die Ergebnisse lassen sich nach vegan, vegetarisch, süss, salzig, kinderfreundlich und vor allem nach «Jetzt vor Ort» einschränken. Letzteres verhindert, dass man sich in Essen verliebt, das erst in der kommenden Woche auf der Brache verfügbar ist. Eine spezifische Länderküche lässt sich aktuell noch nicht auswählen.
Praxistest: Vom Algorithmus zum Takoyaki
Die Vorschläge enthalten die Hand-pulled Noodles aus China, die bereits vom letztjährigen Festival bekannt sind. Neu entdeckt werden die japanischen Gerichte von Maiiam. Ein genauer Standort wird nicht angegeben, was bedeutet, dass man sich auf die Suche machen muss. Auf dem Weg entdeckt man weitere Stände, die das Quiz nicht vorgeschlagen hat. Das ist weder ein Fehler der KI noch des Festivals, sondern die Natur der Sache.
Bei Maiiam fällt die Wahl auf Takoyaki. Die sieben Teigkugeln mit Oktopus, japanischer Mayo und Fischflocken kosten 13 Franken und sind recht mild im Geschmack. Ob Gyozas die bessere Wahl gewesen wären, lässt sich im Nachhinein nicht klären.
Zweiter Durchlauf: Dessert und regionale Verankerung
Der Button «Quiz wiederholen» ermöglicht beliebig viele Versuche. Im zweiten Durchlauf lässt sich das Ergebnis Richtung Dessert lenken. Der Algorithmus schlägt unter anderem einen Stand vor, der erst seit dieser Woche auf der Brache steht: das Gastro-Duo von Kraz, das 2024 mit einem Pop-up in Wiedikon überzeugte. Die französischen Galettes und Crêpes passen zum regionalen Angebot. Eine Crêpe mit Caramel-Sauce, Salz und Rahm kostet 12 Franken.
Fazit: Nützliches Werkzeug mit Entwicklungspotenzial
Das Taste-Match-Quiz engt die Food-Auswahl ein und animiert dazu, Foodtrucks eine Chance zu geben, die man sonst vielleicht übersieht. Der Mehrwert gegenüber der blossen Orientierung auf dem Gelände ist begrenzt, aber vorhanden. Die Anwendung wird laut Weber laufend weiterentwickelt und optimiert.
Die Kooperation zwischen dem Street Food Festival und einem Berner Start-up zeigt, wie Digitalisierung im Kleinen funktionieren kann: als Ergänzung, nicht als Ersatz für das eigene Urteil. Für ein Festival, das auf Vielfalt und Entdeckung setzt, ist das ein vernünftiger Ansatz. Ob sich das Quiz etabliert, wird die weitere Entwicklung zeigen.