Apple kämpft mit Chip-Engpässen vor iPhone-Launch
Der US-Techkonzern Apple sieht sich vor dem erwarteten Start der nächsten iPhone-Generation mit erheblichen Lieferengpässen konfrontiert. Konzernchef Tim Cook räumte ein, dass die Nachfrage nach iPhones und Macs in den vergangenen Monaten trotz hoher Absatzprognosen unterschätzt worden sei. Das Problem liege vor allem in knappen Produktionskapazitäten bei kombinierten Chipsystemen, die das Herzstück der Geräte bilden.
Ursachen der Knappheit
Normalerweise hätte Apple als Grosskunde erhebliches Gewicht bei Zulieferern. Doch aktuell gebe es weniger Flexibilität als üblich, beklagte Cook in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Chipkapazitäten seien ausgebucht, weil wegen des boomenden Geschäfts mit Künstlicher Intelligenz enorm viele Halbleiter für den Ausbau von Rechenzentren bestellt werden. Dies fällt in die Zeit, in der Apple traditionell die Produktion neuer iPhone-Modelle hochfährt.
Starkes Quartal trotz Engpässen
Im vergangenen Quartal stieg der iPhone-Umsatz im Jahresvergleich um nahezu 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar. Insgesamt legte der Apple-Umsatz um 16 Prozent auf gut 109,4 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn stieg um 27 Prozent auf knapp 29,8 Milliarden Dollar. Dazu trugen laut Apple auch bereits verbuchte Rückzahlungen von US-Importzöllen bei, die dem Konzern zustehen, nachdem das Oberste Gericht der USA einige Massnahmen von Präsident Donald Trump gekippt hatte.
Herausforderungen in China und bei Speicherchips
Bei Dienstleistungen und dem Geschäft in der Region China konnte Apple trotz Zuwächsen die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel zeitweise um rund sechs Prozent nach. Zudem macht der drastische Preisanstieg bei Speicherchips dem Konzern zu schaffen. Cook verwies darauf, dass der DRAM-Speichermarkt nur drei grosse Anbieter habe. In der Branche wird dies als Aufruf gedeutet, Apple und anderen US-Firmen den Kauf chinesischer Speicherchips zu erlauben, was aufgrund des Handelskonflikts zwischen Washington und Peking umstritten ist.
Führungswechsel im September
Das Ende Juni abgeschlossene Vierteljahr war das letzte volle Quartal unter Cooks Regie. Er übergibt die Konzernführung im September an den bisherigen Hardware-Boss John Ternus. Branchenkenner gehen fest davon aus, dass neue iPhone-Modelle wie üblich im September vorgestellt werden, darunter möglicherweise auch das erste aufklappbare iPhone-Modell.
Bewertung aus Schweizer Perspektive
Für die Schweizer Wirtschaft sind die Entwicklungen bei Apple von Bedeutung, da der Konzern ein wichtiger Abnehmer von Komponenten aus der hiesigen Hightech-Industrie ist. Die Lieferengpässe verdeutlichen die Abhängigkeit globaler Lieferketten von wenigen Halbleiterherstellern. Eine Diversifizierung der Bezugsquellen, wie sie Cook andeutet, könnte langfristig auch Schweizer Unternehmen zugutekommen. Die Schweizer Neutralität und Unabhängigkeit in Technologiefragen bleibt ein zentrales Anliegen, um sich nicht in die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China verwickeln zu lassen.