TikTok und Minderjährige: Ein Vater setzt auf Kontrolle statt Verbot
Ein Vater aus Deutschland zeigt mit seiner minderjährigen Tochter auf TikTok, wie sie mit sexuell belästigenden Nachrichten umgehen. Das Video hat über 1,3 Millionen Aufrufe erzielt. Kinderschutz Schweiz warnt angesichts solcher Fälle vor den Risiken sozialer Medien und empfiehlt, die Altersfreigaben der Apps strikt einzuhalten.
Wie begann der Fall der Judo-Schülerin?
Die minderjährige Sofia begann vor über einem Jahr mit Judo. Sie wollte ihre Fortschritte dokumentieren und anderen Menschen zeigen. „Ich wollte anderen Leuten meine Fortschritte zeigen. Auch, weil nicht immer alle an mich geglaubt haben“, sagt Sofia. Sie habe früher Mobbing erlebt und Judo habe ihr geholfen, sich stärker zu fühlen.
Daraufhin fragte sie ihren Vater Robert, ob sie TikTok und Snapchat nutzen dürfe. Robert war skeptisch. Da Sofia jünger als 13 Jahre ist, darf sie laut den Richtlinien der Plattformen kein eigenes Profil erstellen. „Snapchat kommt auf keinen Fall in Frage. Ich habe sehr viel Negatives über die Plattform gehört“, erklärt der Vater.
Welche Regeln gelten in der Familie?
Robert informierte sich mehrere Monate über TikTok, bevor er der Nutzung zustimmte. Die Familie vereinbarte klare Regeln: Die App lief nur auf Roberts Handy, und er war bei jeder Nutzung anwesend. Sofia durfte weder Nachrichten beantworten noch Inhalte posten, ohne diese vorher zu besprechen.
Sofia war anfangs unzufrieden. „Zu Beginn fand ich es schon etwas doof, dass ich immer zu meinem Vater musste“, sagt sie. Mit der Zeit habe sie die Sorgen ihres Vaters jedoch verstanden. „Ich habe halt bestimmte Videos gesehen, die nicht unbedingt für Kinder sind. Und dann sah ich den Sinn dahinter schon.“
Wie reagiert die Familie auf belästigende Nachrichten?
Seit rund einem Jahr betreiben Vater und Tochter den Kanal gemeinsam. Immer wieder erhalten sie Nachrichten von älteren Männern. Robert löscht die Nachrichten, blockiert die Nutzer und meldet sie bei sexuellen Inhalten. „Irgendwann begann ich, Sofia die Texte vorzulesen und mit ihr zu besprechen“, sagt er. Auch scheinbar harmlose Nachrichten könnten Grooming sein.
Sofia empfindet die Nachrichten als ekelhaft. „Und es macht mich auch wütend und manchmal auch traurig. Weil ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, die solche Nachrichten bekommt.“
Welche Resonanz erhielt das Aufklärungsvideo?
Die grosse Resonanz überraschte Vater und Tochter. Viele Betroffene hätten sich gemeldet und gedankt. Robert zeigt sich schockiert: „Für viele junge Mädchen sind solche Nachrichten ganz normal. Sie denken gar nicht darüber nach, wie falsch es von den Erwachsenen überhaupt ist.“
Kritische Stimmen argumentierten, dass junge Menschen deshalb kein Social Media nutzen sollten. Robert widerspricht: „Ich glaube, ganz viele Kinder nutzen TikTok und Co. heimlich und fühlen sich dann sehr alleine, wenn sie in eine überfordernde Situation kommen. Vielleicht trauen sie sich nicht, sich an die Eltern zu wenden, weil sie ja etwas Verbotenes getan haben.“
Wie geht die Familie heute mit der Plattform um?
Die Regeln wurden angepasst. Sofia darf TikTok nun auf ihrem eigenen Handy nutzen. „Ich vertraue ihr da und weiss, wenn sie eine Frage hat oder etwas ist, kommt sie zu mir“, sagt Robert. Gepostet wird weiterhin nur in Absprache mit ihm, und Nachrichten beantworten sie meist gemeinsam.
Die Motivation der Videos war nicht, dass die Nachrichten aufhören. „Wir wollten diesem Thema eine Plattform geben. Und ich denke, das ist uns gelungen“, so Robert.
Was empfiehlt Kinderschutz Schweiz?
Kinderschutz Schweiz warnt vor den Risiken sozialer Medien für Minderjährige. Die Organisation rät, die Altersfreigaben der Apps einzuhalten und die Nutzung durch Kinder eng zu begleiten. Eltern sollten mit ihren Kindern über mögliche Gefahren sprechen und klare Regeln aufstellen.
FAQ: Häufige Fragen zum Schutz von Kindern auf Social Media
Ab welchem Alter sind TikTok und Snapchat erlaubt?
TikTok und Snapchat erlauben die Nutzung offiziell erst ab 13 Jahren. Jüngere Kinder dürfen laut den Richtlinien kein eigenes Profil erstellen.
Was ist Grooming?
Grooming bezeichnet die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen mit Minderjährigen, um sexuelles Vertrauen aufzubauen. Auch scheinbar harmlose Nachrichten können Teil dieser Strategie sein.
Wie können Eltern ihre Kinder schützen?
Eltern sollten die Nutzung begleiten, klare Regeln aufstellen und mit ihren Kindern über mögliche Gefahren sprechen. Die Einhaltung der Altersfreigaben ist ein zentraler Bestandteil des Schutzes.