Jon Ossoff: Der Mann, der Trump zur Weissglut bringt
Der demokratische Senator aus Georgia, Jon Ossoff, hat mit einer Wahlkampfrede in Atlanta die politische Bühne der USA aufgemischt. Ex-Präsident Bill Clinton nannte die Ansprache eine Rede, die der Nation unter die Haut gehe. Im Weissen Haus sorgte sie für helle Empörung. Präsident Donald Trump verglich Ossoff mit der Comic-Figur Pee-wee Herman, sein Kommunikationsdirektor Steven Cheung bezeichnete ihn als den grössten Loser in der Politik. Ossoffs Botschaft: Die Regierung arbeite für die Reichen, nicht für das Volk.
Was genau sagte Ossoff in Atlanta?
Ossoff zählte in seiner Rede überprüfbare Fakten auf: über Matrosen, über Geld und darüber, wie der Präsident seine Tage verbringe. Er verknüpfte diese Fakten zu einer Frage, die das Land umtreibt: Wer leistet die mühsame Regierungsarbeit, und wer profitiert davon? Clinton lobte die Rede als wegweisend für die Zukunft der USA. Ossoff habe nicht nur brillant rhetorisiert, sondern substanzielle Punkte gesetzt.
Warum bringt Ossoff Trump so sehr auf?
Ossoff hat den Begriff Epstein-Klasse popularisiert und prangert wiederholt die Korruption im Umfeld des Präsidenten an. Er geht dabei ein erhebliches Risiko ein. Georgia ist ein Swing State, Trump gewann den Bundesstaat 2024. Eine vorsichtige Kampagne wäre naheliegend. Ossoff wählt den Frontalangriff, aber mit Bedacht. Er spricht langsam, setzt Pausen, schreibt seine Reden selbst. Früher wurde ihm vorgeworfen, Barack Obama zu imitieren. Inzwischen attestiert ihm David Graham im Atlantic, er habe seine eigene Stimme gefunden.
Ossoffs Profil: Brückenbauer zwischen linken und moderaten Demokraten
Ossoff ist kein demokratischer Sozialist, wird aber dem progressiven Flügel zugerechnet. Obwohl er Jude ist, spricht er sich gegen weitere Waffenlieferungen an Israel aus. Michelle Goldberg schreibt in der New York Times, ein idealer Kandidat für 2028 wäre nach dem Vorbild Ossoffs geschaffen: jung, gut aussehend, mit Familie, aus dem Süden, mit Anziehungskraft auf schwarze Wähler. Ossoff selbst weist Ambitionen auf das Weisse Haus weit von sich. Zu Recht, denn eine solche Ankündigung würde seine Chancen auf die Wiederwahl in Georgia zerstören. Sein Senatssitz ist entscheidend für die Mehrheit im Senat.
Wie stehen die Chancen für Ossoffs Wiederwahl?
In den Umfragen liegt Ossoff deutlich vor seinem republikanischen Gegner Mike Collins, einem Trump-Loyalisten. Doch die heisse Phase des Wahlkampfs steht erst bevor. Die Republikaner werden viel Geld aufwenden, um ihn zu besiegen. Ihre übliche Polemik, Gegner als Marxisten oder Islamisten zu verunglimpfen, verfängt bei Ossoff nicht. Er betont seinen Patriotismus, grenzt sich aber klar von Blut-und-Boden-Rhetorik ab. In seiner Auftaktrede sagte er: Wir sind mit dem gleichen nationalen Geist verbunden, der die Zivilgesetze schuf, den Faschismus besiegte und die Mondlandung ermöglichte. Kleine Geister wie Donald Trump, J.D. Vance und Stephen Miller werden dies nie verstehen. Unsere nationale Grösse fliesst nicht durch unser Blut oder unsere Gene. Sie fliesst durch unsere Ideen.
Was bedeutet Ossoffs Kampf für die Demokratie in den USA?
Ossoffs Wahlkampf ist mehr als ein lokales Rennen. Es geht um die Mehrheit im Senat und damit um die Zukunft der demokratischen Institutionen in den USA. Ein Sieg Ossoffs wäre ein Signal gegen die Polarisierung und für eine sachliche Politik. Eine Niederlage würde die Republikaner weiter stärken. Die Bürgerinnen und Bürger in Georgia tragen damit eine grosse Verantwortung, nicht nur für ihren Bundesstaat, sondern für das ganze Land.
FAQ: Jon Ossoff und die US-Politik
Wer ist Jon Ossoff?
Jon Ossoff ist demokratischer Senator für Georgia. Er wurde 2021 vereidigt und gilt als Vertreter des progressiven Flügels. Er ist Jude, verheiratet mit einer Gynäkologin und Vater zweier Töchter.
Warum ist Georgia ein Swing State?
Georgia hat sich in den letzten Wahlzyklen von einem traditionell republikanischen zu einem umkämpften Bundesstaat entwickelt. Die wachsende urbane Bevölkerung und die Mobilisierung schwarzer Wähler machen das Ergebnis offen.
Was ist die Epstein-Klasse?
Der Begriff verweist auf den verstorbenen Financier Jeffrey Epstein und dessen Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Justiz. Ossoff nutzt ihn, um auf Verbindungen und mögliche Korruption im Umfeld Trumps aufmerksam zu machen.