Hape Kerkeling und das Bundespräsidentenamt: Vom Komiker zum politischen Akteur
Der deutsche Komiker Hape Kerkeling, bekannt durch Figuren wie Horst Schlämmer, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend politisch engagiert. Am Mittwoch nahm er an einer Expertenanhörung im Thüringer Landtag zu einem möglichen AfD-Verbot teil. Zudem zieht der 61-Jährige inzwischen eine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten in Betracht, nachdem er früher solche Ambitionen verneint hatte.
Vom Unterhaltungskünstler zum politischen Beobachter
Kerkeling, geboren in Recklinghausen, wurde in den 1980er-Jahren als Komiker bekannt. Schon früh verband er seine Arbeit mit satirischen Kommentaren zum politischen Geschehen. 1991 fuhr er als Königin Beatrix der Niederlande verkleidet beim damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor. Im selben Jahr trat er beim SPD-Parteitag in Bremen als Gegenkandidat zu Björn Engholm auf.
Eine seiner bekanntesten Figuren ist Horst Schlämmer, der im Film «Horst Schlämmer – Isch kandidiere!» mit seiner eigenen Partei für die Bundestagswahl antritt. Diese Kunstfigur brachte ihn immer wieder in Kontakt mit politischen Themen.
Erste politische Schritte und späte Ambitionen
Erst 2017 bewegte sich Kerkeling tatsächlich im politischen Raum: Er war Mitglied der Bundesversammlung, die Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten wählte. 2019 berichtete er, dass die Grünen ihn gebeten hätten, für das Amt des Oberbürgermeisters von Recklinghausen zu kandidieren. In einem Interview mit der «Bild am Sonntag» erklärte er damals, kein Parteimitglied zu sein, sich die Kandidatur aber überlegt zu haben: «Ich habe mir das tatsächlich auch eine Zeit lang überlegt. (…) Ich habe dann zurückgezogen. Ich habe doch gar keine Ahnung von der Politik.»
Der Beruf des Politikers sei beinhart, «und am Ende traue ich mir den dann doch nicht zu», sagte Kerkeling 2019. Seine politische Meinung äusserte er dennoch öffentlich.
Deutliche Kritik an der AfD
Ende 2023 kritisierte Kerkeling die AfD in einem Interview mit der «Zeit». Die Partei verstosse gegen die Grundprinzipien der Gleichheit. «Unser Grundgesetz ist doch ziemlich eindeutig in Artikel 1, wenn es sagt, die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt immer und überall», erläuterte er. Für ihn sei «ziemlich eindeutig, dass die AfD gegen diesen Grundsatz verstösst». Sie sei von dem Prinzip getrieben, «dass eben nicht alle Menschen gleich sind, sondern dass wir Unterschiede machen sollten». Wer den Gleichheitsgrundsatz infrage stelle, «hat nichts im Bundestag verloren. Das ist gegen unsere Verfassung», so Kerkeling.
Familiengeschichte und Gedenkrede in Buchenwald
Kerkelings Haltung ist auch durch seine Familiengeschichte geprägt. Sein Grossvater Hermann Kerkeling war wegen regimekritischer Flugblätter während der NS-Zeit zwölf Jahre in Haft, davon etwa drei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald. In seiner 2024 erschienenen Autobiografie «Gebt mir etwas Zeit: Meine Chronik der Ereignisse» berichtete Kerkeling darüber.
Am 12. April 2026 hielt er zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald eine Gedenkrede. Er sprach über das Schicksal seines Grossvaters, der als politischer Häftling Zwangsarbeit leisten musste und Folter erlebte. Zudem zog er eine Verbindung zum heutigen politischen Rechtsruck: «Ich stehe hier heute auch, weil mich die aktuelle politische Entwicklung in unserem Land zutiefst alarmiert. Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren.»
Petition für eine Kandidatur als Bundespräsident
Kerkelings Rede markiert einen Wandel seiner Rolle im politischen Kontext. Auf der Plattform WeAct wurde eine Petition gestartet, die ihn als «lebendiges Symbol unseres Staates» vorschlägt. Die Initianten rufen die demokratischen Parteien auf, Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für die Wahl am 30. Januar 2027 zu nominieren. Deutschland brauche an der Spitze keine Parteitaktik, «sondern eine Persönlichkeit, die unser Land würdig repräsentiert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet».
Im Juni sagte Kerkeling gegenüber RTL, dass er eine Kandidatur nicht mehr ausschliesse. Ob die Mitglieder der Bundesversammlung ihn tatsächlich vorschlagen und er zustimmen würde, bleibt offen.
Anhörung zu einem möglichen AfD-Verbot
Am Mittwoch nahm Kerkeling an einer Expertenanhörung im Thüringer Landtag teil. Diese tagte darüber, ob die seit 2021 als gesichert rechtsextrem eingestufte Thüringer AfD von Björn Höcke verboten werden soll. Kerkeling wurde auf Wunsch der Linken eingeladen. «Es ist eine gesellschaftspolitische Debatte, deswegen muss das auch prominent diskutiert werden», sagte Thüringens Linksfraktionschef Christian Schaft und verwies auf Kerkelings Gedenkrede in Buchenwald.
Die Anhörung könnte ein historischer Moment für Deutschland werden. Für Kerkeling selbst könnte sie den Wandel vom Unterhaltungskünstler zum politischen Akteur weiter festigen.