Die US-Einwanderungsbehörde ICE hat im laufenden Jahr mehr als 713'000 Menschen ohne Aufenthaltsrecht abgeschoben und führt täglich rund 1500 Festnahmen durch. Das Ziel der Regierung Trump lautet, wie SRF News berichtet: eine Million Abschiebungen pro Jahr. Die Dokumentation «ICE - Von der Jagd auf Menschen» beleuchtet die Einsätze der Behörde und den Widerstand dagegen.
Das Budget von ICE hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht und beträgt nun 75 Milliarden Dollar. Wenige Wochen nach seiner Wiederwahl 2025 gab Präsident Donald Trump der Behörde praktisch freie Hand. Die Folgen sind landesweit spürbar und betreffen auch Schweizer Staatsangehörige mit US-Beziehungen sowie die Debatte über rechtsstaatliche Standards.
Was ist ICE und wie ist die Behörde entstanden?
ICE steht für Immigration and Customs Enforcement und ist dem Ministerium für Innere Sicherheit (Department of Homeland Security) unterstellt. Beide Behörden wurden nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gegründet, ursprünglich mit dem Ziel, dschihadistische Netzwerke zu bekämpfen.
Heute richtet sich der Einsatz der Behörde laut SRF-Berichterstattung vor allem gegen Menschen ohne gültige Aufenthaltsdokumente, gegen Inhaber befristeter Visa, die Trump widerrufen hat, sowie gegen Asylsuchende mit hängigen Verfahren, die eine Straftat begangen haben. Fast 70 Prozent der Verhafteten haben jedoch keine strafrechtliche Verurteilung.
Der Grossraff in Minneapolis im Dezember 2025
Die Regierung schickt ICE in erster Linie in demokratisch regierte Hochburgen. Im Dezember 2025 geriet Minneapolis ins Visier der Behörde. Es wurde der grösste Einsatz in der Geschichte von ICE: 3000 Beamte rückten an.
Der Fall der Familie Cepeda steht beispielhaft für die Praxis. Die Eltern leben seit 20 Jahren in Minneapolis, haben einen laufenden Einbürgerungsantrag und keine Vorstrafen. Ihre drei Kinder wurden in den USA geboren. Als der Vater eines Morgens zur Arbeit gehen wollte, wurde er verhaftet und abgeschoben. Die Mutter war zu diesem Zeitpunkt schwanger; der Vater erlebte die Geburt seiner Tochter nicht. Praktische Chancen auf eine Rückkehr hat er nicht.
Der Sohn Hamza sagte im Film: «Das Einzige, woran ich denke, ist, meinen Papa wiederzufinden.»
Es geht vielen so. Nach Angaben der Dokumentation wurde bei 145'000 Kindern ein Elternteil von ICE verhaftet.
Widerstand und ein Todesfall
Minneapolis reagierte mit organisiertem Widerstand. Der damalige ICE-Direktor Todd Lyons sagte: «Wir arbeiteten noch nie in einem so feindseligen Umfeld.»
Mehrere tausend Menschen sind als «legal observers» in den Quartieren unterwegs und halten Ausschau nach zivil gekleideten ICE-Beamten. Sie dokumentieren Einsätze und alarmieren ihr Netzwerk, solange sie die Arbeit der Beamten nicht behindern. Diese Rechtslage ist vergleichbar mit der Rolle von Rechtsexperten bei polizeilichen Kontrollen.
Bei dieser Arbeit wurde Renée Nicole Good von ICE-Beamten erschossen. Drei Kugeln durch die Windschutzscheibe töteten die 37-Jährige. Die Tat wurde als Selbstverteidigung gerechtfertigt. Der Beamte kam nie vor Gericht. Wie Perspektive Online berichtet, erreichte die Eskalation staatlicher Gewalt bei ICE-Einsätzen im Januar dieses Jahres mit zwei tödlichen Schüssen ihren Höhepunkt.
Angst in den Quartieren und die politische Dimension
Wo ICE Razzien durchführt, bleibt Angst zurück. Eltern trauen sich nicht mehr, ihre Kinder auf den Spielplatz oder in die Schule zu bringen. Auch Wikipedia verweist auf Studien und Medienberichte, wonach ICE-Razzien zu abrupten und anhaltenden Störungen des Schulbesuchs führen.
Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, sagte: «Die Regierung wollte in Minneapolis ein Exempel statuieren.» Es sei um Vergeltung an einer demokratischen Stadt und einem demokratischen Bundesstaat gegangen.
Jonathan Blitzer, Journalist beim «The New Yorker», hält fest: «Jedes Regime, das die Demokratie angreifen will, beginnt damit bei der Einwanderung.» Dort testeten Regierungen, wie weit sie gehen können.
Reaktionen der amerikanischen Öffentlichkeit
Die harte Linie der Regierung hat politische Folgen. Wie der Tagesspiegel berichtet, hat die Amerikaner die Razzien vermummter Sicherheitskräfte und die teils tödliche Gewalt gegen Menschen ohne Aufenthaltsrecht vielfals als.masslos empfunden. Bei den Kongresswahlen eroberten die Demokraten die Mehrheit zurück.
FAQ: ICE-Razzien in den USA
Wie viele Menschen hat ICE 2026 abgeschoben?
Mehr als 713'000 Menschen ohne Aufenthaltsrecht wurden laut Ministerium für Innere Sicherheit im laufenden Jahr abgeschoben. Das Ziel der Regierung Trump sind eine Million Abschiebungen pro Jahr.
Was kostet die Behörde ICE?
Das Budget von ICE hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht und liegt bei 75 Milliarden Dollar.
Wer wird bei den Razzien verhaftet?
Nach Angaben von SRF News richten sich die Festnahmen gegen Menschen ohne gültige Papiere, Inhaber widerrufener Visa und Asylsuchende mit hängigen Verfahren. Fast 70 Prozent der Verhafteten haben keine strafrechtliche Verurteilung.
