Die USA planen die erste militärische Hinrichtung seit Jahrzehnten, und sie soll live übertragen werden. Kriminologen warnen vor den gesellschaftlichen Folgen und bezweifeln den erhofften Abschreckungseffekt. Für die Schweiz ergeben sich Lehren aus dem Vorgehen der Trump-Administration.
Was ist geplant?
Anfang Dezember soll Nidal Malik Hasan hingerichtet werden. Es wäre die erste militärische Exekution in den USA seit rund 65 Jahren. Die letzte Erschiessung durch das US-Militär liegt etwa 80 Jahre zurück. Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth wollen diese Praxis wieder einführen. Neu ist jedoch die geplante Übertragung der Hinrichtung als Livestream, wie das Pentagon bestätigt hat.
Welche Wirkung haben Gewaltvideos auf die Gesellschaft?
Der Kriminologe Dirk Baier sieht die Abschreckungswirkung als „völlig naiv“. Studien zeigten, dass Menschen Straftaten nicht wegen hoher Strafen unterliessen. Entscheidend seien persönliche und soziale Umstände. Die Übertragung einer Hinrichtung werde niemanden davon abhalten, aus Impuls oder unter Alkoholeinfluss Gewalt auszuüben.
Baier verweist auf die geringe direkte Wirkung von Gewaltvideos: „Wir stumpfen nicht sofort ab, verlieren nicht gleich unsere Empathie.“ Unvorbereitete Kinder könnten jedoch traumatisiert werden. Bei wiederholtem Konsum sei ein Verlust an Mitgefühl möglich. Die Weiterverbreitung in Memes hält er für problematisch, aber nicht nachhaltig schädigend.
Ein Regierungs-Livestream als Novum
Das eigentliche Novum sei nicht die Darstellung realer Gewalt, sondern ihre Verbreitung durch eine Regierung. Baier spricht von einem „verheerenden Signal“. Die Administration habe bereits bei der Einwanderungsbehörde ICE gezeigt, dass sie brutal vorgehe, um ihre Ziele zu erreichen. Der Livestream sei Teil dieser Strategie.
Hegseth argumentiert, die Menschen müssten die schwerwiegenden Konsequenzen von Taten verstehen. Baier widerspricht: Prävention wirke besser als Abschreckung. „Wer Gewalt vorbeugen möchte, investiert in Erziehungskompetenzen von Eltern, in gute Schulen.“
Widerspruch beim Kinderschutz
Baier nennt es „völlig absurd“, dass sich die Regierung einerseits für den Online-Schutz von Kindern einsetze, andererseits Gewaltinhalte frei zugänglich mache. Anfragen zum Kinderschutz blieben vom Pentagon unbeantwortet. Die USA seien durch solche Schritte polarisierter geworden. Die Schweiz sei davon noch weit entfernt, doch die Entwicklung verdiene Beachtung.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Die Schweiz setzt auf eine andere Strafkultur: Prävention, Resozialisierung und rechtsstaatliche Verfahren. Der Fall zeigt, wie wichtig diese Prinzipien sind. Eine Regierung, die Hinrichtungen live überträgt, verliert ihre moralische Autorität. Die Schweiz sollte ihre Werte klar vertreten und den Dialog mit den USA suchen, ohne sich deren Logik anzueignen.
FAQ
Warum will die US-Regierung die Hinrichtung live übertragen?
Verteidigungsminister Hegseth erhofft sich eine abschreckende Wirkung auf Straftäter. Kriminologen bezweifeln diese Wirkung und verweisen auf die Bedeutung von Prävention.
Ist die militärische Hinrichtung in den USA üblich?
Nein, die letzte militärische Exekution liegt etwa 80 Jahre zurück. Die geplante Hinrichtung von Nidal Malik Hasan wäre die erste seit rund 65 Jahren.
Welche Folgen könnte der Livestream für Kinder haben?
Unvorbereitete Kinder könnten traumatisiert werden. Wiederholter Konsum solcher Inhalte kann das Mitgefühl verringern, so der Kriminologe Dirk Baier.
