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Der einst führende Actionkamera-Hersteller GoPro äussert im jüngsten Finanzbericht erhebliche Zweifel an seinem Fortbestand. Der Marktwert des Unternehmens sank von elf Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf aktuell 130 Millionen Dollar. Chinesische Hersteller wie DJI und Insta360 haben den Markt übernommen, während GoPro an fehlenden Innovationen und strategischen Fehlentscheidungen seines Gründers Nick Woodman krankt. Eine Sanierung durch die Investmentbank Houlihan Lokey und mögliche Militärkooperationen sind die letzten Versuche, die Insolvenz abzuwenden.
Wie gravierend ist die finanzielle Schieflage von GoPro?
Die bilanzielle Entwicklung von GoPro zeugt von einem dramatischen Substanzverlust. Im Herbst 2014 erreichte die Aktie einen Höchststand von über 90 Dollar; heute wird der Anteilschein mit 0,75 Dollar gehandelt. Der Börsenwert reduzierte sich somit von elf Milliarden auf 130 Millionen Dollar. Auch der Umsatz halbierte sich nahezu von 1,7 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 650 Millionen Dollar im Jahr 2025. Im Jahr 2024 wies das Unternehmen einen Verlust von 430 Millionen Dollar aus, 2025 folgte ein weiterer Fehlbetrag von 93 Millionen Dollar. Im April 2025 entliess GoPro 23 Prozent der Belegschaft. Das Unternehmen ist mittlerweile auf Anleihen angewiesen und warnte im Finanzbericht ausdrücklich vor einer möglichen Einstellung des Betriebs oder der Beantragung von Schutz nach den Bundesinsolvenzgesetzen.
Warum verliert GoPro gegen die chinesische Konkurrenz?
GoPro führt die Umsatzrückgänge offiziell auf gestiegene Speicherpreise zurück. Marktdaten zeigen jedoch ein anderes Bild. Der Schweizer Elektronikhändler Digitec publizierte kürzlich die Verkaufsanteile von Actionkameras. Nach jahrelanger Dominanz fiel GoPro deutlich hinter die Konkurrenz zurück. Neun der ersten zehn Verkaufsränge im Bereich Action Cam werden vom chinesischen Hersteller DJI belegt. Insta360 erreicht mit dem X5 Essentials Bundle den vierten Rang. Das einstige Schwergewicht GoPro erscheint in dieser Statistik erst auf Platz dreizehn. Der wahre Grund für den Absturz liegt im mangelnden Innovationswillen des Unternehmens. Während DJI und Insta360 bessere Qualität bei höherer Auflösung liefern, verpasste GoPro den technologischen Anschluss.
Welche strategischen Fehler belasten die Unternehmensgeschichte?
Gründer Nick Woodman prägte die Unternehmenskultur massgeblich. Nach dem Börsengang 2014 erhielt Woodman zusätzliche 4,5 Millionen Aktien, was ihn mit Einnahmen von 280 Millionen Dollar zum bestbezahlten CEO der USA machte. 2015 bestellte er eine 50-Meter-Privatyacht beim holländischen Schiffsbauer Amel für rund 30 Millionen Euro. Um Steuern zu sparen, verschoben Nick und Jill Woodman zudem Aktienanteile im Wert von 500 Millionen Dollar in eine Stiftung. Dies geschah noch vor Ablauf der 180-Tage-Frist, an die Haupteigentümer nach einem Börsengang gebunden sind. Die Aktie verlor daraufhin an einem Tag über zehn Prozent an Wert. Technische Fehlentwicklungen taten ihr Übriges. Die eigene Drohne musste wegen Stromversorgungsproblemen vom Markt genommen werden, da die Fluggeräte abstürzten. Eine Cloud-Plattform und ein teures Mini-Modell für 400 Dollar verfehlten ihre Zielgruppe. Das Drohnen- und das Medienteam wurden in der Folge entlassen.
Wie begann der Aufstieg des Actionkamera-Pioniers?
Die Ursprünge von GoPro reichen bis ins Jahr 2001 zurück. Nach einem gescheiterten Online-Gaming-Service wollte Nick Woodman beim Surfen in Australien sich selbst fotografieren. Er befestigte eine billige Kamera mit Gummibändern an seinem Handgelenk. Das Startkapital sicherte er sich laut eigenen Angaben durch den Verkauf von Muschelschmuck aus Indonesien in Kalifornien, ergänzt durch ein Darlehen seiner Eltern über 230'000 Dollar. Die ersten Kameras liess er in China für drei Dollar herstellen und verkaufte sie für 30 Dollar. 2005 wurde GoPro digital. Der gleichzeitige Aufstieg von Social-Media-Plattformen wie Facebook und YouTube katapultierte den Umsatz auf eine Milliarde Dollar. 2012 stieg Foxconn mit 200 Millionen Dollar ein. Der Börsengang 2014 markierte den Höhepunkt, der den Anfang vom Ende einläutete.
Liegt der Niedergang von GoPro an den Speicherpreisen?
Nein. Zwar führt das Unternehmen gestiegene Speicherpreise als Begründung an. Die Marktdaten des Schweizer Händlers Digitec belegen jedoch, dass GoPro die technologische Führung an DJI und Insta360 verloren hat. Die Konsumenten bevorzugen mittlerweile Geräte mit höherer Auflösung und innovativeren Funktionen.
Was sind die nächsten Schritte für GoPro?
GoPro versucht derzeit, mit Hilfe der Investmentbank Houlihan Lokey neue Überlebenswege zu finden. Das Unternehmen prüft Kooperationen mit dem Militär, um neue Impulse zu generieren. Sollten diese Massnahmen nicht greifen, droht eine erhebliche Betriebseinschränkung, eine Restrukturierung oder die Beantragung von Insolvenzschutz nach US-Bundesrecht.
Fazit: Was bleibt von der GoPro-Ära?
Der Fall GoPro illustriert die Vergänglichkeit von technologischen Dominanzen, wenn Unternehmensführung und Innovation nicht im Gleichschritt bleiben. Während der Gründer im Luxus schwelgte und steuerliche Optimierung betrieb, übernahmen fokussierte Marktakteure aus Asien das Segment. Für den Schweizer Markt zeigt das Digitec-Ranking eine klare Verschiebung hin zu effizienteren Geräten. Sollten die Rettungsversuche scheitern, bleibt als Erbe ein Lehrstück über die Folgen unterlassener Innovation und mangelnder unternehmerischer Sorgfalt.